Die Vorstandschaft des Landschaftspflegeverbands (sitzend, v.l.): Alois Höher, Ursula Kunz, Arnold Schmidt, Ursula Bittner, Max Ostermaier. Stehend (v.l.): Franz Lenz, Hans Riedl, Vivian Riener, Markus Urbanek, Josef Noder, Josef Rüegg. jro

Erhalt der Artenvielfalt

Running Sushi für Reptilien

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Landkreis Ebersberg - Der Landschaftspflegeverband sichert vielen Arten im Landkreis Ebersberg die Lebensgrundlagen. Wie das geht?

Der Mensch braucht Landschaft. Diesem Satz wird wohl keiner widersprechen wollen. Aber braucht die Landschaft auch die helfende Hand des Menschen? Darauf gibt es für den Landschaftspflegeverband Ebersberg nur eine Antwort: „Ja!“

Zur Jahreshauptversammlung trafen sich die Mitglieder in Oberndorf. Auf der Tagesordnung stand neben der Bilanz auch die Neuwahl des Vorstandes. Wiedergewählt wurde als Vorsitzender der ehemalige Forstinninger Bürgermeister Arnold Schmidt.

Josef Rüegg, Geschäftsführer, berichtete den Mitgliedern von über 60 Aktionen, die im Geschäftsjahr abgewickelt wurden. Wenn der Landschaftspflegeverband Flächen in Obhut nimmt, die für eine Bewirtschaftung aus Rentabilitätsgründen nicht in Frage kommen, steht am Anfang oft eine einfache Entbuschungsmaßnahme, so Rüegg. Bäume und Sträucher werden entfernt. Denn, wenn der Mensch nicht mehr eingreift, wird auf solchen Flächen zum Schluss der Wald dominieren - mit allen Nachteilen für die Arten, die viel Sonne brauchen.

Durch Pflegemaßnahmen geholfen ist dabei der Natur, aber auch den Landwirten selbst, die mit ihren Maschinen diese Arbeiten übernehmen und dafür ein Entgelt erhalten. Die Summe aller Einzelmaßnahmen, die für das abgelaufene Berichtsjahr von Rüegg aufgelistet wurden, machen ein Finanzvolumen von etwa 130 000 Euro aus. Gepflegt wurden zum Beispiel steile Flächen in Aßlkofen, in Pullenhofen und Areale entlang des alten Bahndamms von Grafing-Bahnhof nach Gutterstätt.

Die Landschaft im Landkreis Ebersberg samt der hier vorkommenden Pflanzen und ihrer Artenvielfalt ist ganz maßgeblich dadurch erst entstanden, dass der Mensch nach der Eiszeit begonnen hat, Flächen dauerhaft zu bewirtschaften. Viele kleinflächige Bewirtschaftungsparzellen sorgten für die unterschiedlichsten Lebensräume. Wird die Landwirtschaft zu intensiv betrieben, ist das für das Arteninventar ebenso abträglich, als wenn der Mensch die Bewirtschaftung ganz einstellen würde. In dieser „Nische“ hat der Landschaftspflegeverband seinerseits eine wirtschaftliche Heimat und Grundlage gefunden.

Torfabbau schuf Lebensraum

Durch menschliche Bearbeitung entstand früher in Frauenneuharting Lebensraum für Reptilien. Es handelt sich dabei um alte Torfstiche, aus denen Brennmaterial gewonnen wurde. Der Torfabbau wurde lange schon aufgegeben, damit verschwinden aber gleichzeitig die frischen Torfabstichflächen, an denen sich gerne Kreuzottern aufhielten. Die Schlangen finden dort in den wiedervernässten Flächen jede Menge Amphibien zum Fressen, die Rüegg launig als „Runnig Sushi“ für Reptilien bezeichnete.

Um diesen Lebensraum für die selten gewordene, heimische Viper zu erhalten, greift der Landschaftspflegeverband regelmäßig eifrig zum Spaten.

Es gibt im Landkreis Ebersberg aber auch Flächen, die sich in den letzten 10 000 Jahren fast nicht verändert haben. Zu diesen Eiszeitrelikten gehören die Toteiskessel - zum Beispiel bei Lindach in der Gemeinde Egmating, wo es ein Vorkommen des Hochmoorpermuttfalters gibt, der auf einen saueren, nährstoffarmen Boden angewiesen ist, auf dem, seine Futterpflanzen gedeihen. In Deutschland gilt die Rote-Liste-Art als stark gefährdet.

In der Aßlinger Filze hat der Landschaftspflegeverband zusammen mit dem Bund Naturschutz Lebensraum für ein ebenfalls selten gewordenes Eiszeitrelikt geschaffen. Dort wurde eine Fläche für ein Vorkommen der Smaragdlibelle vom Bewuchs befreit. Die Larven der Großlibelle haben die Eiszeit auch deswegen gut überstanden, weil sie über eine Art „Gefrierschutz“ verfügen, der sie extrem tolerant macht gegen Temperaturen unter dem Gefrierpunkt.

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