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Im Ebersberg fehlt Wohnraum an allen Ecken und Enden. Die Kommunen weisen zu wenig Bauland aus, sagen die einen. Die anderen verweisen auf den Schutz der Landschaft.

Mietmarkt im Landkreis Ebersberg

Jung und ohne eigene Wohnung

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Landkreis - Als Annett Seifert von zuhause auszog, „war ich 18 Jahre alt“, berichtet die Kirchseeoner Immobilienmaklerin. Das hat sich geändert. „Heute sind die Kinder oft sehr froh, wenn Mama und Papa im S-Bahnbereich wohnen, weil sie sich als Junge nicht so einfach eine eigene Wohnung leisten können. Besonders dann nicht, wenn sie nicht sofort arbeiten.“

Der Wohnunsgmarkt im Landkreis Ebersberg ist nach wie vor enorm angespannt, berichtet Seifert. „Wenn ich ein Appartement anbiete, habe ich innerhalb von zwei Stunden 150 Anfragen per E-Mail“, bestätigt auch die Grafinger Maklerin Waltraud Grabl. Ihre Zornedinger Kollegin Monika Martin hat sich bereits ganz „aus dem Mietmarkt zurückgezogen“ und sich dafür der Vermittlung von Eigenheimen zugewandt. Sie geht damit eigener Auskunft nach „Unannehmlichkeiten“ aus dem Weg.

Auch die Wohnungsgenossenschaft Ebersberg kann derzeit nicht viel zur Entlastung der Situation beitragen, denen sich Menschen gegenübersehen, die im Landkreis Ebersberg eine bezahlbare Wohnung suchen. „Wir haben aktuell nur etwa acht bis neun Wohnungswechsel, berichtet Jürgen Deinert. Dabei hat die Wohnungsgenossenschaft im vergangenen Jahr mehrere neue Häuser in Betrieb genommen, etwa in Markt Schwaben ein Seniorenhaus oder in Kirchseeon einen Holzbau mit jeweils zwölf Wohneinheiten.

Makler mit über vier Jahrzehnten Berufserfahrung ist Erich Appler aus Ebersberg. Den Trend, dass viele Wohnungseigentümer aufgrund der riesigen Nachfrage und des neuen Bestellerprinzips die Vermarktung ihrer Immobilie selbst in die Hand nehmen, kann er aus seiner Praxis nicht bestätigen. „Wir haben eine langjährige Stammkundschaft“, sagt er und glaubt, den jungen Wohnungssuchenden auch ein bisschen Hoffnung machen zu können. „In den letzten drei Monaten war der Wohnungsmarkt nicht mehr ganz so verrückt wie vorher“, sieht er einen Lichtstreif am Horizont für diejenigen, die auf der Suche sind. Es sei eine leichte Beruhigung erkennbar.

Der Kritik an der zu geringen Baulandausweisung der Kommunen will sich Appler nicht so ohne weiteres anschließen. „Wenn wir doppelt so viel bauen würden, würde der Mietmarkt dann anders ausschauen?“, fragt er rhetorisch und verweist darauf, dass auch Ballungsräume wie Düsseldorf, Frankfurt und Stuttgart diese Schwierigkeiten hätten. „Das ist kein bayerisches Problem.“

Anders als Appler glaubt Seifert aber, dass die Anstrengungen, Bauland auszuweisen, in den Kommunen noch viel deutlicher verstärkt werden müssten. „Das Problem ist seit langem bekannt“, sagt sie. Die Situation werde im übrigen durch die wohnungssuchenden, anerkannten Asylbewerber im Landkreis Ebersberg nicht leichter. Wie die Ebersberger Zeitung berichtete, leben beispielsweise in der Poinger Massenunterkunft derzeit 82 anerkannte Asylanten, die dort nur einen Duldungsstatus haben, weil sie nach der Anerkennung eigentlich ausziehen und in einer eigenen Wohnung leben müssten.

Ulrich Krapf, Geschäftsführer der Wohnungsgenossenschaft Ebersberg, sieht den Gesetzgeber künftig in doppelter Hinsicht in der Pflicht. „Es ist für die Kommunen oft nicht einfach, Flächen im Außenbereich zu Bauland umzuwidmen“, sagt er mit Verweis auf die aktuelle Gesetzeslage und meint andererseits: „Wie würden die Leute wohl schimpfen, wenn wir alles zubetonieren würden. Das sieht auch Makler Appler so. „Ebersberg hat sich vor 30 Jahren schon für ein organisches Wachstum entschieden und man kann die Stadt heute noch anschauen“, meint der Ebersberger.

Seine Grafinger Kollegin Grabl glaubt nicht, dass die Nachfrage nach Wohnraum in S-Bahnnähe in absehbarer Zeit spürbar nachlassen wird, dafür sei die Nachfrage zu groß. „Weiter im Außenbereich geht es vielleicht eher“, meint sie aber. Für Seifert wird künftig etwas anderes an Bedeutung gewinnen. „Wir müssen flexibler werden in alle Richtungen“, glaubt sie und spricht dabei „Tauschangebote“ an, etwa wenn einem älteren Ehepaar die Wohnung oder das Haus zu groß und einem das Putzen zur Last werde. Da kann eine kleinere Wohnung vielleicht als attraktive Alternative erscheinen, bei der auch weniger Heizkosen anfallen.

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