Bei der Höhe gibt es große Unterschiede

Weihnachtsgeld: Süßer die Kasse nie klingelt

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Landkreis Ebersberg - Die erste Weihnachtsbescherung hat es für viele Berufstätige im Landkreis Ebersberg bereits zwischen Mitte und Ende November gegeben. In diesem Zeitraum überweisen die meisten Arbeitgeber das Weihnachtsgeld. Sofern es überhaupt welches gibt, fällt der Geldsegen aber je nach Branche und Unternehmen unterschiedlich hoch aus.

Im Schnitt bekommt etwas mehr als die Hälfte der Beschäftigten Weihnachtsgeld. Einen gesetzlichen Anspruch auf die Sonderzahlung gibt es nicht, wie die IHK München erklärt. Es kommt auf den jeweiligen Arbeitsvertrag an. Dabei stehen jene gut da, die nach einem Tarifvertrag bezahlt werden: Sie bekommen zu 71 Prozent Weihnachtsgeld, während sich nur 44 Prozent der außertariflich Beschäftigten über die Sonderzahlung freuen dürfen. Das ergab eine Umfrage der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung.

Tarifverträge machen einen großen Unterschied

Ein im Vergleich hohes Weihnachtsgeld, nahe an einem vollen Monatsgehalt, erhalten demnach beispielsweise Mitarbeiter im Bankgewerbe, der Druck- oder Textilindustrie. Bei der Kreissparkasse, einem der größten Arbeitgeber im Landkreis Ebersberg, heißt das Weihnachtsgeld „Sparkassen-Sonderzahlung“ und umfasst gemäß Tarifvertrag sogar rund zwei ganze Monatsgehälter. Dafür gibt es kein extra Urlaubsgeld.

Das wiederum bezahlt die Poinger Océ bereits im Juni in Höhe von 70 Prozent eines Monatsgehalts. Das Weihnachtsgeld des Druckerherstellers und größten Arbeitgebers im Landkreis fällt dafür mit 55 Prozent etwas niedriger aus, sei aber tarifgemäß, wie ein Firmensprecher betont. Kein eigenes Weihnachtsgeld gibt es beim Halbleiter-Riesen Avnet, ebenfalls aus Poing. Man vereinbare „mit unseren Mitarbeitern ein Jahreszieleinkommen, darin sind alle Gratifikationen enthalten“, teilt das Unternehmen mit.

Einige Firmen reagieren zugeknöpft

Mehrere Firmen gaben sich auf Anfrage der Ebersberger Zeitung äußerst zugeknöpft, was das Ob und Wieviel des Weihnachtsgeldes führ ihre Mitarbeiter angeht. Als Grund für ihre Schweigsamkeit führten manche an, sie wollten keinen Neid zwischen den Beschäftigten schüren, andere ließen die Anfrage gänzlich unbeantwortet.

Auskunftsfreudiger gab sich das Ebersberger Landratsamt. Dort erhalten die Angestellten nach dem Tarifvertrag Öffentlicher Dienst, der auch für die Gemeinden gilt, je nach Besoldungsstufe zwischen 59 und 88 Prozent ihres Monatsgehalt als kombiniertes Urlaubs- und Weihnachtsgeld. Dabei gilt: Je höher der Verdienst, desto niedriger fällt anteilig die Sonderzahlung aus. Für Beamte gelte etwa die gleiche Regelung, teilte das Landratsamt mit.

Eine Aussage über das durchschnittlich im Landkreis bezahlte Weihnachtsgeld zu treffen, ist kaum möglich. Tariflich bewegt es sich in den meisten Branchen zwischen 50 und 90 Prozent eines Monatsgehaltes, ohne Tarifvertrag regeln Unternehmen und Arbeitnehmer die Zahlung individuell im Arbeitsvertrag.

Beim Weihnachtsgeld gilt: Gleiches Recht für alle

Dabei gilt aber laut IHK: „Wenn der Arbeitgeber eine freiwillige Leistung nach einem erkennbar generalisierenden Prinzip gewährt, dann dürfen einzelne Arbeitnehmer nicht ohne sachlichen Grund ausgenommen werden.“ Das heißt verkürzt: Bezahlt ein Unternehmen Weihnachtsgeld, gilt gleiches Recht für alle. Übrigens auch für Minijobber, wie die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) betont: „Auch geringfügig Beschäftigte bekommen eine Lohntüte mit Weihnachtsgeld – abhängig von der Arbeitszeit“.

Den Minijobbern gibt die NGG einen Rat an die Hand, der sicherlich keinem Arbeitnehmer schadet: Das Anrecht auf Weihnachtsgeld zu prüfen, bevor die Ansprüche verfallen. „Es gibt immer wieder Chefs, die die Überweisung zum Jahresende gern mal vergessen“, so die NGG. Auch Auszubildende gingen besonders häufig leer aus – gerade dort, wo es keinen Betriebsrat gebe. Im Zweifelsfall lohne ein Anruf bei der zuständigen Gewerkschaft.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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