Zahlreiche Notverbünde im Landkreis Ebersberg

Wasser wird ein teures Gut

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Landkreis - Gehen die Gemeinden im Landkreis Ebersberg bei der Wasserversorgung noch den richtigen Weg? Die Versorgung mit dem kühlen Nass aus dem Wasserhahn bereitet zunehmend Schwierigkeiten. In Grafing kam es jetzt zu einer drastischen Preiserhöhung.

Den Anlass zu dieser Entwicklung schilderte Bürgermeisterin Angelika Obermayr (Grüne) so: „Wir haben vier Jahre zu wenig eingenommen.“ Diese Tatsache hat zu einem erheblichen Defizit der Stadtwerke beigetragen, das sich derzeit auf sieben Millionen Euro beläuft. Die Zeche bezahlen jetzt die Bürger. Der Wasserpreis wurde von 1,10 Euro Pro Kubikmeter auf 1,38 Euro angehoben, was einer Preissteigerung von 25 Prozent entspricht.

„Natürlich ist das ein ziemlicher Schritt“, räumte Kämmerer Christian Bauer in seinem Sachvortrag ein und gab zu, dass das „für manche sehr hoch“ sei. In diese Richtung zielte auch die Wortmeldung eines Landwirts in der Bürgerfragestunde, in der er darauf hinwies, dass die Bauern in der Gemarkung Grafing viel Wasser für ihre Betriebe brauchen würden. Er plädierte sinngemäß für einen niedrigeren Wasserpreis, dafür aber für eine höheren Grundgebühr.

„Wir haben die Möglichkeit überprüft, Mengenrabatt zu geben. das ist aber leider nicht möglich“, informierte Bauer. Zu dem Vorschlag des Landwirts meinte er, dass die Entlastung von vier Bauern gleichzeitig 4000 Abnehmer belasten würde.

In den vergangenen Jahrzehnten gab es bei der Wasserversorgung in den Kommunen immer wieder Schwierigkeiten. Mal fand sich kein neuer Brunnen, wie in Aßling, mal entging man einer Sperrung eines Brunnens nur um Haaresbreite wie in Grafing, wo farblich markiertes Oberflächenwasser auf den Tag genau innerhalb der gesetzlichen Verbleibefrist im Boden in der Wasserversorgung auftauchte. Ein Tag weniger, und der Brunnen hätte gesperrt werden müssen.

Viele Kommunen suchen sich inzwischen Partner für einen Notverbund. Das hätte in Oberpframmern eigentlich die Gemeinde Grasbrunn sein sollen, berichtet Bürgermeister Andreas Lutz. Daraus sei aber nichts geworden, weil Gasleitungen und eine Datenleitung von M-Net diesen Plan vereitelt hätten. „Jetzt sind wir mit Hohenbrunn im Gespräch.“

Nachbarschaftshilfe in Notfällen wird jetzt bereits geleistet und hat schon zu einem verzweigten Verbundnetz geführt, das ständig erweitert werden soll. Eine Tendenz zur größeren Einheit ist damit faktisch schon gegeben. Zum Beispiel plant die Stadt Ebersberg einen Notverbund mit Grafing. Die dazu notwendige Leitung „ist in der Rosenheimer Straße schon verlegt“, berichtet der Ebersberger Kämmerer Wolfgang Napieralla. „Technisch ausgeführt ist das aber noch nicht“. Die Ebersberger Verwaltung verlangt für einen Kubikmeter Wasser übrigens 1,58 Euro incl. Steuer.

Auch im Süden des Landkreises gibt es ein Notverbundnetz. Zum Beispiel beliefern die Aßlinger die Bürger der Gemeinde Emmering mit Wasser, für die Zeit in der im dortigen Schutzgebiet Pegelbohrungen durchgeführt werden müssen, damit die Wasserentnahme der Emmeringer behördlich neu genehmigt werden kann.

Nicht immer ist freilich eine großere Versorgungseinheit die Lösung für die auftretenden Probleme. Das bayerische Wassergesetz schreibt eine verbrauchernahe und dezentrale Förderung des Trinkwassers vor. Aus diesem Grund kann zum Beispiel von den Kommunen im Landkreis Ebersberg keine Zusammenarbeit mit den Stadtwerken München angestrebt werden, obwohl die zum Beispiel schon Hohenbrunn mitbedienen – aber nicht mehr lang. Denn die Kommune an der Landkreisgrenze wurde von den Genehmigungsbehörden aufgefordert, eine eigene Wasserförderung aufzubauen und zwar spätenstens bis zum Jahr 2026. Eine Ausnahme gibt es nur, wenn die Hohenbrunner glaubhaft nachweisen, dass das nicht möglich ist.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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