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Andreas Schmidt von der Stadt Ebersberg steht im Trinkwasserspeicher auf der Ludwigshöhe am Rande des Ebersberger Forstes. Die Kommune liefert das kostbare Nass auch an die Gemeinde Steinhöring und strebt einen Notverbund mit der Nachbarstadt Grafing an. Foto: Stefan Rossmann

Trinkwasserversorgung: Was passiert im Notfall 

Immer schön flüssig bleiben

Was tun, wenn die Ebersberger Gesundheitsbehörde die Wasserleitungen einer Kommune sperren müsste, weil plötzlich das komplette Trinkwasser durch einen Ölunfall oder Chemikalien ungenießbar oder gar giftig geworden ist?

Landkreis Was tun, wenn die Ebersberger Gesundheitsbehörde die Wasserleitungen einer Kommune sperren müsste, weil plötzlich das komplette Trinkwasser durch einen Ölunfall oder Chemikalien ungenießbar oder gar giftig geworden ist? Woher käme dann trinkbares Wasser für die Bevölkerung? Ein Rundumblick.

„Eine Möglichkeit zur Notversorgung der Bürger in so einem Extremfall ist, dicke Feuerwehrwehrschläuche kilometerlang über Wiesen und Felder oder den Straßen entlang zu legen, um von einer anderen Gemeinde aus die wasserlose Kommune zu versorgen“, schlägt Bürgermeister Andreas Lutz für seine Gemeinde Oberpframmern derzeit vor. Schlauer jedoch ist es, sich rechtzeitig mit dem Thema eines „Wasserleitungsnotverbunds“ zu beschäftigen, wie es Paul Geisenhofer, Baudirektor am Wasserwirtschaftsamt (WWA) Rosenheim, empfiehlt.

Die meisten Kommunen im Landkreis sind gerüstet, 18 durch einen Notverbund oder ein zweites Standbein auf so einen Notfall vorbereitet, sagt Evelyn Schwaiger, Sprecherin des Landratsamts. Oberpframmern müsste im Notfall, genau wie Egmating auch, derzeit die Bevölkerung überSchläuche versorgen, weil es nur einen Brunnen – und keine Notlösung gibt.

Die Stadt Ebersberg besitzt verschiedene Brunnen im Forst, von dort werden die Einwohner der Kreisstadt mit Trinkwasser versorgt. Ebersberg versorgt auch Steinhöring, das wiederum mit anderen Gemeinden bis nach Pfaffing wassertechnisch verbunden ist. Bei einer Katastrophe mit Sperrung von Trinkwasserleitungen müsste die Kreisstadt sich über die reguläre Leitung – Fließrichtung nun von Steinhöring nach Ebersberg – so viel Wasser wie möglich beschaffen. „Das würde möglicherweise aber nicht ausreichen“, sagt Bürgermeister Walter Brilmayer. Alternativ nennt er die Möglichkeit, den Ebersberger Hochbehälter mittels Tanklastwagen mit Wasser zu befüllen.

„Grafing hat zwei Brunnen, einer deckt 25, einer 75 Prozent unseres Wasserbedarf ab“, sagt Bürgermeisterin Angelika Obermayr. Dazu kommt noch ein zusätzlicher kleinerer Brunnen. „Da unsere zwei Hauptversorgungsbrunnen relativ weit voneinander entfernt liegen, ist die Wahrscheinlichkeit des Komplettausfalls unserer Wasserversorgung gering. Ein Notverbund besteht zu Aßling. Für einen Notverbund mit Ebersberg ist ein Teil der notwendigen Leitungsbaumaßnahmen bereits verwirklicht; der eigentliche „Verbund“ ist für die nächsten Jahre geplant“, so Obermayr weiter.

„Wir brauchen keinen Notverbund“, heißt es aus Moosach.

Aßling ist längst aktiv, versichert Bürgermeister Hans Fent und bestätigt den Notverbund (auf 30 Jahre ausgelegt) mit der Stadt Grafing, Aßling selbst sei gut abgesichert, hat zwei eigene Quellen und zwei Brunnen, der Aßlinger Ortsteil Loiterdorf versorgt sich seit 100 Jahren selbst.

Moosach ist gar nicht betroffen, die Gemeinde ist – was die Wasserversorgung betrifft – völlig autark und durch keine Leitung mit andern Kommunen verbunden. „Moosach besitzt zwei eigene, weit voneinander entfernte Brunnen, wir haben unser eigenes Wasser und brauchen keinen Notverbund“, informiert Bürgermeister Eugen Gillhuber.

„Egmating und Oberpframmern besitzen zusammen einen Brunnen, der liegt knapp an Egmating auf Prammerer Gebiet, er versorgt beide Kommunen mit Trinkwasser,“ so Ernst Eberherr, Bürgermeister der Gemeinde Egmating. Andreas Holderer, stellvertretender Leiter des Wasserwirtschaftsamts, kennt zwei Brunnen auf Pframmerer Boden. „Die liegen aber nur 40 bis 50 Meter auseinander und stehen im gleichen Trinkwassereinzugsgebiet.“ Müssten die Brunnen wegen eines Notfalles gesperrt werden, wären die Bürger beider Gemeinden ohne Wasser. „Bei Ausfall oder Unterbrechung der Wasserversorgung aus den bestehenden Pframmerer Brunnen wäre im ungünstigsten Fall zu befürchten, dass die Versorgung im Gebiet (Oberpframmern/Egmating) gefährdet sein kann“, sagt Geisenhofer dazu. Die Notwenigkeit eines weiteren Brunnens oder eines Wassernotverbundes mit einer dritten Gemeinde ist Egmating und Oberpframmern bekannt, eine Lösung gibt es bis heute noch nicht. „Zur Zeit werden vom Planungsbüro der beiden Gemeinden aktuelle Antragsunterlagen erstellt, die in Kürze beim Landratsamt eingereicht werden sollen“, weiß Geisenhofer vom Wasserwirtschaftsamt. Gemeindechef Lutz aus Oberpframmern ist sich der Verantwortung bewusst und wünscht sich eine Lösung in zwei bis drei Jahren. Dazu gibt es verschiedene Varianten: ein Notverbund zwischen Oberpframmern und Grasbrunn, ein Anschluss an die Zornedinger Gruppe über Wolfersberg, ein Notverbund mit Hohenbrunn – oder ein neuer eigener Brunnen. „Wir werden nach den bereits geprüften Möglichkeiten Grasbrunn und VEMO (Zornedinger Gruppe) nun demnächst auch noch eine Verbindung zum Nachbarn aus Hohenbrunn überprüfen“, versichert Lutz. Sein Egmatinger Amtskollege Eberherr favorisiert einen neuen Brunnen und meint: „Eigenes Wasser ist Gold wert. Doch so richtig eilig scheint die Sache für ihn nicht zu sein. Wie er sagte, läuft die Genehmigung zur Wasserentnahme noch bis 2020.

Beispiele aus Glonn und Bruck beweisen Dringlichkeit einer Zusammenarbeit.

Dass es nicht erst eines schweren Trinkwasserunfalles bedarf, um sich im Notfall auf kommunaler Ebene untereinander zu helfen, zeigen Beispiele aus Glonn und Bruck: Als Bruck die gemeindliche Wasserversorgung sanierte, wurden die Brucker über ein halbes Jahr von Glonn über die bestehende Notleitung mit Trinkwasser versorgt. Als wiederum Glonn eine Tiefbrunnenpumpe erneuerte, floss aus den Glonner Wasserleitungen zwei Tage lang Trinkwasser aus Bruck. Das Zusammenwirken funktionierte, weil Glonn, Bruck und Baiern ihre Hausaufgaben erledigt hatten. „Den Wasserleitungsnotverbund gibt es seit mindestens zehn Jahren, die Kosten dafür wurden gedrittelt“, informiert Alois Huber, Geschäftsleiter der Marktgemeinde.

Von Susann Niedermaier

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