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Die Kreisklinik Ebersberg freut sich heuer über außergewöhnlich viele Neugeborene.

Oberärztin der Geburtshilfe im Interview

Interview zu Geburten in Ebersberg: Mehr Entbindungen – weniger Kaiserschnitte

Ebersberg - Seit zehn Jahren war die Geburtenrate in der Kreisklinik Ebersberg nicht mehr so hoch: Weit mehr als 600 Kinder erblickten 2016 hier das Licht der Welt, 2015 waren es 569. Die Kaiserschnittrate blieb im Vergleich zum Freistaat niedrig. Wir sprachen mit Julia Landthaler, Oberärztin der Geburtshilfe.

Frau Landthaler, Wie viele Kaiserschnitte führen Sie im Schnitt jährlich in Ebersberg durch?

Julia Landthaler, Oberärztin der Geburtshilfe in der Kreisklinik Ebersberg.

Julia Landthaler: Im Jahr 2015 lag die Rate bei 27,4 Prozent. Zum Vergleich: In Bayern betrug sie 32,95 Prozent, das war fast jede dritte Geburt. Nach jetzigem Stand kommen wir 2016 in Ebersberg auf 21,5 Prozent, also rund jede fünfte Geburt. In dieser Zahl sind auch Kaiserschnitte enthalten, die von Anfang an von den Müttern gewünscht sind. Die Rate an Kaiserschnitten, die während der Geburt entschieden und durchgeführt werden, liegt in unserer Klinik sogar bei nur 12,6 Prozent.

Acht Hebammen unterstützen das Ärzteteam

Worauf führen Sie diese niedrige Rate zurück?

Landthaler: Unser Ärzteteam wird von acht Hebammen unterstützt. Dadurch können wir die Gebärenden intensiv betreuen. Wir versuchen, auch bei schwierigen Geburten einen Kaiserschnitt zu vermeiden – es sei denn, er ist von der Mutter gewünscht. Uns stehen in der Geburtshilfe rund um die Uhr Narkoseärzte zur Verfügung, die bei einem Notfall-Kaiserschnitt sofort zur Stelle sind.

Welche Vorteile für Kind und Mutter hat eine natürliche Geburt gegenüber einem Kaiserschnitt?

Landthaler: Kinder, die auf natürlichem Weg geboren werden, zeigen kurz nach der Geburt weniger Anpassungsstörungen bei der Atmung, als durch Kaiserschnitt geborene. Studien belegen außerdem, dass sie weniger an Allergien, Asthma und anderen Autoimmunerkrankungen leiden.

Risiken beim Kaiserschnitt

Wie lässt sich das erklären?

Landthaler: Woran das liegt, weiß man noch nicht genau. Für die Mütter bestehen bei einem Kaiserschnitt die Standardrisiken einer Operation wie Thrombose oder Nachblutungen. Zudem kann die alte Narbe an der Gebärmutter in folgenden Schwangerschaften unter den Wehen reißen. Auch Einnistungsstörungen des Mutterkuchens können nach Kaiserschnitten auftreten.

Was bedeutet das?

Landthaler: Das bedeutet, der Mutterkuchen kann sich nach der Geburt des Kindes unter Umständen nicht vollständig lösen und geboren werden, so dass eine Ausschabung nötig wird. Generell sind Mütter nach einer natürlichen Geburt schneller fit als nach einem Kaiserschnitt.

„Es gibt viele Möglichkeiten, die Geburt so angenehm wie möglich zu gestalten. “

Viele Mütter haben Angst vor Geburtsschmerzen. Was tun Sie dagegen?

Landthaler: Es gibt viele Möglichkeiten, die Geburt so angenehm wie möglich zu gestalten. Das beginnt bereits, wenn die Mütter und begleitenden Väter einen bei allem Hightech-Hintergrund wohnlich und ästhetisch eingerichteten Kreißsaalbereich und beim Team das Gefühl von ruhiger Kompetenz vorfinden. In Ebersberg bieten wir vielfältige alternative Methoden zur Schmerzlinderung an, darunter Akupunktur und Akupressur, Osteopathie, Aromatherapie und Homöopathie. Schon während der Schwangerschaft können werdende Mütter für diese Anwendungen Termine in der Klinik vereinbaren, zum Beispiel bei starken Rückenschmerzen. Seit kurzem setzen wir während der Entbindung auch Lachgas ein – das ist nicht in jeder Geburtshilfe gegeben. Die Vorteile dieses leichten Betäubungsmittels sind, dass es schnell verfügbar ist und eher entspannend als narkotisierend wirkt.

Gute Erfahrungen mit Wassergeburten

Eine sanfte Methode sind auch Wassergeburten, richtig?

Landthaler: Ja, damit haben wir gute Erfahrungen gemacht. Die Wärme des Wassers entspannt das Gewebe der Gebärenden und es treten weniger Verletzungen wie etwa Dammrisse auf.

Hat diese Methode auch Vorteile für das Kind?

Landthaler: Für das Kind ist diese Art der Geburt ebenfalls weniger stressig, weil es aus dem Fruchtwasser heraus wieder in ein flüssiges Medium gleitet. Die Frauen nehmen die Wassergeburt sehr gerne an. Wir passen dabei auf, dass die Herztöne des Kindes normal sind und der Kreislauf der Mutter stabil ist. Die individuelle, aufmerksame und qualifizierte Betreuung von Mutter und Kind ist und bleibt bei allen modernen Möglichkeiten der Geburtshilfe das A und O.

Das Interview führte Sybille Föll

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