Gemeinde gibt Zuschuss

Argumente-Allerlei um Egmatinger Dorfladen

Egmating - Neun von zehn Bürgern wünschen sich eine Einkaufsmöglichkeit in Egmating: Das sagte Lena Wagner (SPD) in der jüngsten Gemeinderatssitzung. Ein konkretes Objekt gibt es aber noch nicht.

Dennoch einigten sich die Egmatinger Räte nach kontroverser Diskussion mehrheitlich darauf, rund 8100 Euro für ein Untersuchungskonzept inclusive Bürgerbefragung, Standortbewertung und Begleitung eines Arbeitskreises zu investieren.

Bürgermeister Ernst Eberherr berichtete über die Vorgeschichte. In der Sitzung vom 23. Februar wurde von Unternehmensberater Wolfgang Gröll von der Dorf- und Landesentwicklung Thierhaupten eine Präsentation über mögliche Dorfladenprojekte vorgestellt und der Gemeinde ein Angebot über eine Strukturuntersuchung unterbreitet. In mehreren vorangegangenen Beratungen im Bauausschuss der Gemeinde war bereits über eine mögliche Umsetzung des Konzeptes Dorfladen kontrovers diskutiert worden. Ein Aufruf im Gemeindeblatt, mögliche geeignete Räumlichkeiten für einen Dorfladen zu melden, hatte keine Ergebnisse erzielt.

Das nun angebotene Untersuchungskonzept beinhaltet eine Bürgerbefragung, Standortbewertung, Empfehlungen und Begleitung eines Arbeitskreises bis zur Entscheidungsreife. Für diesen ersten Beratungsbedarf werden Kosten von rund 8100 Euro veranschlagt.

Der Gemeinde liegt ein zweites Angebot in Höhe von 10 000 Euro vor, das den Dorfladen bis zur Eröffnung begleiten würde. Uschi Breithaupt (ABE) betonte, dass es mit dem ortsansässigen Lebensmittelladen keine Kooperationsmöglichkeit gäbe und auf Dauer ein neuer Dorfladen die einzige Einkaufsmöglichkeit vor Ort für Egmatinger sei. Alle Parteien hätten sich darauf geeinigt, das Projekt Dorfladen noch in laufender Legislaturperiode anzugehen, erinnerte sie ihre Ratskollegen.

Lena Wagner (SPD) sprach sich für Untersuchungskonzept und Dorfladen aus. „Wenn man Bürger fragt, was im Ort fehlt, sagen neun von zehn: eine Einkaufsmöglichkeit.“

Franziska Herbst (CSU/FW) beurteilte die Gesamtdiskussion als zu früh. „Uns wurden keine Räume angeboten, dennoch diskutieren wir jetzt schon eine Bürgerbefragung, ohne Objekt.“ Herbst wies auf andere kostenträchtige Vorhaben der Gemeinde wie Schule und Rathaus hin. „Als Gemeinde haben wir nicht das Geld, um zu sagen, wir bauen selbst einen Dorfladen.“

Hans Heiler (ABE) wünschte sich Konzept und Dorfladen in den Händen von Profis. „Eine Anzeige im Gemeindeblatt ist für die Objektsuche zu wenig.“ Heiler sieht im Dorfladen eine Bereicherung für den Ort, auch ein Café könnte er sich vorstellen. „Jeder soll sich mit dem beschäftigen, was er weiß und kann“, forderte Bernhard Wagner (SPD) das Gremium auf. Er sprach sich ebenfalls dafür aus, die Planung in die Hände von Fachleuten zu legen. „Ist es Euch wert, das zum Wohle der Bürger anzugehen?“, fragte er seine Kollegen.

„Was kauft man schon im neuen Dorfladen? wollte Markus Winter (CSU/FW) wissen. „Unser bestehender Laden bietet mit Zeitung, Wurst und Semmeln, Tabakwaren und Lotto genau das an, was auf die Schnelle gebraucht wird.“ Winter sprach sich gegen ein Konzept zum Dorfladen aus.

Bernhard Wagner konterte: „Die CSU hat den Dorfladen bereits aufgegeben, wir nicht.“

Der Gemeinderat beschloss mehrheitlich, das Angebot der Strukturuntersuchung mit Kosten von rund 8100 Euro anzunehmen und den Beratungsauftrag an Wolfgang Gröll zu erteilen.

Susann Niedermaier

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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