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Landwirtschaftliche Idylle in Netterndorf in der Gemeinde Baiern. Wenn es nach dem Landrat geht, sollten die strengen baulichen Regelungen im Außenbereich „maßvoll gelockert“ werden.

Wirtschaft im Landkreis Ebersberg und Landrat fordern:

Neuen Wohnraum in Bauernhöfen schaffen

Wenn es nach dem Willen von Wirtschaft und Landrat Robert Niedergesäß geht, soll es bald einfacher sein, nicht mehr genutzte landwirtschaftliche Anwesen in Wohnungen umzuwandeln.

Landkreis– Der Mangel an Wohnraum ist im stark wachsenden Landkreis Ebersberg eines der zentralen Themen. Die Preise steigen. Das hat deutliche Auswirkungen auf die Wirtschaft. „Wir haben Riesenprobleme, Personal zu finden“, sagt Sonja Ziegltrum-Teubner, Vorsitzende des IHK-Regionalausschusses Ebersberg der Industrie und Handelskammer München und Oberbayern. Denn man könne die Mitarbeiter in der Region nur halten, wenn sie bezahlbaren Wohnraum finden. „Dazu ist der Markt aber leer geräumt.“

Eine Möglichkeit sieht Ziegltrum-Teubner, Geschäftsführerin der Blumenzentrale in Parsdorf (Gemeinde Vaterstetten), in einer Zusammenarbeit mit der Landwirtschaft. Es gebe inzwischen viele Betriebe, die im Nebenerwerb bewirtschaftet würden. Flächen in Nebengebäude würden nicht mehr benötigt. Diese könnte man nutzen, um Wohnungen einzubauen. Dies hätte den Vorteil, dass nicht zusätzliche Flächen versiegelt würden, da sie ja ohnehin schon bebaut sind.

Nach den Vorstellungen von Ziegltrum-Teubner sollten dabei keine „Luxusappartements“ entstehen. Die würden sowieso für den freien Markt gebaut. Es gehe um einfache, günstige Wohnungen. Es gebe genug Betriebe und Branchen, in denen Arbeiter nicht so viel verdienten. Und: „Ich habe Mitarbeiter, die wohnen hinter Haag und fahren jeden Tag nach Parsdorf, weil sie hier keine Wohnung finden“, erklärt die Geschäftsführerin. Die Folge seien lange Fahrzeiten und überfüllte Straßen.

Wichtig sei bei einer Zusammenarbeit mit den Landwirten, dass es sich für alle Seiten rechnet. Falls die Landwirte nicht selbst in den Bau von Wohnungen einsteigen wollte, könne man Investoren finden. Möglich sei auch eine Lösung auf Erbpachtbasis. Oder ein Landwirt arbeitet direkt mit einem Unternehmen zum Bau von Betriebswohnungen zusammen. Auch die neue WohnBaugesellschaft Ebersberg, ein Kommunalunternehmen des Landkreises und von Kreis-Kommunen, könnte tätig werden.

Notwendig sei bei derartigen Überlegungen, die Gemeinde mit ins Boot zu holen, wenn in den Kommunen etwas geplant werde, so Ziegl-trum-Teubner. „Und ohne die Politik kommen wir nicht weiter.“ Schließlich brauche man die entsprechenden Rahmenbedingungen. Auch steuerliche Fragen müssten geklärt werden.

Zwar könnte man mit diesem Ansatz das große Problem der fehlenden Wohnungen als Ganzes natürlich nicht lösen, räumt Ziegltrum-Teubner ein. Aber viele kleinere Bausteine brächten auch eine Verbesserung. „Man sollte es einmal mit einem Pilotprojekt versuchen.“

„Darüber könne man sicher reden“, sagt Franz Lenz, Kreisobmann des Bauernverbands im Landkreis Ebersberg. „Was ich nicht haben möchte, ist eine zunehmende Zersiedelung im Außenbereich“, warnt er. „Es sollte nicht mehr sein, als wir sowieso schon haben.“ Grundsätzlich sei es aber eine gute Idee, das Bauen von Wohnungen im Außenbereich zu erleichtern. „Wenn es dazu eine gemeinsame Initiative des Bauernverbandes und der IHK geben sollte, dann hätte das natürlich mehr Gewicht. Man sollte sich mal zusammensetzen.“

Laut Landratsamt gibt es für die Umwidmung von landwirtschaftlichen Gebäude in Wohnraum auf den Dörfern klare Regeln. Falls vorhanden, ist ein gültiger Bebauungsplan ausschlaggebend. Wenn nicht, gelten als Maßstab für das Bauvorhaben Art und Maß der Umgebungsbebauung. Im Außenbereich sind auch Bedingungen für eine Umnutzung festgelegt. Dazu zählt beispielsweise, dass das Gebäude mehr als sieben Jahre alt sein muss, dass nicht mehr als drei Wohnungen neben den landwirtschaftlichen Wohnbereichen gebaut werden dürfen oder dass die äußere Gestalt im Wesentlichen erhalten werden soll.

Landrat Robert Niedergesäß (CSU) hat bereits im vergangenen Jahr im Rahmen der Novellierung des Baugesetzbuches eine sehr ausführlich begründete Initiative zur Erleichterung des Wohnungsbaus im Außenbereich gestartet. Damals ging es konkret um die Umnutzung von nicht landwirtschaftlichen Betriebsgebäuden. Die Initiative wurde damals vom Bayerischen Innenminister und dem Bayerischen Landkreistag sehr unterstützt, scheiterte aber in Berlin im Vermittlungsausschuss zwischen Bundestag und Bundesrat.

Niedergesäß hat nun im Kreise der oberbayrischen Landratskollegen einen neuen Vorstoß unternommen, um die aus seiner Sicht „leider gesetzlich viel zu strenge Regelung des Außenbereichs maßvoll zu lockern“. Anfang des kommenden Jahres leitet er dazu eine Arbeitsgruppe des oberbayerischen Landkreistages, die konkrete Vorschläge erarbeiten soll. Bei allen Überlegungen soll aber auch die Zustimmung der Gemeinden als Voraussetzung gegeben sein.

„Gerade im Umland von München müssen wir bestehende Wohnraumreserven generieren“, gibt der Landrat vor. „Es geht hier nicht um einen Wildwuchs im Außenbereich, sondern um eine liberale Umnutzung bestehender Gebäude. Und warum soll zum Beispiel dort, wo jetzt schon fünf Häuser stehen, nicht auch noch ein sechstes oder siebtes Haus stehen dürfen.“

Robert Langer

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