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Das Jakobskreuzkraut ist in den Landkreis Ebersberg zurückgekehrt.

Giftpflanzen kommen zurück

Ausreißen, bevor es zu spät ist

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Landkreis Ebersberg - Harmlos, bedenklich, übertriebene Ängste oder reale Gefahr?  Die Meinungen über das Wiedererstarken der Bestände des Jakobskreuzkrautes im Landkreis Ebersberg gehen weit auseinander.

Unterschiedlicher könnten die Auffassungen nicht sein: „Die Brisanz ist enorm“, sagt Katharina Binsteiner vom Amt für Landwirtschaft. „Da wird ein Hype draus gemacht“, befürchtet hingegen Josef Rüegg, der Geschäftsführer des Landschaftspflegeverbandes. Es geht um die Rückkehr zweier Giftpflanzen im Landkreis Ebersberg: Jakobskreuzkraut und Wasserkreuzkraut. 

Das Jakobskreuzkraut kann ein Pferd umbringen. Dazu reichen schon gut zwei Kilogramm der Pflanze im Heu. Tückisch: In frischem Zustand enthält das Kraut Bitterstoffe, erfahrene Weidetiere lassen es stehen. Im Heu verliert die Pflanze diese Eigenschaft, die Tiere nehmen das Gift ahnungslos auf. Aber: Im Veterinäramt Ebersberg kann sich Birgitt Huber an keinen Fall erinnern, bei dem ein Weidetier an dieser Kost gestorben wäre. Und auch eine Recherche beim Tiergesundheitsdienst in Grub habe keinen Fall zutage gebracht, berichtet Rüegg. Also alles Panikmache? 

Das Amt für Landwirtschaft in Ebersberg nimmt das Thema deswegen sehr ernst, weil es zur wirksamen Bekämpfung der schädlichen Pflanzen offensichtlich nur ein begrenztes Zeitfenster gibt. Wird zu spät damit begonnen, so die Befürchtung, wird es so kommen wie mit dem Indischen Springkraut. Alle Versuche der Verbände und der Landwirte, das eingewanderte Hochstaudengewächs mit Bekämpfungsaktionen zurückzudrängen, sind letztlich gescheitert. 

Jakobskreuzkraut - Einheimische Giftpflanze

Das Jakobskreuzkraut ist hingegen eine einheimische Pflanze, die durch die intensive Landwirtschaft bis auf Restbestände verschwunden war. Dass die Rückkehr der Giftpflanzen von den Flächen ausgeht, die vom Landschaftspflegeverband extensiv bewirtschaftet werden, ist sowohl dem Landschaftspflegeverband wie auch dem Landwirtschaftsamt zu eindimensional. Aber Pflanzenbauer Thomas Eberl sagt, dass die Kreuzkräuter „Lichtkeimer“ seien und auf den kargen Böden, wie sie der Pflegeverband bewirtschafte, eben gut gedeihen würden. Das weiß auch Rüegg, und deswegen hat er auf einer Fläche in Glonn erst vor kurzem selbst eine Bekämpfungsaktion gestartet. Die Pflanzen wurden ausgerissen, bevor sie absamen konnten. 

Eine Zunahme erkennt auch Rüegg: „Im vergangenen Jahr war das noch nicht so schlimm“. Das Amt für Landwirtschaft hatte in der vergangenen Woche in Markt Schwaben eine Information für Landwirte durchgeführt. Eberl: „Ich habe schon das Gefühl, dass sich die Leute der Gefahr bewusst werden.“ Im Norden des Landkreises gebe es Flächen, die bereits „stark verseucht“ sind, so der Fachmann. „Aber eigentlich kommen das Jakobskreuzkraut und das Wasserkreuzkraut bereits überall vor. „Es gibt Meldungen aus dem ganzen Landkreis Ebersberg.“ 

Bis zu 100.000 Samen pro Pflanze sorgen für aggressive Verbreitung

Auf Landwirte und Pflegeverbände kommt eine Menge Arbeit zu. Denn das Mittel der Wahl ist die mechanische Entfernung, auch dann, wenn vorher Spritzmittel zum Einsatz gekommen sind. Durch diese Spritzmittel entstehen offene Flächen, die für einen „Lichtkeimer“ eben ideal seien, so Eberl. Auch Rüegg rechnet damit, dass er die Fläche in Glonn „nächstes Jahr noch einmal durchgehen muss.“ Denn das Jakobskreuzkraut sei eine zweijährige Pflanze. Pro Exemplar könnten im zweiten Jahr bis zu 100.000 Samen gebildet werden. „Das darf man nicht auf die leichte Schulter nehmen“, sagt der Geschäftsführer des Landschaftspflegeverbandes, warnt aber vor einer Dramatisierung. Diese Einsicht habe er im Urlaub in Irland gewonnen. „Zum Teil waren die Flächen dort ganz gelb vom Jakobskreuzkraut.“ 

Norbert Neugebauer, der Büroleiter von Landrat Robert Niedergesäß, wies auf Nachfrage der Ebersberger Zeitung darauf hin, dass es noch andere Flächen im Landkreis gebe, die der Vermehrung der Giftpflanzen gute Bedingungen böten. Es sind die Bahndämme und die Straßenränder. Das sieht auch Eberl so. Er will nicht ausschließen, dass die Samen zum Teil beim Mulchen dieser Flächen verschleppt würden. Zumindest kennt er einen Fall aus dem Landkreis Rosenheim, wo sich das Jakobskreuzkraut vom Straßenrand aus großflächig in eine angrenzende landwirtschaftliche Fläche verteilt hat. In die wirksame Bekämpfung werden also auch die Bauhöfe und Straßenmeistereien einbezogen werden müssen.

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