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Kraniche au f einem abgeernteten Maisfeld. Im Landkreis wurden große Schwärme gesichtet. 

Die Kraniche sind da

Neue Glücksbringer im Landkreis Ebersberg

  • Michael Seeholzer
    vonMichael Seeholzer
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Der Landkreis Ebersberg hat neue Überflieger. Erstmals wurden nämlich große Schwärme von Kranichen hier gesichtet. Bisher wurden immer nur kleinere Trupps dieser Tiere bei uns beobachtet, bestätigt Richard Straub, der Vorsitzende des Landesbundes für Vogelschutz im Landkreis Ebersberg.

Landkreis – „Ich selbst hatte bisher Pech“, bedauert Straub, dass er die Vögel noch nicht persönlich zu Gesicht bekommen habe – außer im Ausland. Kraniche gelten als „Glücksbringer“. Allerdings hätten in den vergangenen Jahren öfter mehrere Personen gleichzeitig von Kranichsichtungen bei uns berichtet, so Straub. Die Schwärme erkenne man gut an der typischen Keilformation. Außerdem höre man die Tiere schon von Weitem, bevor man sie überhaupt sehe. „Die trompeten laut, da herrscht ein reger Funkverkehr.“

Das kann auch Brigitte Kreppel aus Kirchseeon bestätigen. Am Sonntag, „gegen halb fünf wurde ich auf ein lautes Geräusch von draußen aufmerksam. Ich wusste zunächst nicht, wo es herkam, bis ich dann in den Himmel schaute. Ich schätze, dass es mindestens 100 Vögel waren, die in schöner Formation über Kirchseeon hinweg zogen.“ Kreppel erging es so, wie einem weiteren Augenzeugen, der die Kraniche am Freitag am Himmel über Ebersberg beobachtet hatte. „Leider musste ich meine Kamera erst holen, sodass ich dann nur noch einige Tiere fotografieren konnte“, berichtet die Kirchseeonerin. Der Überraschungsmoment war zu groß.

Bisher gibt es von dem neuen Phänomen nur ein paar schlechte Handyfotos. Allerdings sagt Straub, dass schon seit ein paar Jahren Kraniche über den Landkreis hinwegziehen wurden. „Aber immer nur 20 bis 30 Exemplare maximal.“

Vielleicht werden die seltenen Vögel in Bayern demnächst sogar heimisch. Straub berichtet von geschätzten zehn Brutpaaren im Freistaat. „Fünf bis zehn Prozent der gesamten Population gehen neue Wege“, haben die Ornithologen herausgefunden. Und dieser Weg führt sie offensichtlich jetzt auch in den Landkreis, wo sie zum Beispiel am Speichersee Nahrung finden würden und Kraft tanken könnten für ihre weitere Reise. Das würde auch erklären, warum sie von ihrer bisherigen Zugvogelroute abweichen. Sie könnten am Speichersee auch „übernachten“, glaubt der Vorsitzende der Ebersberger Vogelschützer.

Der Speichersee bei Pliening gehört zu den weltweit wichtigsten Vogelschutzgebieten, und dabei hat auch der Mensch ein bisschen mitgeholfen. Denn in der dort aufgelassenen Karpfenteichanlage finden die internationalen Gäste ideale Bedingungen vor. „Die Vögel kamen von Süden und flogen in nordwestlicher Richtung davon. Kann es sein, dass die Klimaverhältnisse dieses Jahres die Tiere in die Irre geführt haben?“, fragt sich Kreppel.

Straub hingegen glaubt eher, dass eben die Nahrungssuche dabei eine Ursache sein könnte. Kraniche haben laut Fachmeinung keine genetisch einprogrammierten Zugrouten. Sie kommen von Ungarn über Österreich und fliegen weiter in die Camargue, um, zu rasten, wobei sie neuerdings einen Weg nördlich der Alpen entlang wählen. Warum? Das ist bisher noch nicht genau geklärt. Möglicherweise spielt dabei eine Rolle, dass wegen des warmen, lang anhaltenden und trockenen Sommers die Ernte in Schweden heuer früher einsetzte, wo sich die Vögel den Sommer über aufhalten.

„Das kann damit zusammenhängen, dass das Wetter so mild ist“, bestätigt auch Straub. Der Vogelflug vollzieht sich in Wellen in den Monaten Oktober bis Dezember. Kann also gut sein, dass bald weitere Schwärme gesichtet werden. Kraniche verbringen die kalte Jahreszeit in Frankreich, Spanien oder im Nordwesten Afrikas. Der Landkreis Ebersberg jedenfalls ist damit um ein beeindruckendes Naturschauspiel reicher geworden.

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