+
Varhaltensauffällige Kinder beeinträchtigen das Lernen der anderen, sagt Angela Sauter, Chefin des Schulamts.

Immer mehr verhaltensauffällige Kinder im Landkreis Ebersberg

Aggressive Schüler kommen in Sonderklasse

  • schließen

Der Landkreis Ebersberg will etwas unternehmen, um verhaltensauffälligen Kindern im Schulalltag besser gerecht zu werden. Und um andere Schüler und Lehrer zu entlasten.

Landkreis– „Es gibt immer mehr Kinder, die wegen ihres Verhaltens einen Schulausschluss bekommen“, erklärt Helga Schneitler, Leiterin der Johann-Comenius-Schule in Grafing, im Jugendhilfeausschuss des Kreistages. Und Angela Sauter, Leiterin des Schulamts Ebersberg, berichtet von „körperlichen Übergriffen“ und zerstörtem Schulmobiliar. Wegen Störungen der „emotionalen und sozialen Entwicklung“ auffällige Kinder gebe es inzwischen „an jeder zweiten Grundschule schon in der ersten Klasse.“ Sie beeinträchtigten das Lernen der anderen, sagt Sauter.

Hier will der Landkreis Ebersberg nun gegensteuern und, wie in anderen Landkreisen schon umgesetzt, spezielle „Stütz- und Förderklassen“ einführen. Sie sollen an der Johann-Comenius-Schule in Grafing für den gesamten Landkreis eingerichtet werden: eine Klasse jeweils in der ersten bis zur vierten Jahrgangsstufe, mit jeweils bis zu acht Schülern. Die Kinder sollen speziell betreut und gefördert werden, durch eine Lehrkraft und eine weitere Betreuungskraft.

„Es ist auch nicht daran gedacht, dass die Kinder vier Jahre in dieser Stütz- und Förderklasse bleiben“, sagt Schneitler. Ziel ist es, sie wieder in die Klassen der Förderschule oder einer allgemeinbildenden Schule zurückzubringen.

Schwester Christophora Eckl, Leiterin der Einrichtung auf Schloss Zinneberg, bestätigt: „Der Bedarf ist sicher da und eher steigend.“ Es gehe um Persönlichkeitsentwicklung. „Eine kleine Gruppe ist eine große Chance.“

Wegen der Verhaltensauffälligkeiten und Entwicklungsstörungen bräuchten die Kinder sonderpädagogische Förderung und sozial- beziehungsweise heilpädagogische Betreuung. Dies habe im Rahmen der bisherigen Angebote der Schulen und der Kindertagesbetreuungseinrichtungen nicht ausreichend abgedeckt werden können, meint das Jugendamt. Nachdem die betreffenden Kinder und ihre Familien von Seiten der Jugendhilfe „teilweise kaum mehr erreicht werden können“, nun ein gemeinsames Projekt von Schule und Jugendhilfe, quasi ein „vereintes Netzwerk“. Das neue Angebot könne aber nicht die „alleinige Lösung sein, sondern nur ein Baustein“, sagt Florian Robida vom Jugendamt. Viele Sachen müssten parallel laufen. Das Angebot passt auch in das Konzept des Landkreises Ebersberg als Bildungsregion: „Kein Talent darf verloren gehen.“ Der Jugendhilfeausschuss stimmt der Einrichtung grundsätzlich zu. Das Konzept wird mit der Schule abgesprochen. Wenn die baulichen Anforderungen in Grafing geschaffen sind, könnte das Projekt voraussichtlich zum Schuljahr 2020/2021 starten.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Lehrer nicht für alles zuständig
Um Schule im Allgemeinen ging es hauptsächlich bei der Diskussionsrunde auf dem Podium in der Poinger Realschule. Aber nicht nur.  
Lehrer nicht für alles zuständig
Gemeinsam für eine bessere Zukunft - ohne Plastikheftumschläge
Zuerst werden Hefte damit eingebunden, später landen die Plastikumschläge irgendwann einmal im Müll. Die Aßlinger Schüler sagten sich: Das muss nicht sein.
Gemeinsam für eine bessere Zukunft - ohne Plastikheftumschläge
Landkreis trauert um Krankenhauspfarrer Josef Graml
Josef Graml war Pfarrer aus Berufung. Als Krankenhausseelsorger leistete er vielen Menschen im Landkreis Ebersberg 37 Jahre lang seelischen Beistand. Jetzt ist er tot.
Landkreis trauert um Krankenhauspfarrer Josef Graml
Nistkästen: Im Herbst ist es Zeit für eine Kontrolle
Wie jedes Jahr schwärmen jetzt die Vogel- und Fledermausfreunde aus zur Nistkastenkontrolle. Der Landesbund für Vogelschutz im Landkreis sucht noch Mithelfer.
Nistkästen: Im Herbst ist es Zeit für eine Kontrolle

Kommentare