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Das Innenleben des Blitzerautos: Auf dem Armaturenbrett steht links der Blitz, rechts das Messgerät.

Sie blitzen im Landkreis Ebersberg

Radar-Messtechniker im anonymen Interview: So ticken die Fallensteller

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Landkreis Ebersberg - Erich Winter (52) und Harald Kurzhauser (56) liegen für die Kommunale Verkehrsüberwachung Markt Schwaben im Landkreis Ebersberg auf der Lauer. In Wirklichkeit heißen sie anders, wollen aber anonym bleiben. Denn ihr Job bringt ihnen wenig Sympathie ein. Wir durften uns mit ins Blitzer-Auto setzen.

Herr Kurzhauser, Herr Winter, haben Sie einen gefährlichen Beruf?

Kurzhauser: Manchmal reagieren Leute sehr aggressiv auf uns. Raubritter, Wegelagerer, Abzocker – so etwas muss ich mir öfter anhören. Einmal wollten mich zwei Männer aus dem Auto ziehen, zum Glück hatte ich abgesperrt. Sie haben dann an den Türgriffen gerissen und mich beschimpft, bis ich ihnen gesagt habe, dass ich gleich die Polizei rufe.

Winter: Unangenehm wird es manchmal bei Messungen in der Nacht, wenn ich alleine bin und es schleichen Leute ums Auto herum. Einem Kollegen hat sogar mal jemand eine Axt in die Motorhaube gehauen. Das ist aber eine extreme Ausnahme. Überwiegend haben wir nette Begegnungen. Manche Anwohner bringen uns sogar Kaffee und Kekse.

Die beiden Messtechniker, so heißt ihr Beruf offiziell, haben ihr Messfahrzeug in einer 30er-Zone mitten in Ebersberg geparkt. Ausnahmsweise sind sie zu zweit unterwegs, zu Schulungszwecken. Draußen ist es kalt, drinnen surrt die Standheizung. Auf Beifahrersitz und Amaturenbrett sind Kamera, Messanlage und Laptop aufgebaut.

Welche Strategie zieht bei Ihnen, damit man um eine Geldbuße herumkommt?

Kurzhauser: Keine. Sobald der Blitzer auslöst, werden die Daten verschlüsselt gespeichert, die Fotos bekommen ein Wasserzeichen. Wir haben keinen Zugriff und können keine Messung löschen oder verändern. Es wird alles vielfach dokumentiert und die Geräte sind natürlich geeicht.

Versuchen es manche trotzdem?

Winter: Ja, das kommt vor. Oft heißt es dann: „Können wir das nicht gleich hier regeln und Sie löschen mich?“ Hilft aber nichts.

Es ist früher Nachmittag. Schulkinder gehen auf dem Bordstein vorbei. Ein kleines Mädchen bemerkt die Radarfalle und macht große Augen. Dann winkt es fröhlich durch die Seitenscheibe. Die Messtechniker winken schmunzelnd zurück.

Warum machen Sie diesen Beruf?

Kurzhauser: Ich komme viel herum und habe Kontakt mit Leuten. Und wir üben eine hoheitliche Aufgabe aus, die exaktes und selbstständiges Arbeiten verlangt. Lieber arbeite ich allein, als mit jemandem, der mich jeden Tag zur Weißglut bringt.

Winter: Wir stehen auch hinter dem, was wir machen. Klar gibt es auch weniger schlimme Verstöße, aber wenn einer in einer Spielstraße oder einer 30er-Zone rast, dann geht das gar nicht. Ich bin froh, wenn die Unfallzahlen sinken, dazu tragen wir bei.

Eine junge Frau kommt in ihrem Audi die Straße entlanggefahren. Als sie das Messfahrzeug passiert, löst mit einem leisen Knacken der Blitz aus. 42 km/h zeigt der Bildschirm an. Abzüglich Messtoleranz ist das 9 km/h zu schnell – macht 15 Euro Bußgeld. Auf dem Laptopbildschirm erscheint sofort das Schwarzweißfoto. Die Messtechniker nehmen es routiniert zur Kenntnis. Jagdeifer sieht anders aus. In den gut zwei Stunden, die Winter und Kurzhauser in der 30er-Zone parken, blitzt es gut 20 Mal. Punkteausbeute für die Flensburger Verkehrssünderkartei: Null.

Wie entscheiden Sie, wo geblitzt wird?

Winter: Das entscheiden nicht wir, sondern die Kommunen legen die Messstellen mit dem Landratsamt und der Polizei fest. Die Stellen müssen auch begründet sein. Es gibt grob zwei Kategorien: Politische Stellen, die auf Anwohnerwunsch eingerichtet werden, und Stellen, wo besonders viele zu schnell unterwegs sind. Unsere Firma bekommt dann eine Anordnung, wo wir messen sollen.

Verraten Sie mal, wo ich kommende Woche im Landkreis besonders aufs Tempolimit schauen muss.

Kurzhauser (grinst und schüttelt den Kopf): Das wissen wir selber noch nicht. Wir erfahren das meistens erst ein paar Tage vorher.

Winter: Und selbst wenn wir es wüssten, wir sind natürlich vertraglich zur Verschwiegenheit verpflichtet. So etwas auszuplaudern würde uns eine dicke Strafe und wahrscheinlich den Job kosten.

Eine Anwohnerin ist auf das Blitzer-Auto aufmerksam geworden und linst durch die Scheibe herein. „Sehr gut“, sagt sie, „manche rasen hier durch. „Deswegen stehen wir hier“, antwortet Messtechniker Winter. „Schnappen Sie bloß viele“, sagt die Frau mit einem anerkennenden Nicken und geht weiter.

Bekommen Sie eigentlich eine „Abschussprämie“?

Winter: Nein, das ist völliger Blödsinn. Wir werden nach Arbeitsstunden bezahlt, nicht nach der Zahl der Bußgelder.

Sie sitzen ja viel im Auto herum und warten. Ist Ihnen oft langweilig?

Kurzhauser: Es gibt genug zu tun. Wir müssen die Geräte an jeder Stelle richtig einstellen und die Zeit während der Messung nutze ich, um Messberichte zu schreiben. Oft geht es schon nach einer Stunde zur nächsten Station. Langweilig wird uns nicht.

Gibt es Leute die besonders oft geblitzt werden?

Winter: Vor Schulen erwischen wir seltsamerweise ganz oft die Mütter der Kinder. Oft trifft es auch Paketfahrer – mit denen habe ich schon Mitleid, weil sie in ihrem Job sehr gehetzt werden. Einmal ist einer dreimal an mir vorbei und jedes Mal geblitzt worden. Der ist dann heulend zum Auto gekommen. Er hatte aber Glück im Unglück: Es war nicht so schlimm, dass er ein Fahrverbot bekommen hat.

Hand aufs Herz: Wann wurden Sie zuletzt geblitzt?

Winter: In Deutschland noch nie, ehrlich, aber einmal in Österreich. Das zählt aber nicht, oder? (lacht)

Kurzhauser: Ist schon vier, fünf Jahre her bei mir. Aber einen Punkt in Flensburg habe ich. Handy am Steuer. Wir sind auch nur Menschen. Wenn einer behauptet, er ist noch nie zu schnell gefahren, dann lügt er.

Winter: Aber wo kein Kläger, da kein Richter.

Gibt es etwas, das Sie am Bußgeldsystem ändern würden?

Winter: Bei mir hat mal einer gehalten, den es mit einem dicken Benz erwischt hat. Der hat dann gesagt: „Ist mein Führerschein weg? Mir egal, dann hole ich mir einen Fahrer.“ Das hat mich geärgert. Für Reiche sollten Tempoverstöße genauso unangenehm sein wie für Geringverdiener.

Kurzhauser: Wenn ich es in der Hand hätte, würde ich zu schnelles Fahren verdienstabhängig ahnden lassen.

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