Polizei meldet rückläufige Fallzahlen

Plötzlich Einbruchsopfer: „Ein Stück vom Leben ist weg“

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Die Polizei gibt sich vorsichtig optimistisch in Sachen Einbruchszahlen: Die Inspektionen Ebersberg und Poing verzeichnen für den Landkreis einen Rückgang. Für Einbruchsopfer ist das kein Trost. Wir haben mit einer betroffenen Familie gesprochen.

Landkreis – Das Terrassenfenster aufgebrochen, Zimmer und Schränke durchwühlt, es fehlen Bargeld und Schmuck: Dieser Albtraum ist Familie Rothner (Namen geändert) aus Ebersberg widerfahren. Unter ihren Nachbarn sind die Rothners nicht die einzigen Opfer – viermal innerhalb weniger Wochen schlugen Einbrecher allein in der Abt-Häfele-Straße zu, wo sich Einfamilienhaus an Einfamilienhaus reiht.

Findige Täter: „Und da meint man immer, wie schlau man ist“

Für viele sind Einbruchszahlen bloße Statistik, die Wahrscheinlichkeit, tatsächlich betroffen zu sein, ist gering. „Dass es einem plötzlich selber passiert, hat mich geschockt“, bekennt Martha Rothner. Besonders das präzise Vorgehen der Täters bei der Suche nach Beute habe sie überrascht: „Sie haben alle Stellen erwischt, wo ich etwas verstecken würde. Und da meint man immer, wie schlau man ist.“ Dagegen übersahen die Einbrecher Bargeld, das offen auf dem Tisch lag.

Gestohlen haben sie nur, was in die Jackentasche passt. Laptops, Kameras, teure Musikinstrumente ließen sie liegen. Beim Griff in die Schmuckschatulle bewiesen die Täter Kennerblick: Sie nahmen gezielt die wertvollsten Stücke an sich, darunter Erbschmuck von der Tante. „Ein Stück von meinem Leben ist weg. Das macht mir am meisten zu schaffen“, sagt Martha Rothner.

Die Familie verpasste die Einbrecher nur um wenige Minuten

Vermutlich verpasste die Familie die Einbrecher, die wie so oft in den frühen Abendstunden zuschlugen, nur um einige Minuten. Die Terrassentür stand offen, doch das Thermostat war noch nicht angesprungen. Rothner ist froh, dass niemand aus der Familie den Einbrechern begegnen musste. „Das wäre das Schlimmste“, sagt sie. „Es ist ja so schon ein heftiger Eingriff in unsere Privatsphäre gewesen.“ Für viele Einbruchsopfer ist das das Schlimmste an der Sache: Sie fühlen sich in den eigenen vier Wänden nicht mehr sicher. Zumal die Täter nur selten gefasst werden.

Lage im Kreis Ebersberg entspannter als in München

Dabei ist die Lage im Landkreis Ebersberg etwas entspannter als beispielsweise in München, wo die Zahl der Einbrüche 2016 im Vergleich zum Vorjahr um neun Prozent gestiegen ist – das recherchierte der Münchner Merkur in Zusammenarbeit mit dem BR.

Die Polizeiinspektion Ebersberg dagegen meldet, dass die Zahl der Dämmerungseinbrüche zwar 2016 etwa genauso hoch sei wie 2015. Offizielle Zahlen für den Landkreis gibt es zwar noch nicht, doch ein rückläufiger Trend sei zu verzeichnen: „Die Wohnungseinbrüche als Ganzes werden weniger“, erklärt der stellvertretende Inspektionsleiter Gerhard Freudenthaler. Gleiches vermelden auch seine Kollegen aus Poing. Dienststellenleiter Helmut Hintereder spricht im Zeitraum bis November 2016 von einem „deutlichen Rückgang von fast 50 Prozent“ im Vergleich zum gleichen Zeitraum im Vorjahr. Beide Inspektionen räumen aber ein, dass dies damit zu tun habe, dass 2015 besonders viele Einbrüche verzeichnet wurden.

Es bleibt ein vages Gefühl der Unsicherheit

Familie Rothner aus Ebersberg will sich allein auf die Polizei nicht mehr verlassen. Ihre Terrasse erleuchtet nun ein besonders heller Strahler mit Bewegungsmelder, vielleicht kommt eine Kamera dazu. Das aufgehebelte Fenster soll gegen ein sichereres ausgetauscht werden – die Reparaturkosten an dem großen Rahmen werden ohnehin mehrere Tausend Euro betragen. Wie viel davon die Versicherung zahlt, steht noch nicht fest.

Was bleibt, ist ein vages Gefühl der Unsicherheit, ein „Wahnsinns-Rattenschwanz an Papierkram“, wie die Hausherrin sagt, und: Wut auf die Täter. Martha Rothner ist froh, dass seit den Einbrüchen in der Straße erhöhte Wachsamkeit und Zusammenhalt herrschen. „Unsere Nachbarn sind die besten Wächter überhaupt“, sagt sie. Dennoch: Rothners Sohn würde im Garten am liebsten eine Bärenfalle auslegen.

So können Sie sich schützen

Die Polizei rät dazu, bei Türen und Fenstern einbruchshemmende Schlösser und Sicherungen einzubauen. Fast die Hälfte aller Einbrüche scheitern schon im Versuchsstadium, erklärt ein Experte der Erdinger Kriminalpolizei. Grund sei, dass die Täter nach drei bis fünf Minuten ohne Aufbruchserfolg in der Regel aufgäben. Darum sei es wichtig, Fenster, Balkon- und Terrassentüren auch bei kurzer Abwesenheit zu verschließen. „Licht wirkt auf Einbrecher abschreckend“, heißt es außerdem auf dem Präventionsportal der Polizei, das rät, Bewegungsmelder und Lampen in einbruchsgefährdeten Bereichen zu installieren. „Wertsachen, die offen herumliegen, locken Einbrecher an“, erklärt die Polizei und rät zur Aufbewahrung von Schmuckstücken und sonstigen Wertsachen unter Verschluss. 

Auf dem Polizei-Beratungsportal www.k-einbruch.de gibt es Tipps zur Einbruchssicherheit von Haus, Wohnung, Grundstück und Fahrzeugen. Wer sich dann noch unsicher ist, ob er ausreichend gegen Einbrecher gewappnet ist, kann die kostenlose Beratung der Erdinger Kriminalpolizei in Anspruch nehmen. Deren Fachleute kommen sogar zu Hausbesuchen. Mehr Informationen dazu unter Tel. (0 81 22) 96 80.

Beratung vor Ort bieten die Fachberater der Polizei am Donnerstag, 2. Februar mitten in Ebersberg: „RoSi“, der „Rollende Sicherheitsberater“ des Polizeipräsidiums München steht von 10 bis 14 Uhr am Marienplatz.  Für alle Bürger besteht dann die Möglichkeit, mit Kriminalpolizeilichen Fachberatern der Kripo Erding und Beamten der örtlichen Polizeiinspektion ins Gespräch zu kommen.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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