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Abgeddeckte Silage in einem F ahrsilo im südlichen Landkreis Ebersberg: Unter der Plane können sich gefährliche Gase entwickeln. Die trockene Witterung hat das Problem verschärft. 

Nitrose Gase entweicht aus Fahrsilos

Lebensgefahr auf den  Bauernhöfen im Landkreis Ebersberg

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Gärgas aus Maissilage ist gefährlich. Das war es schon immer. In den früher gebräuchlichen Hochsilos hat schon mancher Landwirt sein Leben verloren. Nicht selten erstickte auch noch die Person, die den Leblosen retten wollte. Jetzt ist eine neue Gefahr hinzugekommen.

Landkreis –  Schuld daran ist die zunehmende Trockenheit. Sie kann für Bauern buchstäblich lebensgefährlich werden, bestätigt die Tierversuchsanstalt in Grub im Landkreis Ebersberg.

Das Stichwort lautet „nitrose Gase“. Im Netz kursieren spektakuläre Videos, in denen dieses Gas in dicken rostroten bis orangen Schwaden über ganze Bauernhöfe zieht. Es entweicht aus Fahrsilos und ist schwerer als Luft. Barbara Misthöger, in der Landesanstalt für Tierzucht in Grub zuständig für Futter- und Substratkonservierung, warnt die Landwirte im Landkreis eindringlich, das sich unter den Siloplanen aufblähende Gas aktiv herauszustreichen – unter anderem dadurch, dass die Betreffenden auf die Plane steigen, um die sie beschwerenden Sandsäcke oder alten Autoreifen neu zu platzieren.

Dazu könnten sich die Bauern vor allen Dingen dann animiert fühlen, wenn die Siloplane zu knapp bemessen sei und sich bedenklich wölbe. „In so einem Fall ist das lebensbedrohlich“, warnt die Fachfrau, dieses Gas einzuatmen. Wie kommt es zu dieser neuen Gefahr?

Laut Misthöger kommt es aufgrund der immer trockeneren Sommermonate zu diesem Phänomen. Die Pflanzen würden deshalb überdurchschnittlich viel Nitrat enthalten. „Wenn der Mais feucht geerntet wird, verstärkt sich das Problem noch.“ In der Folge entstehen bis zu zwei Wochen nach Beschickung der Fahrsilos beim Gärvorgang große Mengen von nitrosen Gasen, die sich als braune Schwaden in der Luft zeigen. Es handelt sich dabei um ein Gemisch aus Stickstoffmonoxid und Stickstoffdioxid. Ein Atemgift „mit Reiz- und Ätzwirkung, wirkt bereits in sehr geringer Konzentration giftig auf den Menschen“, informiert das „Atemschutzlexikon“. Einmal eingeatmet, könne das Gas noch nach mehr als 24 Stunden zu einem Lungenödem führen.

Das Phänomen scheint zumindest in unseren Breitengraden relativ neu zu sein. „Das ist das Erste, was ich höre“, sagt deshalb Thomas Eberl, der am Amt für Landwirtschaft in Ebersberg für den Pflanzenbau zuständig ist und entsprechende Anfragen deshalb nach Grub weiterleitet.

Auch der Maschinenring Ebersberg hat die neue Gefahr auf dem Radar, weshalb Geschäftsführer Josef Winkler anfang der Woche sein Büro eigener Auskunft nach angewiesen hat, entsprechende Anfragen von Mitgliedern an die Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau weiterzuleiten. „Für die Arbeitssicherheit ist das die beste Stelle“, sagt Winkler, der schon Videos von der bislang unbekannten Gasbildung gesehen hat.

Misthöger empfiehlt den Bauern einfache Vorsichtsmaßnahmen, denn oftmals würden sich genau neben dem Fahrsilo Kälberboxen befinden. Dann bestehe die Gefahr, dass sich die Tiere vergiften. Auch für eine Kinderrutsche sei der Platz neben einem Fahrsilo der denkbar schlechteste, so die Fachfrau sinngemäß. „Je kleiner ein Lebewesen ist, umso schneller wirkt das“, sagt sie. Das Gas wandle sich in der Lunge in salpetrige Säure um, die dann ihr Zerstörungswerk entfalte.

Was können die Landwirte tun? Am besten gar nichts. Im Laufe des Gärvorganges sinkt das Gas ab und zersetzt sich selbst. „Die ersten zwei Wochen sind am gefährlichsten“, sagt Barbara Misthöger aus Grub. Angesichts der derzeit laufenden, oder fast abgeschlossenen Silagemaisernte also genau zum jetzigen Zeitpunkt.

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