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Auch im Landratsamt Ebersberg kommt es immer wieder zu kritischen Situationen. Die Mitarbeiter wurden eigens geschult.

Behördenmitarbeiter werden bedroht

Der Ton wird rauer: Eskalation im Amt

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Etwa 40 Prozent aller Rathäuser haben schon Erfahrungen damit gemacht:  Beschimpfungen, Drohungen und anonyme Briefe. Betroffen sind meistens die Bürgermeister selbst, aber inzwischen auch die Mitarbeiter.

Landkreis – Der Landkreis Ebersberg bildet da keine Ausnahme. Hier rechnen sogar so gestandene Bürgermeister wie Ludwig Maurer aus Hohenlinden manchmal mit Übergriffen.

Verrohung ist spürbar

Die Kommune müsse zum Beispiel beim Eintreiben von Schulden sehr restriktiv handeln, berichtet er. „Da überlegst du dir schon, unter was du deine Unterschrift setzt.“ Es gehe aber noch nicht so weit, dass man sich „einen zweiten Fluchtweg überlegt“. Die Verrohung der Gesellschaft, so Maurer, sei jedoch auch in den Rathäusern und Verwaltungen spürbar geworden.

„Bedrohungen und Beleidigungen kommen immer wieder vor“, bestätigt Evelyn Schwaiger, Sprecherin des Landratsamts. Es ereigneten sich auch kritischen Situationen, etwa „wenn jemand trotz Aufforderung den Raum nicht verlassen will“.

Alarmsystem im Ebersberger Rathaus

In der Ebersberger Verwaltung wurde vor einigen Jahren ein Alarmsystem installiert „mittels einer Tastenkombination am Computer“, berichtet Geschäftsführer Erik Ipsen. „Ein Mal haben wir sie schon gebraucht“, sagt er. Bei einer Zwangsräumung sei er selbst einmal rüde angegangen worden. Da fallen dann schon mal Sätze wie: „Ich bringe mich jetzt um, und du bist schuld.“ Auch anonyme Schmähbriefe gebe es immer mal wieder.

„Beschimpfungen passieren öfter mal“, sagt auch Thomas Schelske von der städtischen Bauverwaltung in Grafing, so nach dem Motto: „Die Verwaltung macht alles verkehrt“. Aber so Schelske: „Da macht man sich keinen großen Kopf.“

Anonyme Briefe keine Seltenheit

Max Maier, Bürgermeister von Emmering, hat ebenfalls schon anonyme Briefe bekommen. Die Verwaltungsangestellten würden beschimpft, „wenn es den Bürgern manchmal zu lange dauert“. Maier: „Das Schlimmste ist die Erwartungshaltung. Jeder meint, sein Anliegen ist das Allerwichtigste“ und müsse sofort erledigt werden.

Gemeindetag fordert Meldestellen

Der Bayerische Gemeindetag würde sich wünschen, dass „zentrale Meldestellen“ für derartige Vorfälle geschaffen werden, an die sich Betroffene wenden können. „Und schließlich müssen die entsprechenden Straftaten flächendeckend öffentlich gemacht, zur Anzeige gebracht und dann auch geahndet werden“, so die Forderung. An der Stelle seien vor allem die Staatsanwaltschaften und Strafgerichte in der Verantwortung. „Großzügigkeit wäre in diesem Zusammenhang ein äußerst fatales Signal. Wenn sich Bürgermeister strafrechtlich zu verantworten haben, wenn sie drei Flaschen Wein als Geschenk annehmen, dürfen sie auch erwarten, dass mit der gleichen Konsequenz Beleidigungen, Bedrohungen und tätliche Übergriffe verfolgt werden“, so der Gemeindetag.

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Weil nicht jeder Mitarbeiter einen verbalen Angriff oder eine Bedrohung gleich gut wegstecken kann, gibt es in der Ebersberger Kreisbehörde ein Team „Notfallbetreuung“. Zusätzlich wurden in einigen Bereichen „Tresenlösungen“ eingeführt, zur räumlichen Trennung. Belastete Mitarbeiter würden psychologisch betreut. „Außerdem läuft präventiv Einiges.“ Beamte der Kripo Erding, so berichtet Behördensprecherin Schwaiger, hätten die Mitarbeiter im Landratsamt zum Thema Sicherheit geschult.

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