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Am Ofen ist ein Typenschild angebracht, anhand dessen man sich vergewissern kann, ob die geänderte Immissionsschutzverordnung noch eingehalten wird. 

Seit Jahresanfang gilt strengerer Immissionsschutz im Landkreis Ebersberg

Bei zu viel Feinstaub ist bald der Ofen aus

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Sie sind der Inbegriff von Behaglichkeit. Am Schwedenofen zu sitzen und ins Feuer zu schauen, kann tatsächlich bei vielen Landkreisbürgern für Glücksmomente sorgen. Wie lange noch?

Landkreis – Vielleicht wird den Besitzern dieser Feuerstätten bald aus einem anderen Grund ganz warm. Seit 1. Januar nämlich dürfen Öfen, die bis zum Jahr 1984 eingebaut wurden, nicht mehr so ohne Weiteres betrieben werden. Modelle bis zum Baujahr 1974 mussten vorher schon ausrangiert werden. Bei Besitzern von alten Feuerstellen kann aber ein Hoffnungsfunke aufglimmen. Es gibt nämlich Ausnahmen.

„Ende 2017 ist die Übergangsfrist abgelaufen für Öfen von 1975 bis Ende 1984“, bestätigt Behördensprecherin Evelyn Schwaiger vom Landratsamt Ebersberg. „Die ersten Handelnden in dieser Angelegenheit sind die Kaminkehrer. Sie können durch eine Messung feststellen, ob die Grenzwerte eingehalten werden.“ Erst wenn das nicht der Fall sei, und es zwischen Ofenbesitzer und Kaminkehrer problematisch werde, schalte sich die Aufsichtsbehörde ein. Am Ende könne sogar die Stillegung des Ofens angeordnet werden, wenn er den gesetzlichen Vorgaben nicht entspricht. „Da kommt die Immissionssschutzbehörde dann ins Boot.“ Die Stillegung wiederum werde vom Kaminkehrer überprüft, so Schwaiger. Die Messung gibt es nicht umsonst. Die Kosten liegen in der Regel zwischen 150 und 300 Euro.

Nach älteren Schätzungen von Fachleuten gibt es in Deutschland etwa 15 Millionen Feuerstätten. Ein Drittel davon muss verschrottet werden, hieß es schon vor Jahren, weil sie die Bestimmungen nicht erfüllen können. Zwar kann in einem solchen Fall ein Filter nachgerüstet werden. Der kostet aber bis zu 1500 Euro „und ist sehr wartungsintensiv“, sagt Robert Otter, der Obermeister der Kaminkehrerinnung Oberbayern. Besser sei es, sich für vergleichsweise weniger Geld gleich einen neuen Ofen zu kaufen. Freilich räumt Otter ein, dass nicht die Feuerstelle alleine für das Feinstaubaufkommen verantwortlich ist. Unter Umständen produziere ein alter Ofen, wenn er mit qualitativ gutem, trockenen Holz beheizt werde, weniger Feinstaubpartikel als ein qualitativ hochwertiger Ofen, der mit schlechtem Holz beheizt werde. Deswegen hören Otter und seine Kollegen öfter den Satz: „Warum soll ich den alten rausschmeißen? Ob der zwei oder vier Ster Holz mehr braucht, ist mir doch egal.“ So denken aber nicht alle, berichtet Bezirksschornsteinfeger Christian Dehnelt aus Aßling. „Viele zeigen Verständnis, wenn man es richtig erklärt. Wie bei einer jeden Heizung muss man nach Jahrzehnten auch mal in einen neuen Ofen investieren.“

Es gibt im Landkreis Ebersberg Kehrbezirke, in denen sich viele landwirtschaftliche Anwesen befinden. In diesen Bauernhöfen wird nicht selten sommers wie winters eingeheizt, weil der Holzofen in der Küche als Herd benutzt wird, mit dem gleichzeitig auch das Wasser erwärmt werden kann. Oft sind diese Öfen schon sehr alt und echte Rußschleudern, jedenfalls dem Rauch nach zu schließen, der aus ihren Schornsteinen dringt. Der Gesetzgeber drückt aber hier ein Auge zu. Denn Kochherde sind von der Verordnung ausgenommen. Otter nennt weitere Ausnahmen: „Grund- und Kachelöfen, historische Öfen und offene Kamine.“ Ausgenommen sind auch Gebäude, die komplett mit Einzelfeuerstätten beheizt werden. Die neue Regelung betreffe hauptsächlich die „Zusatzöfen“, mit denen Hausbesitzer in der Übergangszeit einheizen, um Kosten zu sparen, sagt Otter.

Und es gibt noch eine interessante Sonderregel, berichtet der Obermeister: Wenn sich ein Hausbesitzer schriftlich verpflichte, dass er den Ofen nur in Notfällen benutze, müsse das alte Teil nicht verschrottet werden und dürfe in der Wohnung stehen bleiben. „Dabei darf aber nicht getrickst werden“, warnt Otter. Viel gespart wird damit ohnehin nicht. Auch wenn der Ofen nicht in Betrieb ist, wird nämlich einmal im Jahr der Schornstein gefegt. So lautet die Vorschrift.

Ein Blick aufs Typenschild

informiert darüber, ob Ihr Ofen noch den Bestimmungen entspricht. Nachschauen können sie dann unter http://cert.hki-online.de. Das ausgedruckte Datenblatt reicht dem Kaminkehrer in der Regel als Nachweis aus.

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