+
Biobauer Leonhard Veicht (35) und Hund Charly begleiten 40 glückliche Kühe von Gasteig auf die Weide. Die Milch gibt es im Landkreis zu kaufen. 

Einkaufen am Bauernhof

Hofläden: Die Wurzeln der Region

  • schließen

Bauern- und Hofläden werden mehr oder vergrößern – in ganz Bayern und auch im Landkreis Ebersberg. Frische und saisonale Produkte aus der Region stehen hoch im Kurs. Auch Milch selber zapfen wird beliebt.

Landkreis – Sogenannte Milchtankstellen tauchen seit einigen Monaten verstärkt im Landkreis Ebersberg auf. Das sind meistens kleine Hütten im Hof von Bauernhöfen, ein wenig schauen sie aus wie Pfandautomaten. Die Milch kommt dort frisch und gut gekühlt aus einem Milchtank, nur wenige Stunden ist sie alt. Oft kann man sich Tag und Nacht an der Zapfanlage bedienen, der Liter kostet zwischen 1 und 1,50 Euro. Eine tolle Sache, sagen viele, die dort zapfen.

Die Hühner beim Scharren und Picken

Dass regionale Produkte im Kommen sind und mehr Kunden sich dafür begeistern, erklärt Andrea Huber, Chefin eines Hofladens in Gelting: „Den Leuten ist es wichtig zu sehen, wo die Produkte herkommen.“ Das gilt zum Beispiel für Eier. In die Hühnerställe auf dem Zehmerhof von Familie Huber dürfen alle hineinschauen – wenn nicht, wie gerade, Stallpflicht wegen der Vogelgrippe herrscht. Draußen auf der Wiese können die Kunden die Tiere beim Scharren und Picken beobachten – „transparente Erzeugung von Lebensmitteln“ nennt das Huber. Begonnen hat der Hof ganz klein, in den 1990er Jahren. Kartoffeln haben Andrea Huber und ihr Mann damals vom Hof aus verkauft. Große Betriebe wollten sie nicht mehr weiter beliefern; zu schlecht sei die Bezahlung.

Ein Leben für das Ei. Andrea Huber führt einen Hofladen in Gelting und will ihre Lebensmittel transparent erzeugen. 

Heute lebt Familie Huber fast ausschließlich von der Direktvermarktung ihrer Produkte – im Dezember wurde der Hofladen aufwändig vergrößert, auf 240 Quadratmeter. Bis heute baut die Bauernfamilie Kartoffeln selbst an, auf den Feldern vor der Haustüre – zehn verschiedene Sorten. Andere Lebensmittel aus dem Sortiment des Hofladens kaufen Hubers von Bauern aus der Region: Obst, Gemüse, Käse, Fleisch und einiges mehr – darunter vieles von Biobauern. Es gibt, was es gibt. Was zur aktuellen Jahreszeit eben wächst oder produziert werden kann.

Damit es den Tieren gut geht

Die Menschen würden gerne mehr Geld ausgeben, wenn sie wüssten, dass die Produkte aus der Region sind, es den Tieren gut gehe und diese gut gefüttert werden, erklärt Gabriele Borst vom Bayerischen Bauernverband. Und das sei eine begrüßenswerte Entwicklung.

Das Hofladenkonzept des Zehmerhofs zahle sich aus, die Kunden kämen gerne, sagt Andrea Huber. „Es ist ein Trend, der sich abzeichnet.“ Das Motto vieler Kunden sei: Weniger ist mehr. Viele kaufen nur ein paar Äpfel und wollen kein ganzes Netz voll mit Obst, wie man es im Supermarkt angeboten bekomme. Am Ende würden die Menschen Übriggebliebenes in den Müll schmeißen, sagt Huber. Die Preise in ihrem Hofladen bezeichnet sie als „fair“. Dass so manche Produkte teurer sind, als beim Discounter, erklärt sie mit der guten Qualität. Und die ergibt sich daraus, dass die Sachen frisch vom Feld kommen und „sehr viel Handarbeit“ darin stecke.

Die Preise ergeben sich auch, weil man die Bauern, die ihre Waren liefern, anständig bezahlen wolle, sagt die 48-Jährige. Die Kunden finden das gut: „Es sind regionale Produkte, man weiß, was man bekommt und man tut was für die Menschen in der Region“, sagen sie. Und: Dass es ihnen schmecke.

Geschmack kostet etwas

Geschmack hat seinen Preis. Das weiß auch der Grafinger Landwirt Josef Kendlinger. „Was ist teuer?“, fragt er. Kendlinger ist Chef des Huber-Hofs und hat dort einen Selbstbedienungs-Hofladen. Er verkauft vor allem Eier, aber auch Nudeln, Kartoffeln und Milch. Er sagt, dass die Preise für Eier schwanken; es sei reine Ermessenssache des Kunden, was ihm Essen wert sei. Bei Fleisch zum Beispiel sei das extrem: Dass ein ganzes Hühnchen im Verkauf von großen Supermärkten nur ein paar Euro koste, könne er nicht nachvollziehen. Gut produziert könne das nicht sein.

Josef Kendlinger aus Grafing ist Hühnerbauer aus Leidenschaft. Seine Tiere bekommen nur selbstgemachtes Futter. 

Zu seinem Direktverkauf am Hof in Grafing kämen von Jahr zu Jahr mehr Kunden. Das beweise, dass die Menschen Interesse hätten, sagt der 33-Jährige. 2012 habe sich seine Familie dazu entschieden, ihre Produkte selber vor Ort anzubieten. Warum? „Uns liegt es am Herzen, dass die Menschen wissen, wo die Nahrungsmittel herkommen“, erklärt Kendlinger. Auch auf seinem Hof kann normalerweise jeder in den Hühnerstall schauen. „Wenn Sie morgens früh genug dran sind, können Sie die noch warmen Eier aus den Nestern selbst holen“, sagt der Grafinger. Für Kinder ein besonders Erlebnis.

Das Futter für die Federtiere produziert und mischt er selbst. Fast alles, vom Futter bis zum Ei, komme daher aus der Region, weite Transportwege und CO2-Emissionen seien gering. Obwohl die Hühner von Bauer Kendlinger genauso viel Platz im Stall und auf der Wiese hätten wie Bio-Hühner, müsse er die Eier als „Freilandeier“ deklarieren. Das liege unter anderem am Futter, das er selbst anbaue. Hin und wieder müsse er das Getreide gegen Pilzbefall spritzen. Ihm sei es wichtiger, das Futter selber zu machen, als fremdes Bio-Futter zuzukaufen. Die Kunden akzeptierten das. Zehn Freilandeier kosten bei Josef Kendlinger 2,50 Euro.

Lebensmittel vom Bauernhof

Dass Hofläden gut kalkuliert werden müssen, sagt Gabriele Borst vom Bauernverband. Wenn die Landwirte ihre Produkte selbst vermarkten, gebe es aber immer ein gewisses Risiko. Das liege daran, dass es anfangs noch keinen großen Kundenstamm gebe. Auch eine günstige Verkehrslage sei wichtig. Der Deutsche Bauernverband unterstützt die Läden. Im Internet unter www.einkaufen-auf-dem-bauernhof.com können sich Hofläden registrieren lassen, damit Kunden sie leichter finden. Damit soll für sie geworben und ein „markantes Profil“ vermittelt werden. Das Markante eines Hofladen sieht der Bauernverband in den selbst erzeugten Lebensmitteln vom Bauernhof, „die den Verbrauchern Gewissheit über die Herkunft und Erzeugungsweise mitliefern“.

So etwas komme bei den Menschen gut an, bestätigt Hagen Hübel, der Gründer von dein-bauernladen.de. Auf seiner Homepage werden ebenfalls regionale Hofläden aufgelistet. Hübel will erreichen, dass die Menschen schnell erfahren, wo sie regionale Waren kaufen können. Weil Hübel vor einigen Jahren von Düsseldorf nach Gauting in Oberbayern umgezogen war, fielen ihm beim Rad fahren die kleinen unscheinbaren Verkaufsschilder an Bauernhöfen auf, auf denen zum Beispiel „frische Kartoffeln zu verkaufen“ stand. Weil diese Höfe und deren Verkauf niemand kannte, gründete er 2012 die Homepage. Bis heute habe er regen Zulauf, viele Hofläden – auch aus dem Landkreis Ebersberg machen mit.

Ein Schwein ohne Stress

Einen Trend sieht Georg Kanzler, Landwirt und Chef eines Hofladens in Eglharting, beim Fleisch. Bei ihm sei der Absatz von Geflügel gestiegen. Weil Kunden wüssten, dass es den Tieren gut gehe, begründet er. Im Schweinestall von Bauer Kanzler stehen die Tiere auf Stroh und bekommen selbst gemachtes Futter, ohne Gentechnik, sagt er. „Uns ist die Qualität wichtig.“ Deshalb werden die Tiere bei ihm länger als im Durchschnitt gemästet. Und: Sie haben es zum Schlachter nach Ebersberg nicht weit – also weniger Transportstress. Fleisch gibt es im Hofladen aber nur dann, wenn geschlachtet wird.

Das Ehepaar Kanzler hat einen Hofladen in Eglharting. Ihre Tiere haben wenig Stress und bekommen Futter ohne Gentechnik. 

Eine neue Milchtankstelle gibt es am Kanzlerhof auch. Seit zwei Monaten. Das laufe an, kommentiert der Landwirt. Zapfen kann man die Milch, die von einem Bauern aus Grafing geliefert wird, ganz spontan, beim Vorbeifahren sozusagen. Und: es ist frische Biomilch, von Kühen aus der Region, gefüttert mit Heu aus der Region.

Kommentar zu regionaler Lebensmittelversorgung

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Ihm wurde ein ganzes Zimmer geklaut
Unglaublich! Über Nacht hat ein unbekannter Gast das Zimmer in einem Glonner Hotel ausgeräumt, Schaden: knapp 6000 Euro. Bei der Zeche sind die Gäste im Landkreis …
Ihm wurde ein ganzes Zimmer geklaut
Bayernpartei muss draußen bleiben
Der Ortsverband „Grafinger Land“ der Bayernpartei fühlt sich benachteiligt - von REWE-Supermarktbetreiber Martin Gruber. Dieser bevorzuge die CSU, so der Vorwurf der …
Bayernpartei muss draußen bleiben
Massenhaft Protest gegen Bahnlärm
Die Gemeinde Zorneding hat in den letzten Tagen noch einmal kräftig für eine Teilnahme ihrer Bürger an der Fragebogenaktion des Eisenbahn-Bundesamtes geworben. Mit …
Massenhaft Protest gegen Bahnlärm
Falsche Handwerker betrügen Ebersberger Rentnerin (86)
So dreist! Falsche Handwerker haben eine gutgläubige Rentnerin in Ebersberg um 1000 Euro betrogen. Der Vorfall ereignete sich in der Kampenwandstraße.
Falsche Handwerker betrügen Ebersberger Rentnerin (86)

Kommentare