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Ernste Themen – gelöste Stimmung: So könnte man kurz gefasst den Diskussionsabend beschreiben, zu dem die Wählergemeinschaft offene Politik ins Gasthaus Suck in Alxing eingeladen hatte. Vorne r echts: Referent Sepp Braun aus Freising, der „Bauer mit den Regenwürmern“. 

Ungewöhnliche Methoden

Regenwürmer vor den Pflug spannen

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„Bauern haben eine besondere Verantwortung.“ Daran erinnerte der Freisinger Landwirt Sepp Braun im Rahmen einer Podiumsdiskussion im Alxinger Gasthaus Suck Verbraucher und Landwirte gleichermaßen. Das Interesse an der Veranstaltung, zu der die „Wählergemeinschaft offene Politik“ den renommierten Biobauern am Freitagabend eingeladen hatte, war riesig.

Bruck – Haben die Landwirte bei der Bearbeitung ihrer Flächen bisher zu sehr darauf geachtet, was auf dem Feld steht, zu wenig aber darauf, was dabei im Boden passiert? Braun ist der Ansicht, dass das tatsächlich so ist. Er wurde bekannt als „Bauer mit den Regenwürmern“. Pro Quadratmeter Anbaufläche werden bei ihm 450 solcher Würmer gezählt, deren Vorkommen er mit seinen Anbaumethoden unterstützt. Die Folge davon sei, dass er seinen Boden nicht mehr so oft umbrechen müsse. „Ich spanne die Regenwürmer vor meinen Pflug“, sagte er den verblüfften Zuhörern. Der konventionelle Pflug „zerstört die Mikrobiologie im Boden“.

Nach Brauns Ansicht seien die Landwirte die einzigen weltweit, die den Schlüssel zur Verhinderung des Klimawandels in der Hand hätten. Wenn es gelänge, die Humusschicht auf der Erde nur um ein paar Fingerbreit zu erhöhen, wäre das vom Menschen produzierte CO2 egalisiert – „und zwar alles, was wir bisher verbraucht haben“. Den Bauern komme künftig eine zentrale Bedeutung zu, beim „Klimaschutz, Wasserschutz, Artenschutz und Bodenschutz“, so Braun. Und dabei müssten sie auch noch „gesunde Lebensmittel produzieren“.

Eine solche Aufgabe sei nicht gegen die Natur zu verwirklichen, sondern nur in der Partnerschaft mit der Natur. Eine Ansicht, der auch Landwirt Martin Hutterer in Teilen zustimmte. Der Unterricht in der schulischen Praxis für junge Landwirte sei meistens darauf ausgerichtet: „Wie hole ich mehr raus.“ Landnutzung, so Braun, sei aber eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, weshalb er auch als Biobauer zum Thema Subventionen der Ansicht ist: „Öffentliche Gelder für öffentliche Aufgaben“. Die Praxis in der Landwirtschaft sehe leider oft so aus, dass nicht „für“ etwas gearbeitet werde, sondern „dagegen“, sagte Braun und nannte dabei den Umgang mit Spritzmitteln. Seiner Ansicht nach sei es besser, die Bodenstruktur so zu verbessern, dass die Pflanzen ein hervorragendes Wachstumsmilieu vorfänden. Wem das zu esoterisch klingt, für den erzählte der Freisinger von den Erfolgen, die er mit dieser Art der Bewirtschaftung auf seinem Hof erzielt. Die Familie betreibe unter anderem einen Hofladen in München und könne für ihre Produkte auch einen angemessenen Preis verlangen.

In der Diskussion, die der Kreisobmann des Bauernverbandes, Franz Lenz leitete, der selbst Biobauer ist, kam auch Nicola Schreiner als Stimme der Verbraucher zu Wort: „Einen fairen Preis muss man sich leisten können und auch mögen“, meinte sie. Landwirtin Maria Deuschl hatte hingegen einen Wunsch an die Verbraucher: „Nicht gleich schimpfen über die Bauern, sondern fragen: Warum machen die es so?“

Braun überraschte seine Zuhörer mit ungewöhnlichen Denkansätzen. Er plädierte unter anderem dafür, mit der Monotierhaltung aufzuhören. Auf seinen Flächen tummeln sich Schweine und Kühe gemeinsam. Dass die Weidehaltung von Kühen die weitaus bessere Art sei, mit Milchvieh umzugehen, ließ er ebenfalls erkennen. „Die effizientesten Milchbauern in Europa sind die Iren. Bei denen gibt es fast nur Weidehaltung“, meinte er und hinterließ danach eine nachdenkliche Zuhörerschaft.

Einen Kommentar zu diesem Artikel finden Sie in der Printausgabe der Ebersberger Zeitung vom 6. März.

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