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Blick in einen mit leeren Flasche n gefüllten Getränketräger. Die Brauereien hoffen, dass die Verbraucher ihr Leergut möglichst schnell zurück in den Handel bringen. 

Brauereien gehen die Flaschen aus

Leergutmangel im Landkreis Ebersberg: Bald kein Bier mehr?

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Not macht erfinderisch: Eine  Brauerei hat  ihre Kunden über Facebook aufgefordert, schnell das Leergut zurückzubringen – sonst gibt’s kein Bier mehr. Die anhaltende Hitze in den Wochen und Monaten hat auch die Planung der Brauereien im Landkreis ziemlich ausgetrocknet.

Landkreis – „Besonders bei den 0,33-Liter-Flaschen zwickt’s, da haben wir viel zu wenig“, berichtet Georg Lettl, der Geschäftsführer der Brauerei Forsting, deren Bier in zahlreichen Wirtschaften im Landkreis Ebersberg ausgeschänkt wird. Zwar hat Lettl vor fünf Wochen bereits neue Flaschen und Träger bestellt, aber: „Die Hersteller kriegen sie nicht mehr her.“ Vor Mitte bis Ende August könne er deshalb nicht mit einer Lieferung rechnen. Ähnlich die Situation in der Privatbrauerei Schweiger in Markt Schwaben: „Wir bekommen die Neuflaschen nicht, obwohl wir sie rechtzeitig bestellt haben“, berichtet Geschäftsführer Ludwig Schweiger.

Auf neue Träger wartet auch Gregor Schlederer, Chef der Grafinger Brauerei Wildbräu – allerdings aus einem ganz anderen Grund. Er poliert gerade das Image seines Betriebes auf, und dazu gehören auch neue Etiketten und neue Bierträger mit einem neuen Logo. Die Etiketten sind schon da, die Tragl aber noch nicht. „Die kommen diese Woche“, ist er momentan jedoch zuversichtlich. Was das Leergut selbst betrifft, befindet sich sein Unternehmen eher in einer branchenunüblich komfortablen Lage: „Wir haben unheimlich viel davon“, berichtet Schlederer, der das neue Helle „meinem Papa gewidmet“ hat. Sein Vater und Brauereibesitzer Max Josef Schlederer war im April vor drei Jahren verstorben, mit dem neuen Etikett will der Sohn an ihn erinnern.

Die ganze Brauereibranche leidet derzeit am Leergutmangel. „Die großen Verleger bekommen nur noch soviel neue Ware, wie sie Leergut haben, auch wenn sie mehr bestellt haben“, schildert Lettl die Situation der Getränkemärkte. „Tut mir leid, das geht nicht anders.“ Zwar habe er frühzeitig Leergut bestellt, besonders auch im Hinblick auf den seit neun Jahren ununterbrochen steigenden Bierausstoß. Allerdings sei durch die anhaltende Hitze die Nachfrage noch einmal gestiegen, so der Forstinger-Geschäftsführer sinngemäß. Schweiger bestätigt: „Wir können nur das abfüllen, wofür wir Leergut haben.“ Eine Biersorte könne momentan sogar überhaupt nicht produziert werden.

Was das Problem in den Sommermonaten ebenfalls verschärft, ist die Individualisierung der Flaschenformen. Mit Euro-Flaschen könnten sich die Brauereien unter Umständen untereinander aushelfen, aber auch im Landkreis hat die Vielfalt zugenommen. Die gebräuchlichsten sind neben der Euro-Flasche die NRW-Flasche, die Steinieflasche für das Pils aber inzwischen auch Longneck-Typen.

Die Ferienzeit spielt ebenfalls eine Rolle, und das könnte sogar eine negative sein. Dann nämlich, wenn jemand in den Urlaub fährt und vor Reiseantritt das Leergut nicht zum Getränkemarkt zurückbringt. Die Kisten bleiben nutzlos stehen. Damit sind die Flaschen dem Kreislauf unter Umständen für mehrere Wochen entzogen, was nicht ganz unbedeutend ist, weil die modernen Glasbehälter eine Umlaufzahl von 40 Befüllungen erreichen. Teilweise sogar mehr, wenn sie nur kurze Wege zu den Verbrauchern zurücklegen müssen, wie das bei den regional erzeugten Getränken der Fall ist. „Unsere Bierfahrer schauen, dass sie soviel Leergut mitbringen, wie da ist, in Kellern und Garagen“, schildert Schweiger.

Der Brauer Bund kennt zwar die saisonalen Schwankungen, berichtet aber heuer von einer besonders ausgeprägten Leergut-Knappheit. Das bestätigt auch Ludwig Schweiger: „Im Sommer gibt es immer mal zwei Wochen, wo es knapp wird. Aber heuer ist es besonders schlimm.“

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