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Mahnt die Gläubigen, ihrer Ortspfarrer nicht zu überfordern: Dekan Kurt Riemhofer.

 Geistlicher mahnt beim Neujahrsempfang 

Egmatinger Pfarrer: Auch wir brauchen eine Auszeit

Egmating  - Kurt Riemhofer war jahrzehntelang Justizvollzugsdekan in München-Stadelheim und Ortsgeistlicher in Egmating. Ersteres Amt hat er aufgegeben. Beim Neujahrsempfang mahnte er die Gläubigen, ihrer Pfarrer nicht zu überfordern.

„Unseriöse Horoskope oder fundierte Prognosen – was davon bringt uns das Jahr 2017?“ . Mit dieser Frage eröffnete Dekan Kurt Riemhofer den Egmatinger Neujahrsempfang im Haus der Gemeinde. Bürger und Vertreter von Politik, Vereinen und Kirchen hatten sich auf gemeinsame Einladung der Verwaltung und der Kirchen getroffen, die Egmartinger Blasmusik umrahmte mit flotten Weisen die Veranstaltung.

Riemhofer setzte dem stets geforderten Wirtschaftswachstum von drei Prozent einen persönlichen „Drei-Prozent-Wunsch“ entgegen. „Ich wünsche mir drei Prozent mehr Liebe zur Wahrheit und Zuverlässigkeit, drei Prozent mehr Offenheit füreinander und Verantwortungsgefühl, drei Prozent mehr Ruhe. „Aufs Jahr gerechnet sind drei Prozent ganze elf Tage für mehr Sonne und Wärme im Herzen gegen 354 Tage voll Alltagskälte“, motivierte Riemhofer. Sich selbst will der ehemalige Stadelheimer Justizvollzugsdekan und aktive Gemeindepfarrer mehr Ruhe schenken in diesem Jahr. Am 1. Dezember hatte er nach 29 Dienstjahren im kirchlichen Doppelamt seinen Ruhestand angetreten, betreut aber weiter die Egmatinger Pfarrei, seit Mitte Dezember als hauptamtlicher Pfarradministrator. „Für Sie ändert sich dabei gar nichts“, beruhigte Riemhofer die Anwesenden und erntete saalweites freudiges Lachen und heftigen Beifall.

Seinem eindringlichen Hinweis auf die enorme Belastung weniger Pfarrer, die in großflächigen Pfarrverbänden „Rund-um-die Uhr Dienst“ teilweise bis zu Krankheit und Burnout machten, folgte nachdenkliche Stille im Gemeindehaus. Empört zeigten sich die Zuhörer bei Riemhofers Beispiel über eine Erfahrung mit einem Pfarrmitglied. „Nach 22 Uhr rief mich ein Mann an, um einen Termin für die Taufe seines Kindes auszumachen. Nachdem ich auf die Uhrzeit hingewiesen hatte, kam die Frage: Für was zahlen wir eigentlich Kirchensteuer.“

Riemhofer gab zu bedenken, dass auch ein Seelsorger ab und zu eine Auszeit brauche. Die Idee der Kirche, die Gläubigen zum Gottesdienst in Nachbarpfarreien zu bewegen, lehnt der Pfarrer ab. „Der Gottesdienst gehört ins eigene Dorf, wie das Rathaus auch.“

Eng an die aktuelle Politik schmiegte sich Bürgermeister Ernst Eberherr mit seinen Neujahresworten. „Wir schaffen das!“ schloss er sich zuversichtlich den vielbemühten, teils heftig kritisierten Worten von Bundeskanzlerin Angela Merkel an. Als Beweis verweis er auf den derzeitigen Wirtschaftsboom, die vollen Auftragsbücher der Unternehmer, die enorm hohen Beschäftigungszahlen und den Rückgang der Arbeitslosigkeit.

Beim Thema Asylpolitik pochte Eberherr auf schnelle Integration von bereits anerkannten Bewerbern. „Ich glaube, dass dies jederzeit bei gutem Willen von allen Seiten möglich ist und danke all denen, die sich bereits jetzt engagieren und unsere neuen Mitbürger unterstützen und ihnen die Eingliederung erleichtern. So steht einem Miteinander nichts mehr im Wege.“

„Wir schaffen das – denn es gibt doch keine Alternative“ bekräftigte Eberherr sein Statement und gab den Gästen eine Denkaufgabe mit auf den Heimweg: „Überlegen Sie bitte genau was sein würde, wenn wir das nicht schaffen.“ Zur Lage der Gemeinde will das Gemeindeoberhaupt in der kommenden Bürgerversammlung am 13. Januar Stellung nehmen.

Mit einer Urkunde und einem Leckereien-Korb ehrte Eberherr Manfred Buchwald, der 24 Jahre als Gemeinderat und lange Zeit als ehrenamtlicher Kassenverwalter der Gemeinde diente und derzeit als Schülerlotse und Mitglied zahlreicher Vereine wirkt.

Susann Niedermaier

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