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Freuen sich über die Feldarbeit: Im Bild von links sind zu sehen Brigitte Baumgartner, Martina Lipp, Anna Lang, und Daniela Höss mit Tochter. 

Beim Gartenbauverein Egmating kann eine Parzelle Ackerland für 30 Euro pro Jahr gepachtet werden

Ratschen zwischen Kraut und Rüben

„Auf dem Feld hier draußen wächst das Zeug viel besser, als im Garten“, sagt Anna Lang, lacht und deutet über den weiten Acker am Rand der Ortschaft.

Von Susann Niedermaier

Egmating Mit „Zeug“ meint die Vorsitzende des Egmatinger Gartenbauvereines Gemüse, sie zählt Salat, Radieserl, Zucchini, Zwiebeln, gelbe Rüben und andere Nutzpflanzen auf.

Der Kraut-und Rübenacker – so ist die offizielle Bezeichnung des Feldes – ist ein fruchtbares Novum in Egmating. Im Frühjahr verpachtete das Landwirtehepaar Maria und Josef Maier dem Gartenbauverein erstmals für fünf Jahre ein Grundstück an der Sandstraße am Ortsrand, die zum Pframmerer Ortsteil Thal führt. Die Ackerfläche mit knapp zwei Tagwerken Fläche vermietet die Gartler-Gemeinschaft geteilt in gleichgroße Parzellen für 30 Euro im Jahr an Interessenten weiter.

Die Teilstücke können von 1. März bis 1. November mit einjährigem Gemüse oder Blumen bebaut werden. „Im November kommt dann der Bulldog und gräbt das ganze Feld um. Über den Winter liegt der Acker brach, die Ruhepause braucht er, um sich zu erholen“, weiß Lang.

Der Gemeinderat bezuschusste die Idee des Gartenbauvereines mit 500 Euro (wir berichteten), für das Geld wurde unter anderem das Material für den Zaun beschafft, der den Kraut und Rübenacker von den umliegenden Feldern jetzt trennt. „Hier gleich ein Dankeschön an alle Zaunbauer, die im Mai tatkräftig halfen und ein herzlicher Dank an Maria und Josef Maier, dass wir die Fläche pachten konnten“, sagt Lang.

Ein Dank auch an deren Söhne Hubert und Sepp, die unterstützen die Idee auch deshalb, weil rund um Egmating so viel Mais angebaut wird – und das Projekt mit dem Kraut und Rübenacker mal was ganz anderes ist“, so Anna Lang. „Ein weiterer Dank geht an Philipp vom Pferdehof, der bringt zukünftig den Mist seiner Pferde, das ist ein hervorragender Dünger“, freut sich Lang. Im Namen der Vorstandschaft und der Mitglieder schickt sie auf diesem Wege einen herzlichen Dank auch an die Gemeinde für den Zuschuss.

Die Wasserversorgung des Ackers übernimmt die Egmatinger Feuerwehr, im Rahmen ihrer Feuerwehrübungen befüllen die Floriansjünger regelmäßig ein Fass, das am Ackerrand steht, auch der Feuerwehr sagt der Gartenbauverein ein herzliches „Vergeltsgott!“.

Die Parzellen des Kraut-und Rübenackers vermietet der Egmatinger Gartenbauverein an Bürger der eigenen Kommune und auch an Interessenten aus umliegenden Gemeinden. Einzige Bedingung: Wer eine Parzelle mieten will, muss Mitglied im Egmatinger Gartenbauverein sein oder werden. „Der Mitgliedsbeitrag ist 16 Euro im Jahr, dafür gibt es monatlich einen Gartenratgeber, der kommt mit der Post“, informiert Anna Lang. Mitglied im Egmatinger Gartenbauverein ist die aktive Frau seit 27 Jahren, 20 Jahre wirkte sie als zweite Vorsitzende, seit einem halben Jahr führt sie den Verein an.

Vor 20 Jahren bewirtschaftete Anna Lang schon einmal ein Stück eines Feldes, baute rote Rüben, Kartoffeln, Zwiebeln und Buschbohnen an. Dann gab es einen Besitzerwechsel, das Grundstück wurde verkauft, Anna Lang verlor ihr Gemüseparadies.

Wer selbst einmal ein Stücken Land bewirtschaftete, den lässt die Idee vom frischen, eigenen Gemüse nicht mehr los. In Gesprächen mit anderen Egmatingern erfuhr Anna Lang: es gibt noch andere Menschen, die Interesse an Selbstversorgung haben. Früher gab es beispielsweise rund um das Gebäude, das früher die Schlossbrauerei war, anstelle der heutigen Parkplätze eine Reihe von Schrebergärten. „Irgendwann lief mir Maria Maier über den Weg, ich sprach sie einfach an, ob sie eine geeignete Fläche hat und Ende April konnten wir den Pachtvertrag unterschreiben.“

Manchmal fährt Anna Lang zum Kraut-und Rübenacker, um ihr Stückchen Land dort weiter zu bearbeiten, doch dann kommt alles anders als gedacht, wie kürzlich an einem Sonntag. „Ich bin an diesem Tag gar nicht zur Feldarbeit gekommen, weil ich am Acker so viele Menschen getroffen habe – den Förster, eine Bekannte, eine befreundete Familie und etliche Mitglieder des Gartenbauvereines.“ Anna Lang berichtet das nicht resigniert, sondern sie ist davon begeistert. Denn aus ihrer Idee, gemeinsam einen Acker zu bewirtschaften ist bereits nach der kurzen Zeit schon wesentlich mehr geworden, als ein kleines Stück Erdreich für Selbstversorger – der Kraut- und Rübenacker entwickelt sich von Tag zu Tag zu einem sozialen Treffpunkt für die Egmatinger Bevölkerung. Mancher bringt Kaffee in einer Thermoskanne für sich und die anderen mit, auch eine Halbe Bier ist erlaubt, versichert Lang. „Vielleicht gibt’s heuer zum 30-jährigen Bestehen des Egmatinger Gartenbauvereines noch ein Kraut-und Rübenfest am Acker“, stellte sie in Aussicht.

Einige Parzellen

sind noch zu haben auf dem Kraut- und Rübenacker, Interessenten können sich bei Anna Lang melden: Telefon (0 80 95) 2532.

Von Susann Niedermaier

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