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Kiesabbau bei Kreith in der Gemeinde Hohenlinden.

Enormer Bedarf im Landkreis Ebersberg

Aus der Region für die Region: Beim Kies sorgt das für Ärger

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Weil  viel gebaut wird,  hat der Landkreis enormen Bedarf an mineralischen Baustoffen. Kies ist das Hauptfundament, auf dem alle Bautätigkeit ruht. Das ist mit Konflikten verbunden.

Landkreis – Aus der Region für die Region: Was bei Lebensmitteln gerne befürwortet wird, sorgt beim Kiesabbau für Kritik, zum Beispiel in Hohenlinden. Dort wurde massiver Bürgerwiderstand angekündigt, sollte der Bereich Kreith/Neustockach als Abbaufläche wieder ins Spiel kommen. Rund um den Ortskern von Hohenlinden wird die Landschaft bereits an zahlreichen Stellen durchlöchert.

Der Bedarf von einem Kilogramm mineralischem Rohstoff pro Stunde und Bürger wurde im bayerischen Staatsanzeiger veröffentlicht. Legt man zugrunde, dass der Landkreis etwa 140 000 Einwohner hat, würde das eine Menge von 140 Tonnen in der Stunde bedeuten oder 3360 Tonnen am Tag. Müsste diese Ladung von weither gekarrt werden, wäre das mit zusätzlichem Lastwagenverkehr verbunden. Auf ein Jahr berechnet summiert sich der Bedarf auf 1,2 Millionen Tonnen. Das entspricht ungefähr einem Würfel mit etwa 100 Metern Kantenlänge (je nach Dichte des Materials).

Kiesabbau ist privilegiert

Wo Kies im Boden liegt, darf er auch abgebaut werden. Der Kiesabbau ist privilegiert – ähnlich wie die Landwirtschaft.

Das erlebte die Gemeinde Baiern im südlichen Landkreis vor drei Jahren schmerzhaft am Ortsrand von Berganger. Die Kommune musste dort einem Kiesabbauvorhaben zustimmen, obwohl viele Bürger stark dagegen opponierten. Die Gemeinde reagierte mit einer Flächennutzungsplanänderung, um solchen Fällen künftig vorzubeugen. Auch die untere Naturschutzbehörde nahm dazu Stellung. Wenn zur Erweiterung der Fläche Oberboden abgeschoben wird, muss ein Fachmann prüfen, ob sich Wiesenbrüter auf dem Areal niedergelassen haben.

Konzentration als Mittel der Wahl

Die Konzentrationsfläche ist das Mittel der Wahl für die Kommunen, den Kiesabbau wenigstens einigermaßen in geordnete Bahnen zu lenken. Diesen Weg geht jetzt auch die Gemeinde Glonn. Die zweite Auslegung dazu hat bereits stattgefunden und betroffen ist eine Fläche südlich von Kreuz im Anschluss an eine schon bestehende Kiesgrube. Insgesamt ist hier ein Abbau auf einer Fläche von zehn Hektar möglich.

Der bayerische Industrieverband Baustoffe, Steine und Erden wirbt für eine regionale Rohstoffgewinnung. Um Konflikten etwas vorzubeugen, wurden Argumente gesammelt in einer Broschüre mit dem Titel: „Miteinander! – Warum wir in Bayern lokale Rohstoffgewinnung brauchen“. „Ohne mineralische Rohstoffe würde keine einzige Gemeinde in Bayern auch nur einen einzigen Tag funktionieren“, heißt es darin. Es gäbe keine Wohnhäuser, keine Schulen, keine Krankenhäuser und keine Verkehrswege mehr. Recycling sei dabei ein wichtiger Baustein, könne aber den Bedarf an mineralischen Primärrohstoffen nur sehr begrenzt bedienen.

Hohenlinden achtmal betroffen

Im Landratsamt Ebersberg sind alle aktuell im Trockenbau betriebenen Kiesgruben erfasst. Aus der Liste geht hervor, dass die Gemeinde Hohenlinden an acht Stellen vom Kiesabbau betroffen ist. Ebersberg ist mit vier Flächen und Oberndorf mit drei erfasst. Kirchseeon zweimal, Zorneding, Bruck, Baiern, Buch, Forstinning und Glonn mit je einer, macht zusammen 26 Abbaustellen. 

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Nicht erfasst sind dabei Kiesgruben im Nassabbau. Die gibt es aber auch. Das sind im Landkreis drei: Firma Ebenhöh, Pliening/Landsham, Münchner Kiesunion, Ebersberg/Rinding/Traxl und Firma Hörgstetter in Forstinning. Aber auch das ist noch nicht alles: „Nicht erfasst sind kleine unter die Genehmigungsschwelle fallende Bedarfskiesgruben einzelner Landwirte. Hier wird nur wenig Material für eigene Bauvorhaben entnommen und die Grube in der Regel bereits nach kurzer Zeit (ein bis zwei Jahre) geschlossen“, berichtet die Behördensprecherin des Landratsamtes Ebersberg, Evelyn Schwaiger.

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Während Anlieger von Kiesabbaufläche Staubbelastung und Lastwagenverkehr fürchten – wie es etwa in Berganger der Fall war – müsste für die Kiesfirmen ein Abbau ganz anderer Art stattfinden, nämlich der von Bürokratie. „Grenzwerte und technische Vorschriften sind fachlich teilweise nicht mehr nachvollziehbar“, beklagt der Industrieverband.  

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