SPD kritisiert Kündigung durch den Nachbarlandkreis

Frauenhaus: Keine Kür, sondern Pflicht

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„Die Versorgung von Frauen und ihren Kindern in einer Notsituation ist in unseren Augen eine wesentliche Aufgabe der Gesellschaft.“ So kritisiert die Ebersberger SPD-Kreistagsfraktion eine aktuelle Entwicklung im Nachbarlandkreis Erding, die Auswirkungen auf Schutz suchende Frauen im Kreis Ebersberg hat.

Landkreis – Der Erdinger Landrat Martin Bayerstorfer hat dem Träger des dortigen Frauenhauses, dem Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) den Stuhl vor die Türe gestellt. Der Landkreis Ebersberg unterhält eine Kooperation mit der Erdinger Einrichtung.

Bei der Kündigung, die zum Jahresende wirksam werden soll, spielte vor allem der Zuschussbedarf eine Rolle. Die SPD-Kreisräte Albert Hingerl und Doris Rauscher hingegen sind der Ansicht: „Jeder Euro ist hier gut investiert, gerade dann, wenn hoch qualifizierte und professionelle Fachkräfte eingebunden werden können.“

Die bestmögliche Beratung, Versorgung und Betreuung von Frauen, die mit ihren Kindern häuslicher Gewalt entfliehen, sei ihnen ein wichtiges Anliegen und müsse auch zukünftig sichergestellt werden, so Hingerl und Rauscher. Mittelfristig habe sich ja deutlich abgezeichnet, dass der Bedarf nach Beratung und Schutzangeboten zugenommen habe.

Tatsächlich wies die Kreistagsfraktion der Grünen in Ebersberg bereits vor knapp vier Jahren darauf hin, dass allein innerhalb von zwölf Monaten 250 hilfesuchende Frauen hatten abgewiesen werden müssen. Allerdings muss man diese Zahl richtig interpretieren. Denn wer mit seinen Kindern häuslicher Gewalt entfliehen will, fragt oft bei mehreren Betreuungseinrichtungen gleichzeitig an. So kann der Eindruck eines höheren Bedarfs entstehen, als er tatsächlich ist, wurde damals auch aus der Leitung des Frauenhauses selbst bestätigt. Darüber hinaus kommen nicht alle Anfragen aus dem unmittelbaren Umfeld, und auch nicht aus den ursprünglich an der Kooperation beteiligten Landkreisen Ebersberg, Erding und Freising. Unabhängig davon sind Hingerl und Rauscher der Ansicht: „Eine mögliche Gefährdung der bestehenden Angebote ist in keinem Fall hinnehmbar und sollte verhindert werden.“

Im Jahr 2016 hat der Landkreis Ebersberg nach Auskunft von Behördensprecherin Evelyn Schwaiger 50 000 Euro zur Finanzierung des Frauenhauses in Erding beigetragen. Reicht das? „Uns ist bewusst, dass der Betrieb und die Deckung der laufenden Kosten eines Frauenhauses eine finanzielle Belastung für den Kommunalhaushalt darstelle und entsprechend nicht alleine von den Kommunen getragen werden sollten“, sagen Hingerl und die SPD-Landtagsabgeordnete Doris Rauscher in dieser Situation. Auf Landesebene habe man sich deshalb für eine Verdoppelung der finanziellen Mittel eingesetzt, sei damit aber an der Mehrheitsfraktion im Landtag gescheitert. „Leider wurde die Förderung auf dem Niveau der Vorjahre eingefroren. Welche Folgen dies im Einzelfall haben kann, zeigt die Diskussion um zu hohe Defizite des Frauenhauses im Landkreis Erding eindrücklich.“

Die SPD-Kreistagsfraktion hat dem Ebersberger Landrat Robert Niedergesäß (CSU) eine Reihe von Fragen gestellt, die die Zukunft der Einrichtung im Nachbarlandkreis betreffen. Schwaiger bestätigt, dass es für die betroffenen Frauen sehr schwer sei, im Anschluss an die Betreuung im Frauenhaus auf dem freien Markt eine bezahlbare Wohnung zu finden.

Landrat Robert Niedergesäß konnte seinen Erdinger Kollegen zur aktuellen Entwicklung bisher nicht sprechen, hat aber am Montagabend mit ihm einen Telefontermin vereinbart. „Die Vereinbarung hatte sich bisher bewährt“, so Niedergesäß.

Rubriklistenbild: © dpa

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