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Das Radwegenetz im Landkreis soll ausgebaut werden, dafür muss Grund erworben werden.

Neue Wege im Landkreis Ebersberg geplant, aber...

Radfahrer müssen Geduld haben

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Radwege sollen im Landkreis einen höheren Stellenwert bekommen. Das betonte Landrat Niedergesäß (CSU) im Kreis-Umweltausschuss. Mögliches neues Projekt: Eine Verbindung von Ebersberg nach Hohenlinden.

Landkreis– Die Liste neuer Projekte umfasst insgesamt 19 Vorschläge. Die Trassen sind in einem unterschiedlichen Stand der Planung. Eine Priorisierung für das Gesamtpaket, also in welcher Reihenfolge die Vorhaben umgesetzt werden könnten, gibt es noch nicht. Bis die Umsetzung abgeschlossen ist, könnte noch einige Zeit vergehen. Schließlich lautet der Arbeitstitel: „Radwegeplanung 2030“. Auf die lange Bank geschoben werden soll eine Umsetzung jedoch nicht. „Wir wollen das jetzt konkret anpacken“, kündigte Niedergesäß an.

Die Vorstellung stieß im Ausschuss auf breite Zustimmung. Alexander Müller (FDP) betonte: „Ich finde das sehr gut.“ Was ihn erschrecke, sei jedoch die Masse der Projekte und die Länge der Planungen. Man müsse sich aber konkrete Ziele setzen, beispielsweise zehn Kilometer neue Radwege pro Jahr. Dann sei das Ziel in zehn Jahren erreicht. Derzeit verfügt der Landkreis über 130 Kilometer an Kreisstraßen und über 45 Kilometern an Kreis-Radwegen zusätzlich zu den Trassen, für die die Kommunen zuständig sind. „Ich bin grundsätzlich ein optimistischer Mensch“, meinte Landrat Niedergesäß. Wenn man dem Vorschlag Müllers folgen würde, „hätten wir in fünf Jahren eine Verdoppelung“.

„Das Ziel muss man aber auch erreichen können“, gab Kreisfinanzchefin Brigitte Keller zu bedenken. Es gehe um den Grundstückserwerb für die Radwege. „Da brauchen wird die Gemeinden. So viel zu Theorie und Praxis eines solchen Zieles.“ Müller ließ sich aber nicht beirren. „Dann kommen zunächst die Radwege dran, wo der Grundstückerwerb klappt“, so sein Vorschlag. Keller kündigte an, in der Herbstsitzung des Ausschusses „machbare Ziele“ vorzustellen. „Wir müssen auch sagen, mit welchen Ressourcen wir das machen können.“ Das Landratamt wolle ja alles machen. „Aber wir müssen es auch bewältigen können.“

Philipp Goldner (Grüne) gab zu bedenken, ein Radweg von sechs Kilometern Länge und zwei Metern Breite ergebe die Fläche eines Fußballplatzes an Versiegelung. Man müsse nicht alles asphaltieren, schlug Bernhard Wieser (CSU) vor. Man könne wassergebunden Decken verwenden. „Das machen andere Landkreise auch.“

Sich auf zehn Kilometer neue Radwege pro Jahr zu einigen, wie es Müller vorgeschlagen hatte, fand Melanie Kirchlechner (Grüne) „eine Superidee“. Sie regte an, zu den jetzt vorgeschlagenen Trassen Alternativen zu prüfen. „Man kann einem Radlfahrer auch zumuten, Umwege zu fahren.“

Auch Renate Glaser (SPD) begrüßte, dass der Bau von Fahrradwegen künftig einen höheren Stellenwert haben soll. Das müsse man aber auch in Form von Zahlen konkretisieren. „Wir werden künftig gewichten, für was wir Geld ausgeben, für Straßen, für Fußwege oder für Radwege.“

Für eine verbindliche Festlegung sei es jedoch „heute noch zu früh“, bremste Landrat Niedergesäß. „Auch wenn ich hinter dem Thema stehe.“ Nun soll wohl im Herbst weiter beraten werden.

In der Diskussion sind unter anderem folgende Projekte:

Markt Schwaben, Radweg an der Finsinger Straße: Intensiv geplant wird seit 2010, der Grunderwerb gestaltet sich jedoch problematisch. Es geht auch um einen Lückenschluss.

Poing, Gruber Straße: Die Situation ist gefährlich, es gibt immer wieder Unfälle mit Radlern. Die Gehwege sowohl nördlich wie südlich der Straße sind auch für Radler frei gegeben. Zudem gibt es mehrere Ausfahrten.

Schwaberwegen/Anzing: Auf der Verbindungsstraße ist ein so genannter Radschutzstreifen auf beiden Seiten markiert. Die Autos sind aber an der ziemlich geraden Straße auch ziemlich schnell unterwegs.

Hohenlinden/Ebersberg: Während es von Ebersberg nach Schwaberwegen durch den Forst einen von der Straße getrennten Radweg gibt, fehlt eine solche Trasse von der Kreisstadt nach Hohenlinden. Nachgedacht wird auch über Alternativrouten,

Helletsgaden, Gemeinde Steinhöring: In diesem Gebiet geht es um zwei Projekte, einmal vom Ortsteil Helletsgaden nach Norden zur B 12, zum zweiten von Helletsgaden nach Süden Richtung Abersdorf.

Tulling/Forsting: Zur Debatte steht auch eine Radwegverbindung entlang der B 304 vom Steinhöringer Ortsteil Tulling nach Osten in den Nachbarlandkreis Rosenheim nach Forstern. Weiter südlich verläuft der Panorama-Radweg Isar-Inn.

Reitgesing-Steinhöring: Dabei geht es um Vorschläge eines Radweges entlang der Südumfahrung Ebersberg. Der Bedarf wird jedoch teilwesie in Frage gestellt, der Umweltausschuss hatte eine Planung bereits einmal abgelehnt.

Nettelkofen/Seeschneid: An dieser Radwegverbindung wird schon länger gearbeitet. Unterschiedliche Varianten wurden vorgestellt. Die dortige Straße soll ausgebaut werden. Ob beiden Projekte gemeinsam verwirklicht werden können, ist ebenfalls in der Diskussion.

Grafing Bahnhof/Glonn: Als Trasse könnte hier ein Teil des Damms der stillgelegten Bahnstrecke verwendet werden. Das ist jedoch aus Naturschutzgründen umstritten.

Glonn Richtung Bruck: Die Marktgemeinde wünscht sich sich eine besser Anbindung in Richtung Nord-Ost mit einer Trasse über Zinneberg an der EBE 13. Das Problem: Dort ist es ziemlich steil.

Kastensee: Um eine bessere Anbindung des beliebten Ausflugsziel Kastensee geht in zwei möglichen Projekten. Einmal um einen Radweg nach Glonn, zum zweiten um einen Radweg nach Egmating.

Antholing: Als dringlich sieht die Gemeinde Baiern eine Verbindung von Wetterling kommend nach Berganger als Teil einer „vernünftigen Ost-West-Verbindung“ nach Glonn. Für einen Teil der Strecke wäre der Landkreis zuständig. Die Gemeinde Baiern hat noch einen weiteren Wunsch, nämlich eine Radverbindung von Kulbing nach Süden entlang der EBE 15 bis zur Landkreisgrenze Rosenheim bei Lenzmühle. Da es jedoch hier größere Höhenunterschiede gibt, werden Alternativrouten geprüft.

Frauenneuhartig: Um zwei Projekte geht es auch in der Gemeinde Frauenneuharting. Vorgeschlagen ist ein ganz kurzes Stück Radweg von Frauenneuharting nach Lauterbach. Dabei gibt es aber laut Landratsamt Probleme mit dem Grunderwerb. Punkt zwei: Eine Verbindung von Jakobneuharting nach Osten bis zum Mühlweg.

Straßenbauamt Rosenheim würde die Strecke gerne komplett herstellen. Aber vor allem die Verkehrsführung an der Bahnunterführung könnte schwierig werden.

Wolfesing/Weißenfeld: Seit fast zwei Jahrzehnten wird an der Strecke beziehungsweise Teilen davon geplant. Wann es weiter gehen könnte ist derzeit noch unklar.

Fahrradschnellweg: Weiter im Gespräch ist auch ein Konzept für einen Fahrradschnellweg von Ebersberg nach München. Die Grünen im Landkreis Ebersberg hatten dafür bereits Vorschläge eingebracht. „Das ist nicht vergessen“, hatte Kreisfinanzchefin Brigitte Keller in der Sitzung des Umweltausschusses betont. „Wir sind bei dem Thema mit dabei“, versicherte auch Landrat Robert Niedergesäß.

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