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„Ich bin in fünf Jobs gescheitert, bis ich zu meinem Seelenweg, der Musik gekommen bin“: Marcus Lipp, Glonn.

Sitzenbleiber aus dem Landkreis Ebersberg berichten

Scheitern lohnt sich manchmal doch

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Am Freitag gibt’s Zeugnisse.  So mancher Schüler ist durchgefallen. Das ist nicht schön, aber auch kein Grund, den Mut zu verlieren. Schulischer Erfolg ist nämlich nicht gleichzusetzen mit Erfolg im Leben. Und dafür gibt es gute Beispiele – mitten unter uns.

Mich hat’s in der vierten Klasse durchgehauen. Ich hab’ die Volksschule ohne Abschluss verlassen“: Manfred Bartl, Grafing, der heute 46 Mitarbeiter beschäftigt.

Landkreis – Ein Schulabbruch kann auch eine Chance sein. Diese Erfahrung machte Alina Poiger aus Grafing, die im zweiten Anlauf die 12. Klasse des Gymnasiums schaffen wollte und ihre schulische Laufbahn „aus heiterem Himmel abgebrochen“ hat. Das war im Jahr 2009. „Nach kurzer Ungewissheit war ich mir sicher, ich möchte eine Ausbildung zur tiermedizinischen Fachangestellten machen.“ Es kam ganz anders. Nach vielen Bewerbungsgesprächen sei ihr klar geworden, „dass ich für das Jahr 2010 keinen Ausbildungsplatz bekomme.“ Also habe sie sich sehr kurzfristig für ein Freiwilliges Soziales Jahr entschieden. Das absolvierte sie in einem Münchener Sportverein. Während dieser Zeit sei ihr bewusst geworden, dass sie im Sportbereich tätig sein möchte. „Ich wurde auf eine Multifunktionsanlage aufmerksam und habe sofort eine Bewerbung abgegeben. „Inzwischen habe ich bereits sechsjähriges Jubiläum, arbeite dort mittlerweile als stellvertretende Leitung.“

Als Mutmacher kann auch Gilbert Stefan (28) aus Forstinning gelten. „Ich war sicherlich kein Musterschüler. Erst im Gymnasium eine Runde in der 6. Klasse gedreht und dann auf der Realschule meinen Abschluss gemacht“ erinnert er sich und räumt ein, dass das „eine negativen Erfahrung“ gewesen sei. „Dann hat es bei mir „Klick“ gemacht und habe mich als einer der jüngsten Unternehmer des Landkreises selbstständig gemacht. Heute bin ich erfolgreicher Prokurist zweier großen Unternehmen in Neutraubling bei Regensburg und Ismaning bei München.“ Auch sein selbständiges Gewerbe „Sahne Events“ gibt es noch, „das große Theaterveranstaltungen bei Markus Wasmeier in Schliersee und in Grafing technisch betreut“, wie Stefan berichtet.

„Ich bin als mathematischer Volldepp in der 11. in Mathematik und Physik durchgerauscht“: Egbert Urbach, Frauenneuharting.

Manchmal decken sich die Pläne, die die Eltern mit ihrem Nachwuchs haben so gar nicht mit den Wünschen des Filius. Dass das kein Schaden sein muss, beweist Egbert Urbach aus Frauenneuharting so. „Ich musste gegen meinen Willen nach der 10. Klasse weitermachen. Ich war im mathematisch naturwissenschaftlichen Zweig, obwohl ich in den neusprachlichen wollte und bin dann als mathematischer Volldepp in der 11. in Mathematik und Physik durchgerauscht“, erinnert er sich. Nach der 12. Klasse verließ er das Gymnasium ohne Abitur. Die nächsten Stationen waren Polizeidienst, dann zu MBB als Abteilungsleiter und schließlich wechselte Urbach als Leiter zu den Bayerischen Landesjagdschulen, um im Bereich Jagd und Hunde tätig zu werden, „was ich schon immer machen wollte“.

Beruflichen Erfolg kann man auch ganz ohne Schulabschluss haben. „Mich hat’s in der vierten Klasse durchgehauen. Ich hab’ die Volksschule ohne Abschluss verlassen“, berichtet Manfred Bartl (56) aus Grafing. Er beschäftigt in seinem Hausmeisterbetrieb 48 Arbeitskräfte. „Ich bin in ärmsten Verhältnissen aufgewachsen“, berichtet er von einem schwierigen Start ins Leben. In seiner Lehre als Installateur hat er viel gelernt, was er jetzt in der Selbständigkeit gebrauchen kann. „Meine Firma existiert es seit 1985“, sagt Bartl.

Nach der Schule gibt es auch im Berufsleben „Spätzünder“. Als der darf Marcus Lipp aus Glonn gelten. „Das zieht sich durch mein ganzes Leben“, berichtet der 47-Jährige. „Ich bin in fünf Jobs gescheitert (oder eben nicht), bis ich zu meinem Seelenweg, der Musik gekommen bin. Entweder bin ich in meinen Anstellungen immer krank geworden oder ich habe die Anforderungen nicht erfüllen können. Heute bin ich freischaffender Musiker und Gitarrenlehrer mit einer sehr erfolgreichen eigener Gitarrenschule.“ Seine durchwachsenen Schulnoten in seiner Jugend hätten ihn für seinen Beruf aber nie negativ beeinflusst. „Das berufliche Scheitern hat sich also wirklich gelohnt in meinem Leben.“

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