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Es gibt im Landkreis Ebersberg Bauern, die Milchvieh halten und die Milch auch selbst vermarkten. Viele Verbraucher schätzen das.

Kunden von Milchtankstellen im Landkreis Ebersberg verunsichert

Verbraucher werden schnell sauer

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Geht von dieser Milch eine Gefahr aus, oder sind die Ängste der Verbraucher übertrieben? Es geht um die Milchtankstellen im Landkreis Ebersberg.

Landkreis – Die Meldung ist tatsächlich geeignet, Verbraucher zu verunsichern und zumindest ein Betrieb im Landkreis Ebersberg meldet deshalb bereits sinkende Umsätze. Es geht um das Thema Lebensmittelvergiftungen. Das Robert-Koch-Institut berichtete von einer steigenden Fallzahl. In Deutschland seien 2500 Verbraucher im Jahr 2016 davon betroffen gewesen. Häufigste Ursache für den Anstieg ist laut Bundesamt für Lebensmittelsicherheit nicht abgekochte Rohmilch.

„Seitdem diese Meldung veröffentlicht wurde, ist bei mir der Absatz um bis zu 20 Prozent zurückgegangen“, beklagt Landwirt Helmut Deuschl aus Taglaching und macht seinem Ärger in einem Anruf bei der Ebersberger Zeitung Luft. Er betreibt zwei Milchtankstellen – eine in Taglaching und eine in Wiesham. Deuschl verkauft gar keine Rohmilch, sondern nur pasteurisierte – also hitzebehandelte. „Die Verbraucher schauen da aber nicht drauf“, bedauert er. „Milch ist in Deutschland das am meisten kontrollierte Lebensmittel“, informiert der Landwirt.

Keinen Umsatzrückgang meldet hingegen Bäuerin Maria Veicht vom Nirschlhof in Gasteig bei Grafing. Sie und ihr Mann Leonhard betreiben zwei „Zapfsäulen“ – in Grafing beim Rewe-Markt und in Eglharting bei Kanzlers Hofladen. „Bei uns gibt es dort nur pasteurisierte Milch, Rohmilch kann nur ab Hof verkauft werden“, informiert die Landwirtin.

Rohmilch darf nämlich unbehandelt nicht an den Verbraucher abgegeben werden, sobald sie außerhalb des eigenen Hofes gebracht werde, erläutert Wolfgang Freinecker vom Landwirtschaftsamt Ebersberg. Es gibt aber eine Ausnahme: Sie dürfe ab Hof verkauft werden und das auch über Tankstellen, wenn der Automat „auf der eigenen Flurnummer des Bauernhofs steht“. Das ist zum Beispiel bei der Familie Hutterer in Hüttelkofen so.

Dort steht das „Milleheisl beim Hirze“. Es gibt hier „frische Landmilch“, deren Konsumenten sie offensichtlich gerade deshalb besonders gut finden, weil sie unbehandelt ist. „Den Leuten taugt’s, wir haben eine gute Milch“, sagt Seniorbäuerin Hildegard Hutterer bestimmt. „Reich wird man davon aber nicht.“ „Rohmilchverkauf muss das sehr gut sichtbar gekennzeichnet sein“, sagt Freinecker. „Das ist es bei uns auch“, meint die über 80-jährige Landwirtin aus Hüttelkofen. Von ihrer eigenen Milch sei sie jedenfalls noch nie krank geworden. „Die suchen immer mehr rum, wo sie was finden“, schimpft sie. Martin Krapichler hat auf seinem Hof in Grafing eine Milchtankstelle errichtet. Dort gibt es unbehandelte Milch. „Rohmilch ist kein Lebensmittel, das muss erst dazu gemacht werden“, durch Erhitzen, sagt er. „Meine Leute wissen das aber, wie sie damit umgehen müssen.“ Probleme gebe es deswegen überhaupt keine.

Deuschl macht für die steigende Fallzahl von Lebensmittelvergiftungen eher die großindustrielle Produktion verantwortlich. „Da kommt alles Mögliche rein inklusive der Geschmacksstoffe, damit das Produkt immer gleich schmeckt“, sagt er.

Der Meldung über steigende Fallzahlen von Lebensmittelvergiftungen in Deutschland ist aber auch zu entnehmen, dass Rohmilch bei weitem nicht die einzige Ursache ist. Setzt man die 2500 im Jahr 2016 aufgetretenen Fälle ins Verhältnis zur Anzahl der Bevölkerung in der Bundesrepublik Deutschland, besteht in einer Stadt wie Ebersberg rein rechnerisch und statistische Unschärfen außer Acht lassend das Risiko, dass jährlich eine Person sich von der Milch eine Lebensmittelvergiftung holt. Das ist zwar auch ein Fall zuviel, an dem muss aber nicht unbedingt der Landwirt schuld sein. „Die Behältnisse brauchen eine gründlichste Reinigung“ sagt Freinecker. „Da darf nicht ein Millimeter Rest drin sein“, meint er zu den Flaschen, in denen die Kunden ihre Milch bei den Tankstellen holen können. „Am besten ist Auskochen“, rät auch Deuschl. Im Landkreis Ebersberg gibt es laut Auskunft des Gesundheitsamtes lediglich Einzelfälle von Lebensmittelvergiftungen. Ein Zusammenhang mit Rohmilch lasse sich nicht herstellen.

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