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Gute Zusammenarebit: Sarah Winkler von der Energieagentur Ebersberg und Anton Wetterstetter, Leiter der Beriebsinstandhaltung bei der Firma Hofmann und Vratny in Aßling, die sich für die Energiewende stark macht. 

Ebersberger Klimaschutzmanager Hans Gröbmayr bedauert

Weil die Region boomt: Firmen haben keine Zeit für die Energiewende

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Selbst Amortisationszeiten von nur einem halben Jahr sind manchmal kein ausreichender Grund für Firmeninhaber, in energiesparende Maßnahmen zu investieren. Das berichtet der Ebersberger Klimaschutzmanager Hans Gröbmayr.

Ebersberg – Für die Zurückhaltung der Unternehmen gibt es laut Gröbmayr drei Gründe: Öl und Gas sind zu billig, die Konjunktur im gesamten Münchner Osten läuft vollgas, und in den Betrieben hat niemand Zeit und freie Kapazitäten für die Energiewende. Leuchtende Beispiele gibt es aber trotzdem. Zum Beispiel in Oberpframmern, wo die Tankstelle Behnke von energiefressenden Halogenstrahlern auf LED-Lampen umgestellt wurde. Damit ist eine Strom- und Kostenersparnis von über 70 Prozent verbunden. Die Maßnahme ist zum „Projekt des Monats“ erklärt worden. Negativbeispiele gibt es auch. Ohne einen Namen zu nennen berichtet Gröbmayr von einem Unternehmen, das mit einem Investitionsaufwand von 300 000 Euro in zehn Jahren drei Millionen Euro einsparen könnte, sich bislang aber nicht dazu durchringen wollte.

Die Energieagentur Ebersberg hat erfolgreich expandiert. Sie hat zwei Gesellschafter, den Landkreis Ebersberg und den Landkreis München. Am Donnerstag findet im Landratsamt Ebersberg die erste gemeinsame Aufsichtsratssitzung statt. Dazu wurde von Hans Gröbmayr und seinen Mitarbeitern ein Leistungskatalog erstellt an Angeboten, die eins zu eins auf den Nachbarlandkreis übertragen werden könnten. Entscheiden müssen das die Aufsichtsratsmitglieder. Zum Paket gehört ganz konkret ein Solarkataster, wie es das für die Ebersberger Region bereits gibt.

Unternehmer, die erfolgreich in Energiesparmaßnahmen investiert haben, könnten künftig als Multiplikatoren dienen. Dazu soll ein eigenes Netzwerk gegründet werden. Noch stottert dabei der Motor. „Sechs bis sieben Betriebe machen bisher mit“, berichtet Sarah Winkler, die in der Agentur für den Aufbau dieses Netzwerks zuständig ist. Mindestens doppelt so viele sollen es aber werden, um den angepeilten Wirkungsgrad zu erzielen. „Wir haben mindestens 300 Betriebe telefonisch Kontaktiert“, berichtet Gröbmayr von den Anstrengungen, die bereits unternommen wurden. Der Erfolg ist noch überschaubar. „Ohne die Betriebe kann die Energiewende nicht gelingen“, weiß der Klimaschutzmanager. Das Umweltbundesamt gibt ihm Recht. „Der Stromverbrauch in Deutschland ist seit Beginn der 1990er Jahre im Trend gestiegen. Den meisten Strom verbraucht die Industrie, gefolgt vom Gewerbe-, Handels-, und Dienstleistungssektor, den privaten Haushalten und dem Verkehrssektor.“ Einsparpotenzial hätten auch Handwerksbetriebe wie Bäckereien oder Metzgereien in der Region.

Wer Unternehmen als Multiplikatoren ins Boot holen will, muss unternehmerisch denken und darf dabei den Faktor Zeit und die Kosten dabei nicht aus den Augen verlieren.

Winkler erklärt das Konzept: Hat ein Betrieb zur eigenen Energieversorgung zum Beispiel ein neues und effizientes Blockheizkraftwerk errichtet, und ein anderes will es ihm gleichtun, könnte der „Vorreiter“ entscheidende Tipps geben. Unter Umständen könnten so „Kinderkrankheiten“ bei der Inbetriebnahme überwunden werden. Das spart Kosten. Austauschen würden sich die Unternehmer, die am Netzwerk teilnehmen, bei drei regelmäßigen Treffen pro Jahr. Das spart Zeit.

Es gibt bereits einige Betriebe im Landkreis Ebersberg, die sich für das Netzwerk begeistern. Einer davon ist die Hofmann und Vratny OHG, ein führender Hersteller von Vollhartmetallfräsern mit Hauptsitz in Aßling. Dort wurde der Betrieb auf LED-Beleuchtung umgestellt und die Heizungsanlage erneuert. Die damit gemachten Erfahrungen wurden bereits auf einer Infoveranstaltung in Forsting kommuniziert. Ein erster Schritt.

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