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Wildromantisch: Ein Toteisloch im Südosten des Forstes von oben gesehen.

Neues Angebot

Wie wär‘s mal mit Waldbaden im Ebersberger Forst?

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Gerade Schotterstraßen, Kreuzungen im rechten Winkel, große Maschinen, massenhaft Fichten, alles flach. Den Einruck macht der Ebersberger Forst als Nutzwald. Aber es gibt ganz andere Stellen. Wir stellen einige Beispiele vor. Ganz neu ein besonderes Angebot: „Waldbaden“.

Landkreis – Wasserflächen sind im Forst Mangelware. Das soll auch der Grund gewesen sein, warum hier nicht gesiedelt wurde. Also nichts mit Eintauchen in das kühle Nass. Aber Eintauchen in die grüne Kühle ist möglich – mit gesundheitlich positiven Folgen. Dass ein Waldspaziergang gut für den Körper ist, ist landläufig bekannt. Aber das reine Dahinschlendern zwischen den Bäumen klingt jetzt nicht besonders aufregend. Waldbaden hingegen ist ein Empfinden mit allen Sinnen. Der Trend kommt aus Japan und heißt „Shinrin Yoku“. Die positive Wirkung ist inzwischen wissenschaftlich bewiesen. Bäume senden Botenstoffe aus, mit denen sie untereinander kommunizieren, so genannte Terpene, berichtet Heinz Utschig, Leiter der Forstbetriebe Wasserburg, die auch für den Ebersberger Forst zuständig sind. Beim Menschen führten die Terpene zu einer Stärkung des Immunsystems, so die Studien. Waldbaden verringere zudem das Risiko, an typischen Zivilisationskrankheiten wie Herz-Kreislauferkrankungen, Diabetes und Bluthochdruck zu leiden. Im Ebersberger Forst gibt es nun einen speziellen Weg für das Waldbaden, der verschlungen durch den Wald führt. Nur wenige Meter entfernt vom Forsthaus Hubertus ist der Eingang. Vor einigen Jahren gab es hier einen künstlerischen Skulpturenpfad. Die Kunstwerke sind inzwischen größtenteils abgebaut. Einige Exponate stehen aber noch, teilweise versteckt im Wald. Der teilweise schmale Pfad führt vorbei an moosüberwucherten Baumstümpfen, umgefallenen Stämmen, durch dichten Bewuchs, der einem grünen, dämmrigen Tunnel gleicht, um danach wieder lichter und sonnendurchflutet zu werden. Alter Bestand wechselt mit jungen Bäumen ab. Der Wald ist erfüllt von einem würzigen Duft. Einige wenige Schilder geben Tipps. Warum also nicht einen Baum umarmen?

„Bewusstes Wahrnehmen ist wichtig“, so Utschig. Entschleunigen, wie es neudeutsch heißt. „Man muss es nicht verstehen, nur empfinden.“ Utschig rät dazu, langsam zu gehen, tief einzuatmen, zu riechen und hinzuschauen. Dann entdeckt man vielleicht kleine Steinpyramiden, winzige Frösche oder die Spuren der Wildschweine, die den Boden aufgerissen haben. Zu sehen sind aber auch Rückegassen, Arbeitsspuren, die daran erinnern, dass der Forst trotz aller Romantik ein Wirtschaftsbetrieb ist. „Der Forst ist kein Museumswald.“

Zwei Kilometer lang ist der Weg und kommt am Rande des Gewerbegebietes im Norden von Ebersberg an einem Parkplatz wieder auf die Straße, nicht weit entfernt von der Skipiste. „Der Weg hat etwas zu jeder Jahreszeit“, betont Utschig. Und er zeige sich immer wieder neu und anders, etwa bei Nebel oder in der Dämmerung.

„Menschen sollen im Forst Plätze haben, an denen sie Ruhe finden“, sagt Utschig. „Wir wollen die Ruhe erhalten und keinen Rummelplatz.“ Es gebe durchaus Orte, an denen mehr los ist, räumt er ein. Wie etwa am Forsthaus Hubertus oder an der Hohenlindener Sauschütt mit dem Walderlebnispfad. Aber es gebe auch viel Interessantes, teilweise nur ein paar Meter von großen Wegen entfernt, wie eine mächtige, rund 120 Jahre alte Buche, der ein Sturm schon schwer zugesetzt hat, die aber immer noch knorrig steht und Raum für viele Lebewesen bietet. Zu finden ist die Buche direkt an der Straßenabzweigung zu Hubertus. Inzwischen nisten sich Pilze im Holz ein, Spechte kommen und Fledermäuse. Für diese Segler der Nacht hat übrigens der Vogelschutzbund nur ein paar Meter entfernt vor 25 Jahren ein ehemaliges Trafohäuschen von den Isar-Amperwerken für den symbolischen Preis von einer Mark gekauft. Im Inneren wurden Leitern eingebaut und der Raum unter dem Dach für Fledermäuse eingerichtet. Für die unterschiedlichen Arten gibt es auch unterschiedliche Einflugmöglichkeiten, wie Vogelschützer Richard Straub bei einem Ortstermin berichtet.

Etwas Besonderes ist auch eine erfrischende Radtour durch eine der schönsten Bereiche des Ebersberger Forstes. Im Gegensatz zu weitgehend flachen Gebieten ist diese Strecke hügelig. Los geht es am Parkplatz des Kirchseeoner Friedhofs am Spannleitenberg. Die Tour verläuft auf einem gut ausgebauten, oftmals geschwungenen Weg, der so genannten Bergstraße, entlang der hügeligen Ausläufer der Jungmoräne bis zum Forsthaus Hubertus und ist ausgeschildert. Es geht durch wunderschöne alte Laubholzbestände. „Das ist die Vergangenheit und die Zukunft des Forstes“, erzählt Utschig. Denn der Forst wird umgebaut, von einem fichtendominierten Bestand zu stabilen und attraktiven Mischwäldern. Durch die Hügelsituation weitet sich der Blick vom Radweg in den Wald und gibt interessante Einblicke. Unter anderem liegt an der Trasse ein Toteisloch, ein Relikt der letzten Eiszeit, entstanden durch das Abschmelzen von Gletscherblöcken. Die Umgebung ist wildromantisch. Möglich ist auch ein Abstecher zum Antoniweiher. Gespeist wird er unter anderem durch eine nahe Quelle, die einzige im Forst.

Nur durch Regen aufgefüllt wird ein Himmelsteich, der durch einen Spaziergang von rund zwei Kilometern vom Busparkplatz des Pöringer Waldspielplatzes zu erreichen ist. Der Weg führt über das Reitöster Geräumt nach Osten, dann in das Berger Geräumt nach Norden abbiegen. Kurz nach der Kreuzung mit dem Herdgassengeräumt liegen die Weiher etwas versteckt rechts im Wald. „Wir haben kein Schild aufgestellt, wir wollen ja keinen Schilderwald“, erklärt Utschig. Derzeit ist wegen der Hitze und der fehlenden Niederschläge die Wasserfläche geschrumpft. Dennoch gibt es eine vielfältige Flora und Fauna bis hin zu Molchen und Schnecken im Wasser. Eine Bank mit einem Tisch lädt zum Verweilen ein. Aufgestellt wurde sie von der Schutzgemeinschaft Ebersberger Forst. Libellen, Bienen und Schmetterlinge sind zu entdecken. Mit dem Wechsel der Jahreszeiten ändert sich auch das Aussehen auf der Lichtung. „Solche Oasen sind wichtig“, sagt Utschig. „Und der Wald tut uns gut.“

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