Zulauf zum Brennerbasis-Tunnel

400 Züge am Tag: Das geht nicht!

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Landkreis - Bahnexperten warnen vor zu optimistischen Annahmen beim Zulauf zum Brennerbasis-Tunnel. Der Ebersberger SPD-Bundestagsabgeordnete Ewald Schurer gibt ihnen Recht. 

Bis zu 400 Züge sollen am Tag quer durch den Landkreis Ebersberg rauschen – von Aßling bis Baldham – wenn der Brennerbasis-Tunnel fertig ist. Das wäre alle dreieinhalb Minuten einer. Eine Horrorvorstellung für die Anlieger. Aber eine, die sich technisch vielleicht überhaupt nicht realisieren lässt. Das behauptet zumindest der Ebersberger SPD-Bundestagsabgeordnete Ewald Schurer.

Er stützt sich dabei auf einen intensiven Dialog mit der Bahn. „Verkehrsminister Alexander Dobrindt ist zu optimistisch“, sagt Schurer über die Ausbaufähigkeit der Trasse. Bedeutet das eine Entwarnung für die Bahn-Anlieger im Landkreis? Wohl kaum. Sie werden jetzt zu Tausenden bereits über die Grenze der Erträglichen mit Bahnkrach belastet. Das brachte der Lärmaktionsplan ans Licht. Konsequenzen daraus haben sich bisher keine ergeben. Denn anders als der Wortbestandteil „Aktionsplan“ vermuten ließe, ist das eine reine Bestandsaufnahme – in den Augen der Behörden ohne konkrete Handlungsnotwendigkeit.

Jetzt fand in Rosenheim ein Gespräch statt mit Bayerns oberstem Bahnchef Klaus-Dieter Josel, Bundesverkehrsministerium und Vertretern des regionalen Planungsbeirates, sowie einer Reihe von Abgeordneten. Das Ergebnis soll in ein paar Wochen von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) kommuniziert werden. Auf diese Sprachregelung haben sich die am Verfahren Beteiligten verständigt. Dem Vernehmen nach wurde dabei deutlich, dass es eine erhebliche Diskrepanz gibt zwischen dem, was Dobrindt und Josel jeweils für technisch möglich und machbar halten. „400 Zugschübe am Tag zwischen Aßling und München sind vollkommen unrealistisch“, gab Schurer vorab seine Meinung kund.

Nach Ansicht des Ebersberger Abgeordneten hat hinter den Kulissen deshalb jetzt die Suche nach Alternativen begonnen für die Zeit, in der durch den neuen Brenner-Basis-Tunnel zusätzlicher Zugverkehr auf München zurollt und damit quer durch den Landkreis Ebersberg. Der Plan ist ab sofort mehrgleisig und beinhaltet drei Optionen, die parallel verfolgt werden sollen. Hauptstoßrichtung wird dabei sein, den Güterverkehr künftig über Rosenheim, Mühldorf, Regensburg und Hof zu den großen deutschen Seehäfen in Hamburg und Bremerhaven zu führen. „Es macht überhaupt keinen Sinn, diese Züge über München zu leiten“, sagt Schurer. Dort müssten nur Züge verkehren, die die Containerbahnhöfe in München zum Ziel hätten.

Im sogenannten „erweiterten Planungsraum“ soll auch geprüft werden, ob der Personenverkehr nicht schon ab Höhe Freilassing nach München geführt werden kann. Und schließlich wird in Erwägung gezogen, die Strecke Salzburg-Wien für den Personenverkehr zu ertüchtigen. Der schnelle Railjet könnte dort dann verkehren.

Nach Informationen von Schurer macht die Einschätzung von Bahnexperten ein Umdenken notwendig. Die hätten gewarnt, dass der Bahnverkehr bei einer täglichen Zugfrequenz von 400 Schüben auf der Trasse durch den Landkreis Ebersberg „innerhalb einer Woche zusammenbricht“. Der Ebersberger Abgeordnete will jetzt die Eingabefrist bis zum 2. Mai nutzen, in der Fortschreibung des Bundesverkehrswegeplans diese Alternativen mit einzubeziehen. Einen Haken haben die neuen Pläne auf jeden Fall. Die Strecke nach Mühldorf müsse ertüchtigt und wohl auch mit zusätzlichen Gleisen ausgebaut werden. Anliegerproteste und Gerichtsverfahren sind programmiert.

Das Dialogverfahren im Inntal verläuft bislang noch relativ geräuschlos. „Das wird von allen Gemeinden gelobt“, berichtet der Ebersberger. Abgeordnete.

Viel Zeit bleibt nicht. Die Ingenieure auf österreichischer Seite kommen mit den Bauarbeiten schnell voran und haben laut Schurer den deutschen Kollegen Folgendes versprochen: „Wir helfen euch bis Rosenheim. Dann müsst ihr alleine planen."

Rubriklistenbild: © dpa

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