So werden die Menschen in Neuorthofen die Windräder sehen.
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So werden die Menschen in Neuorthofen die Windräder sehen.

Bewohner von Neuorthofen haben Angst

Windräder beim Nachbarn: Egmatinger fühlen sich im Stich gelassen

Bewohner des Egmatinger Ortsteils Neuorthofen fühlen sich übergangen und alleine gelassen vom Gemeinderat, auch von Bürgermeisterin Inge Heiler. Es geht um Windrad WEA 3, eines von drei Windrädern, die im nahe gelegenen Höhenkirchner Forst gebaut werden sollen.

Egmating - Nach aktuellem Planungsstand beträgt die Entfernung zur Wohnbebauung in Neuorthofen zwischen 937 und 1200 Meter. Die Bürger befürchten Lärmbelästigung und gesundheitliche Belastung, auch durch Infraschall. „In Neuorthofen leben 60 Menschen, die betroffen sind. Wir sind gerade dabei, die anderen Familien zu informieren“, sagt Hans Hirschmann (74) der Ebersberger Zeitung, sein Haus liegt der Anlage am nächsten.

Anliegerin: „Keiner kümmert sich um unsere Sorgen“

Genehmigt wurde die Konzentrationsfläche für die Windkraftanlagen bereits im Jahr 2014. Erst jetzt wird den Anwohnern klar, dass ihre Anliegen von der eigenen Gemeinde nicht ernst genommen wurden. „Keiner kümmerte sich um unsere Sorgen“, sagt Theresia Pawlik (37). „Mir kann keiner erzählen, dass Schallwellen keine Auswirkungen haben, die Vorstellung dass Infraschall durch die Körper meiner Kinder wabert, finde ich nicht schön.“ „Wir hatten uns darauf verlassen, dass Egmating Einspruch erhebt, um uns zu schützen, dies wurde offensichtlich verpasst“, sagt Johann Hirschmann (29).

Einspruchsfrist wurde nicht genutzt

Die Energieagentur München-Ebersberg bestätigt, dass eine Einspruchsfrist nicht genutzt worden ist. „Aktuelle Rechtslage ist, dass die Gemeinde Egmating der Konzentrationsflächenplanung bis Mai 2015 hätte widersprechen müssen, dann wäre diese Planung nicht gültig gewesen“, informierte Lisa Huber, zuständig für die „Servicestelle Wind“ der Energieagentur. Die Planung ist laut Huber daher gültig, Abstände weniger als 10H sind somit möglich.

Haben Angst vor dem Windrad im Nachbarlandkreis (v.l.): Theresia Pawlik, Hans Hirschmann, Hildegard Hutterer, Susanne Hirschmann, Johann Hirschmann.

Seit 2019 ist Egmating über seine Mitgliedschaft in einer Arbeitsgemeinschaft (ARGE) am Projekt beteiligt. In jüngster Sitzung des Gemeinderats erhitze das Thema lange die Gemüter. „Wir sagten immer, es wird nicht abgestimmt – bevor die Egmatinger Bürger mit einbezogen sind. Wenn wir jetzt zustimmen, lassen wir die Neuorthofner Bürger im Regen stehen“, warf Maria Riedl (ABE) ein.“ „In der jetzigen Faktenlage sind wir mit dieser Diskussion ein paar Jahre zu spät dran, da wurde was versäumt, ja nicht mal debattiert darüber“, betonte Bürgermeisterin Inge Heiler.

Gemeinderat gibt grünes Licht

Letztendlich gab das Gremium mehrheitlich (13 zu zwei Stimmen) grünes Licht: „zur Prüfung der Änderung des Landschaftsschutzgebietes nördlich der EBE 14 in den ausgewiesenen Konzentrationsflächen der Gemeinde Höhenkirchen-Siegertsbrunn – zum Bau von maximal drei Windkraftanlagen im Höhenkirchner Forst – durch den Landkreis München-Land.“ Riedl und Franziska Herbst (CSU/FGW) stimmten dagegen. „Windkraft ja, aber in nötigem Abstand. Warum drei Windräder – es reichen doch auch zwei, in solch großem Abstand, dass ein Investor kein drittes mehr dazwischen bauen kann“, wünscht sich Johann Hirschmann und betont, dass er kein Windkraftgegner sei. „Wünschenswert ist ein alternativer Standort für Windrad WEA 3, um Energiewende und sozialen Frieden gut unter einen Hut zu bringen“, regte er an. Weiterverhandelt wird jetzt im Münchner Kreistag, entscheiden wird dann u. a. die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises München.“

Susann Niedermaier

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