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Die Wasseroberfläche der Berger Lacke in Steinhöring hat sich wegen des Wassermangels extrem verkleinert. 

Klimawandel im Kleinen

Der Landkreis Ebersberg sitzt auf dem Trockenen

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Kann man dem Klimawandel im Landkreis Ebersberg live zusehen? Das kann man nicht, dazu sind die Zeiträume, in denen wir als einzelner Mensch unsere Erfahrungen beisteuern könnten, viel zu gering. Aber bedenkliche Erscheinungen können wir schon feststellen. Und dazu gehören die aktuellen Niedrigwasserstände in den Gewässern mit allen Folgen für Flora und Fauna.

Landkreis – In der Attel bei Aßling nähert sich der Pegelstand derzeit seinem historischen Tiefstwert. Die Abfluss-Situation wird vom einschlägigen Informationsdienst des Bayerischen Landesamtes für Umwelt als „sehr niedrig“ bezeichnet. Das hört sich jetzt nicht so dramatisch an, meint aber Folgendes: Der Wasserstand ist damit „kleiner als das mittlere niedrigste Tagesmittel aller Jahre“. Der nächste Status würde dann bedeuten: Kleinstes Tagesmittel aller Jahre – also einen neuen historischen Tiefstwert.

Ob es so weit kommt, wird von den Niederschlägen nicht nur der der kommenden Tage, sondern der vor uns liegenden Wochen abhängen, denn bei den Abfluss-Tagesmitteln wird auf einen Zeitraum von zwei Monaten abgehoben. In Südbayern ist die Lage aufgrund der Nähe zu den Alpen noch relativ entspannt, in Nordbayern hingegen verzeichnet etwa die Hälfte aller Fließgewässer inzwischen sehr niedrige Wasserstände.

Dass die Niederschläge ausbleiben, lässt sich auch am Berger See ablesen. Die Wasseroberfläche hat sich extrem verkleinert, am Ufer klaffen Risse im ausgetrockneten Schlamm, in die man locker eine Faust versenken kann. In dem verkleinerten Wasserkörper herrscht derzeit noch Schlaraffenland für die Raubfische, die sich mit den gestressten Friedfischen sozusagen einen kleinen Swimmingpool teilen müssen, der kaum mehr Unterstandsmöglichkeiten bietet für diejenigen, die auf der Speisekarte von Hecht und Co. stehen.

Auch für eine unter Naturschutz stehende Art wird es ungemütlich: Die Teichmuschel hat zwar einen Muskel, der ihr als Fuß dient, sie ist aber trotzdem schlecht zu Fuß. Am Ufer finden Spaziergänger derzeit Schalen von ausgewachsenen, kapitalen Teichmuscheln, die es nicht geschafft haben. Dabei handelt es sich um die größte heimische Muschelart, der eine wichtige Filterfunktion im Gewässer zukommt. Ob die Tiere aufgrund der aktuellen Niedringwasserstände eingegangen sind, lässt sich nicht genau feststellen. Wer eine gestrandete Muschel findet, tut ihr aber auf alle Fälle einen Gefallen, wenn er sie ein paar Meter weiter ins Wasser setzt. Mit nach Hause nehmen darf man sie nicht.

Bereits vor zwei Jahren trocknete der Berger See zu einem Großteil aus. Dass er im Volksmund Berger Lacke genannt wird, deutet allerdings darauf hin, dass es dieses Phänomen auch früher schon gab.

Teichmuscheln können bis zu 30 Jahre alt werden. Kommen in einem Gewässer solche alten Exemplare vor, ist das ein Beweis dafür, dass sie auch mit extremen Situationen wie der derzeit herrschenden Lage immer noch zurecht gekommen sind. Zur Fortpflanzung allerdings sind sie auf die Hilfe von Fischen angewiesen. Die Larven der Muschel heften sich an die Kiemen zum Beispiel von Brachse, Hecht oder Rotfeder an und verbringen dort ihr erstes Lebensstadium. Kippt der Fischbestand, haben die Muscheln keinen Nachwuchs mehr. In der Folge überaltert das Muschelvorkommen und verschwindet schließlich ganz. Wichtig ist dabei, dass sich der Fischbestand erneuert. Denn einmal befallene Wirtsfische bilden einen Abwehrmechanismus gegen die „Glochidien“, wie die Fachleute zu den Muschellarven sagen.

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