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Temperaturmessen beim Kaninchen: Immer mehr Tierärzte behandeln ausschließlich kleine Tiere. 

Immer weniger Großvieh-Ärzte im Landkreis

Lieber Kaninchen als Kühe

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Traumberuf Tierarzt: Stimmt das noch? Fernsehsendungen wie „Hautnah – Die Tierklinik“ kämpfen mit sinkenden Einschaltquoten und auch im wirklichen Leben haben es Veterinäre im Landkreis manchmal nicht leicht, die Großvieh wie Kühe oder Pferde behandeln.

Landkreis – „Das stimmt schon. Es werden weniger“, berichtet Michael Schulte-Langforth. Er hat seine Praxis in Ebersberg und erinnert sich: „Als ich vor 28 Jahren angefangen habe, gab es im Landkreis 999 Bauern. Die Zahl habe ich mir damals gemerkt. Bei der letzten Zählung waren es noch 500.“ Die Menge der Tiere habe nicht abgenommen, wohl aber die der Halter. Berufsanfänger könnten kaum mehr eine Praxis neu eröffnen. Hinzu komme, dass man an 365 Tagen 24 Stunden Dienst anbieten müsse. „Wenn Sie das alleine machen, haben Sie praktisch keinen Urlaub.“

Einige Tierarztpraxen haben die Behandlung von Großvieh aus ihrem Portfolio gestrichen, andere überhaupt erst gar nicht damit begonnen. „Wir machen keine Pferde mehr, die Versicherung dafür kann man gar nicht mehr bezahlen“, lautet eine Begründung für diese Entwicklung. Und eine zweite hört sich so an: „Diese Veterinäre stecken fest zwischen zwischen ,Tiere betüteln’ und ,darf nichts kosten’.“

Moderne Bauern seien heute Manager, die mit spitzem Bleistift rechnen würden, bestätigt Schulte-Langforth. Landwirte von heute seien viel besser geschult als in früheren Generationen. Die Stallhygiene habe sich stark verbessert, es seien Impfungen weggefallen und auch die Prophylaxe werde weniger. „Das macht sich alles in sinkenden Umsätzen bemerkbar und damit auch in sinkenden Gewinnen.“

Franz Lenz, Obmann des Bauernverbandes im Landkreis Ebersberg, will nicht ausschließen, dass es vielleicht künftig zu Engpässen kommen könne, was die tierärztliche Versorgung von Stallvieh betreffe, wenngleich er selbst bisher noch keine Probleme habe. „Wir haben einen Tierarzt, der auch kommt“, berichtet Lenz, der eigener Auskunft nach „50 Rinder, ein paar Säue und ein paar Schafe“ hält. „Großtierarztpraxen verdienen einen geringeren Sold“, erklärt er sich das sinkende Interesse.

Schulte-Langforth hingegen berichtet von ganz anderen Ursachen. Inzwischen seien 95 Prozent aller neuen Tierärzte weiblich. Früher habe das Verhältnis 50 Prozent zu 50 Prozent betragen. Berufsanfängerinnen würden eher in kleinen Praxen anfangen und ihr Angebot dann nach und nach ausdehnen, „wenn es läuft“. Auch die Dokumentationspflicht bei den Veterinären, die Großvieh behandeln, habe zugenommen, wenngleich das nicht die entscheidende Rolle spiele. „Früher hatte ich gerade mal einen Kugelschreiber dabei. Heute sind es zwei Aktenordner“, berichtet Schulte-Langforth.

Laut Bundestierärztekammer ist die Zahl der Veterinäre, die Großvieh behandeln, in den vergangenen zehn Jahren um weit als über die Hälfte gesunken. Gleichzeitig aber stieg die Zahl derer um über ein Drittel an, die lieber Hunde, Katzen, Vögel oder etwa Meerschweinchen in ihre Praxis behandeln wollen. Wenn sich die Entwicklung so fortsetze, stehe die ausreichende landwirtschaftliche Versorgung auf dem Spiel, warnt der Bundesverband praktizierender Tierärzte. Einem Datenblatt der Tierärzteschaft ist zu entnehmen, dass es in Bayern inzwischen fast 140 arbeitslose Veterinäre gibt, die allermeisten davon weiblich.

Amtstierärztin Birgitt Huber kann bestätigen, dass die Großtierpraktiker zu einem hohen Prozentsatz im Landkreis männlich seien, außer bei der Behandlung von Pferden. Verwaiste Praxen gebe es im Moment noch nicht.

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