Die Ebersberger Südumfahrung, hier ein Bild aus der Zeit des Baus, sorgt immer noch für Unruhe. Nicht nur in der Kreisstadt, auch im benachbarten Grafing. Foto: Stefan Rossmann

Ebersberger Wasser birgt Konfliktpotential

Grafing - Die Entwässerung im Zuge der Ebersberger Südumfahrung gibt nach wie vor Anlass zur Kritik. Das wurde in der jüngsten Grafinger Bauausschusssitzung deutlich. Zahlreiche Details sind demnach unbefriedigend gelöst.

„Was geschieht mit den Verunreinigungen? Da haben wir die ganze Scheiße von Ebersberg“, schimpfte Michael Hirschläger (parteifrei) und meinte damit die hydraulische Belastung Grafinger Fluren durch den Überlauf des Roten Weihers. Dessen Ablauf wurde im Rahmen des Umfahrungsbaus unter der verlängerten Grundwasserwanne der neuen B 304 hindurchgedükert. Die Bauausschussmitglieder sind der Ansicht, dass dabei mit einem zu großzügigen Querschnitt gearbeitet wurde. Die Hochwassersituation, so die Ansicht des Gremiums, habe sich dadurch verschärft. „Wir brauchen eine Drossel“, regte Hirschläger an.

Zwischenzeitlich ist jedoch schon ein Gitter vor dem Durchlass entfernt worden: „Da kam es ständig zu Verklausungen“ bestätigte Josef Niedermaier von der stzädtischen Bauverwaltung.

Der Düker war notwendig geworden, weil sich beim Bau der S-Bahnunterführung herausgestellt hatte, dass die Grundwasserwanne viel zu niedrig bemessen war. Statt vier Metern Höhe hat sie jetzt eine von acht Metern. So wurde aus einem Bauwerk mit knapp 200 Metern Länge eines mit einer Länge von 382 Metern.

Rein rechtlich hat die Stadt Ebersberg alles getan, was sie tun musste. Das ist ihr vom Landratsamt Ebersberg auch in einem Wasserrechtsverfahren schon bestätigt worden. Das Problem dabei formulierte Niedermaier so: „Die Rechtssprechung fordert bei technischen Bauten nur HQ 5.“ Das heißt, die Bauwerke müssten so ausgelegt werden, dass sie einem Hochwasserereignis standhalten, das statistisch alle fünf Jahre auftritt. An dieser Statistik wird mit den sich häufenden Starkregenereignissen des letzten Jahrzehnts immer öfter Kritik geübt - auch im Grafinger Bauausschuss.

„Wir haben eigentlich mehr erwartet. Die Zusiedlung von Ebersberg schreitet voran, das bedeutet für uns immer mehr Wasser“, warnte Max Graf von Rechberg (CSU). Der Staat baue eine Umfahrung, die Kommunen müssten die finanziellen Folgen schultern. „Können wir den, der das verursacht hat, nicht mehr zur Kasse bitten?“, fragte er in die Runde. Niedermaier blieb skeptisch: „Ich glaube, wir haben hier das Maximum erreicht“, bestätigte er und sah rechtlich keine Möglichkeiten, noch mehr durchzusetzen. „Das Landratsamt hat einen Entscheid erlassen mit rechtlichen Auflagen, die sichergestellt haben, dass es so läuft, wie man das erwarten kann. Da sind alle Maßnahmen drin, die man fordern konnte“, erinnerte Bürgermeister Rudolf Heiler und stellte klar: „Anfänglich war alles sehr minimalistisch.“

Nachbesserungsbedarf gibt es jedoch offenkundigen. Die Entwässerung der Unterführung bei Gsprait ist immer noch nicht gelöst - ein Jahr nach Verkehrsfreigabe. „Es hat seit Tagen nicht geregnet und das Rückhaltebecken ist gestrichen voll“, hatte Olaf Rautenberg (SPD) bemerkt. Die vom Straßenbauamt gewählte Konstruktion hat einen entscheidenden Fehler: „Da versickert nichts“, bestätigte Niedermaier. „Das Rückhaltebecken soll gegen den ständigen Einstau einen geregelten Ablauf bekommen.“ So wie die Situation jetzt sei, laufe die Unterführung auf Grafinger Flur bei Starkregenereignissen einfach voll. Die geplanten Maßnahmen werden das Wasseraufkommen im Ziegelgraben und im Wieshamer Bach weiter erhöhen, was für Rechberg eine Konsequenz hatte: „Höchstwahrscheinlich wird die Stadt einen Mehraufwand leisten müssen beim Hochwasserschutz.“

Von Michael Seeholzer

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