Egal ob im Verkaufsbereich oder im Büro: Annemarie Säfke (links) steht ihrer Auszubildenden Dona mit Rat und Fachwissen zur Seite. Foto: Agentur für Arbeit

Gute Noten sind nicht alles

Wenn auch die Persönlichkeit zählt

Eglharting - Im Malerbetrieb Säfke in Eglharting entscheiden nicht allein die Schulnoten über den Ausbildungsvertrag.

Komfortabel - so könnte man die Situation für Jugendliche am Ebersberger Ausbildungsmarkt durchaus beschreiben: Im vergangenen Jahr meldeten die Betriebe der Region der Agentur für Arbeit Ebersberg 660 Ausbildungsstellen. 505 Stellen konnten besetzt werden, 155 Stellen waren auch nach dem Ausbildungsbeginn im September noch frei. Soweit der Blick auf die Zahlen, doch tatsächlich stellt die Suche nach dem passenden Ausbildungsberuf viele Jugendliche vor Herausforderungen.

„Deutschlandweit gibt es rund 350 anerkannte duale Ausbildungen. Aus diesem breiten Angebot den passenden Beruf auszuwählen, ist gar nicht so einfach. Hier ist Unterstützung gefragt - zum Beispiel durch unsere Berufsberater, aber auch durch die Schulen und die Eltern“, erläutert Karin Weber, Chefin der Agentur für Arbeit Freising/Ebersberg. Außerdem sind in vielen Ausbildungsberufen die fachlichen Anforderungen in den letzten Jahren stark gestiegen. „Jugendliche, deren Schulnoten nicht ganz so gut sind oder deren Lebenslauf schon in jungen Jahren einen kurvenreichen Weg abzeichnet, haben oftmals Schwierigkeiten, eine Ausbildungsstelle zu finden.“

Dass dies aber nicht unbedingt so sein müsste, davon ist Karin Weber überzeugt. „Es kann für die Arbeitgeber lohnend sein, nicht die Noten zum wesentlichen Auswahlkriterium zu machen, sondern auch einen genaueren Blick auf den Bewerber und seine Stärken zu werfen. Ein Praktikum oder Probearbeiten kann hier Türen öffnen.“

Türen öffnen - ein Ansatz, der im Eglhartinger Malerbetrieb von Jürgen und Annemarie Säfke gelebt wird. Dem Unternehmerehepaar ist es bei der Auswahl der künftigen Azubis wichtig, die Person hinter den Zeugnissen kennenzulernen. Hier können die Jugendlichen mit ihren Fähigkeiten und ihrer Persönlichkeit punkten. So auch Dona: Die junge Frau hat mit ihrem Engagement überzeugt und macht seit September im Malerbetrieb eine Ausbildung zur Kauffrau für Bürokommunikation.

"Genau mein Ding"

„Nach meinem qualifizierenden Hauptschulabschluss habe ich verschiedene Jobs im Verkauf angenommen. Hier konnte ich viele Erfahrungen sammeln. Ich habe aber auch schnell gemerkt, dass ich ohne eine abgeschlossene Ausbildung nicht weiter komme und wie wichtig sie für den Einstieg in einen Beruf ist. Deshalb habe ich mich entschlossen, eine passende Lehrstelle zu suchen. Durch Praktika wusste ich, dass die Ausbildung zur Bürokauffrau für mich in die engere Wahl kommt. Hier passt alles: Die Bearbeitung von Rechnungen und Lieferscheinen, die Buchhaltung, aber auch der Kundenkontakt sind genau mein Ding“, sagt Dona.

Allerdings musste die junge Frau erkennen, dass die meisten Arbeitgeber nur auf den Schulabschluss achteten. Anders war es beim Malerbetrieb Säfke. „Wahrscheinlich, weil ich selbst genauso programmiert bin“, antwortet Jürgen Säfke auf die Frage, warum er Dona eine Chance gegeben hat. „Ich habe mein Ziel auch über Umwege erreicht. So konnte ich aber letztlich herausfinden, wo meine Stär-ken liegen und diese herausbilden. Eben diese Möglichkeit will ich auch den Jugendlichen in meinem Betrieb geben. Natürlich ist es oft auch herausfordernd, gerade wenn in manchen Bereichen intensiver gefördert werden muss. Da ist auch von den Ausbildern viel Einsatz und Verständnis gefragt. Aber wir haben mit unserer Linie nur positive Erfahrungen gemacht.“

Wichtig ist die Person, nicht die Vorgeschichte

Man achte auf die Person und nicht auf die Vorgeschichte, sagt das Unternehmerehepaar. Ihm sei vor allem das Auftreten wichtig, ein ehrlicher und offener Umgang mit Kollegen und Kunden müsse von Anfang an da sein - und natürlich auch der Spaß und das Interesse am Beruf. Ob ein Bewerber in den Betrieb passt und welche Fertigkeiten er mitbringt, finde man am besten über ein Praktikum heraus. Deshalb habe der Betrieb das Angebot der Einstiegsqualifizierung der Agentur für Arbeit genutzt: Dabei handelt es sich um ein gefördertes betriebliches Praktikum mit einer Dauer zwischen sechs und zwölf Monaten. In dieser Zeit stellen die Jugendlichen ihr Können hier im Betrieb unter Beweis. „Die Schulnoten sind bei uns also nicht das Wichtigste - obwohl der Lehrling natürlich die Prüfungen schaffen muss. Aber auch hier gibt es Möglichkeiten: Zusammen mit unseren Azubis überlegen wir, welche Unterstützungen wie Nachhilfeunterricht ideal wären - zudem können finanzielle Hilfen der Arbeitsagentur genutzt werden“, sagen die Säfkes. 

ez

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