Rückkehr zum G9

Schulleiter: Stoppt das ewige Hin und Her

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Seit Jahren keine klaren Regeln, G8, Mittelstufe Plus, vielleicht doch G9? Die Schulleiter der vier Gymnasien im Landkreis Ebersberg sind – wie viele andere in Bayern – genervt. Sie fordern eine Ende der Debatte, wie lange die Schulzeit eines Gymnasiasten dauern soll.

Landkreis - Die Schulleiter im Landkreis Ebersberg wollen  ein Modell, dass für alle Schüler in Bayern gilt. Die Rückkehr zum G9 ist für sie denkbar, aber kein Muss. Dennoch deutet derzeit vieles darauf hin, dass das achtstufige Gymnasium in Bayern vor dem Aus steht. Anfang März will die Staatsregierung darüber beraten. Paul Schötz, Schulleiter des Gymnasiums Grafing, sagt: „Wenn wir ein G9 bekommen, brauchen wir ein qualitätsvolles G9 mit einer Überholspur für Schüler, die erfolgreich sind.“ Sprich: Die flotteren Schüler sollen die Möglichkeit haben, ihre Schulzeit auch in acht Jahren zu meistern – früher hieß das: eine Klasse überspringen. Aber: Es soll grundsätzlich einmal nur das G9 gelten.

Die meisten Schüler der Landkreisgymnasien würden das begrüßen, auch wenn es sie selbst nicht mehr betrifft. Sophie (16) geht in die 11. Klasse des Gymnasiums Grafing und sagt: „Das G8 ist stressig, mehr Zeit zum Lernen würde uns allen guttun“.

Viel spricht für das G9

Es gebe vieles, das für ein G9 spreche, zum Beispiel eben längere Lernzeit der Schüler oder angepassteren Nachmittagsunterricht, bestätigt die Schulleiterin des Kirchseeoner Gymnasiums, Simone Voit. Sie betont ebenfalls: Wichtig sei, dass es ein einheitliches Modell für alle Schüler gebe. Sollte ein G9 eingeführt werden, sei man an ihrem Gymnasium vorbereitet. Raumnot würde es in Kirchseeon erst einmal nicht geben – das Problem würde vielleicht in einigen Jahren kommen, wenn die ersten G9-Abiturienten die neue 13. Jahrgangsstufe besuchen.

Offene Fragen

Viele Fragen sind offen, gesteht Voit ein, zum Beispiel wie ein neuer Lehrplan aussehen würde. Dazu hat sich das Kultusministerium noch nicht geäußert, denn eine offizielle Rückkehr zum G9 sei noch nicht beschlossen, sagt Ministerpräsident Horst Seehofer – auch wenn die Zeichen dafür sprechen.

Das Tor ist auf

Dass das G9 kommen wird, davon ist Rüdiger Modell, Schulleiter des Humboldt Gymnasiums Vaterstetten, überzeugt: „Das Tor G9 ist so weit auf, dass es sich nicht mehr schließen lässt.“ Modell rechnet sogar damit, dass ein neunstufiges Gymnasiums zum kommenden Schuljahr 2017/18 eingeführt wird. Was besser ist, G8 oder G9, lässt der Schulleiter offen, „wir könnten mit dem einen und dem anderen gut leben“. Entscheidend aber auch hier: Es müsse endlich Ruhe einkehren, die Debatte darüber mit einer klaren Lösung enden.

Eine Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium hält Michael Piazolo (FW), Vorsitzender des Ausschusses für Wissenschaft und Kunst im Bayerischen Landtag, grundsätzlich für richtig. Das G9 noch heuer einzuführen, halte er für „viel zu knapp“. Viele Fragen seien offen: Braucht es neue Lehrer? Wie schauen die Lehrpläne aus? Der Vorsitzende des Bildungsausschusses im Landtag, Martin Güll (SPD), sagt, dass bis zu 1000 neue Lehrer notwendig seien und fordert einen „Masterplan“ zur Wiedereinführung des G9.

Peter Popp, stellvertretender Schulleiter des Franz Marc Gymnasiums in Markt Schwaben, mahnt: Es brauche eine längere Vorlaufzeit, sollte das G9 zurückkehren.

Rubriklistenbild: © dpa

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