+
„Mir zeigt das, dass die Leut‘ zufrieden sind mit dem, was wir tun“: Bürgermeister Ernst Eberherr über das mangelnde Interesse an der Bürgerversammlung.

Bürgerversammlung in Egmating

Rathauschef wertet schwaches Interesse positiv

Egmating - Die Egmatinger interessieren sich offensichtlich nur mäßig für die Geschehnisse in ihrer Gemeinde. Lediglich 60 Bürger, das sind magere drei Prozent der derzeit 2395 Einwohner, kamen zur Bürgerversammlung ins Haus der Gemeinde. Die überwiegende Zahl der Besucher gehörte älteren Jahrgängen an, junge Egmatinger waren nicht gekommen.

Bürgermeister Ernst Eberherr irritierte das nicht. Vielmehr interpretierte das Gemeindeoberhaupt die leeren Stuhlreihen positiv: „Mir zeigt das, dass die Leut‘ zufrieden sind mit dem, was wir tun.“

Später war im Diskussionsteil der Versammlung nach Haushaltszahlenwerk und gemeindlichem Infoblock zu hören, dass es durchaus Spannendes gibt in Egmating – und dass zumindest die Anwesenden Fragen hatten zur Politik der Gemeinde. „Da läuft doch was schief“, sorgte sich ein Bürger ob des geringen Bürgerinteresses. „In anderen Gemeinden ist viel mehr los zur Bürgerversammlung, macht‘s Euch Gedanken über die geringe Beteiligung bei uns“, forderte er Eberherr und seine Räte auf und betonte: „Als wir nur 1500 Einwohner waren, kamen wesentlich mehr Leute.“

Eberherr blieb gelassen und optimistisch. „Ich fasse das als Kompliment auf, es läuft doch gut.“ Ein anderer Bürger wusste eine Lösung gegen das mangelnde Interesse der Egmatinger: „Macht’s doch die Versammlung gleich nach der Kirch’ – als verlängerten Frühschoppen.“ Eberherr wehrte ab: „Da bekomme ich Gegenwind von den Frauen, die kochen müssen.“

„Die Raiffeisenbank Egmating macht im Frühjahr zu“, stellte ein Bürger in den Raum und fragte den Bürgermeister: „Wie steht die Gemeinde dazu?“. Der wirkte ob der Frage verunsichert: „Ich weiß nicht, ob das offiziell ist“ und versicherte dann, dass die Gemeinde ein Schließen der Egmatinger Bankfiliale sehr bedauern würde. „Dies wäre für mich nicht nachvollziehbar“. Zugleich berichtete das Gemeindeoberhaupt aber von einem Gespräch mit dem Vorstandsvorsitzenden der Raiffeisen-Volksbank Ebersberg, Wolfhard Binder. In diesem Gespräch habe ihm Binder Zahlen der Bank vorgelegt und gesagt, dass die Filiale nur noch 110 Fälle pro Monat zu bearbeiten habe. Eberherr kritisierte, dass die Bank die Öffnungszeiten reduziert habe: „Man kann doch nicht nur noch dann aufmachen, wenn die Leute keine Zeit haben.“

Mehrere Bürger erkundigten sich nach dem aktuellen Stand „Untersuchungskonzept Egmatinger Dorfladen“, auch der Wunsch nach Einbeziehen der Bürger ins Dorfladenkonzept wurde laut. „Es macht nur Sinn, wenn Unternehmensberater Gröll die Leute mitnimmt und wir wissen, was er plant.“ – „ Es ist für uns alle von Nutzen, so ein Laden lebt davon, ob die Leute ihn akzeptieren, darum sollten die Leute auch vorab sagen können, wie sie darüber denken.“ – „Wann können die Bürger im geplanten Fragebogen ihre Meinung zum Dorfladen kundtun?“

Eberherr hielt die Antworten zum Dorfladen knapp und versicherte, er habe kürzlich in einem Telefonat mit Unternehmensberater Gröll von der Dorf- und Landesentwicklung erfragen können, dass die Sache am Laufen sei. „Gröll ist ein Profi“, betonte Eberherr. Anschließend beschäftigte der Bürgermeister sich mehrere Minuten lang ausführlich mit dem bestehenden Egmatinger Lebensmittelladen, plädierte für dessen Erhalt und sprach sich gegen einen neuen Dorfladen aus.

Der Gemeinderat hatte Ende Oktober des vergangenen Jahres mehrheitlich beschlossen, eine Strukturuntersuchung „Dorfladen“ mit Kosten von rund 8100 Euro in Auftrag zu geben (wir berichteten). „Ich bin damals überstimmt worden“, sagte Eberherr.

Einen Wermutstropfen sah ein Bürger darin, dass die Gemeinde zum Jahresende 31 Bürger weniger zählt, als zu Beginn des Jahres. In weiteren Fragen beschäftigten sich Bürger mit einem Hundekloo an der Leonhardstraße, das beim Einparken störe, mit Geschwindigkeitsübertretungen am Lindacher Berg und zeigten Unzufriedenheit mit dem Zustand der Staatsstraße Richtung Aying.

Susann Niedermaier

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Ihm wurde ein ganzes Zimmer geklaut
Unglaublich! Über Nacht hat ein unbekannter Gast das Zimmer in einem Glonner Hotel ausgeräumt, Schaden: knapp 6000 Euro. Bei der Zeche sind die Gäste im Landkreis …
Ihm wurde ein ganzes Zimmer geklaut
Bayernpartei muss draußen bleiben
Der Ortsverband „Grafinger Land“ der Bayernpartei fühlt sich benachteiligt - von REWE-Supermarktbetreiber Martin Gruber. Dieser bevorzuge die CSU, so der Vorwurf der …
Bayernpartei muss draußen bleiben
Massenhaft Protest gegen Bahnlärm
Die Gemeinde Zorneding hat in den letzten Tagen noch einmal kräftig für eine Teilnahme ihrer Bürger an der Fragebogenaktion des Eisenbahn-Bundesamtes geworben. Mit …
Massenhaft Protest gegen Bahnlärm
Falsche Handwerker betrügen Ebersberger Rentnerin (86)
So dreist! Falsche Handwerker haben eine gutgläubige Rentnerin in Ebersberg um 1000 Euro betrogen. Der Vorfall ereignete sich in der Kampenwandstraße.
Falsche Handwerker betrügen Ebersberger Rentnerin (86)

Kommentare