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Wie sieht die Zukunft des Einkaufens in Egmating aus? Die Bürger wollen einen Dorfladen.

Umfrageergebnisse vorgestellt

Egmatinger wollen Dorfladen

Hat ein Dorfladen in der Gemeinde Egmating eine Chance? Das sollte eine Umfrage klären, deren Ergebnisse Unternehmensberater Wolfgang Gröll nun auf der Bürgerversammlung vorstellte. Das Ergebnis ist eindeutig.

Egmating   In der Umfrage haben 82,7 % der Befragten angegeben, die Versorgungssituation in Egmating müsse verbessert werden. Davon wünschten sich 65,7 % einen Dorfladen, knapp 23 % einen Supermarkt oder Discounter. Nur 5,5 % aller Befragten können sich vorstellen, ihre Lebensmittel künftig im Internet zu bestellen, hingegen gaben knapp 80 % an, im Dorfladen einkaufen zu wollen, die meisten davon ein- bis zweimal pro Woche.

Wichtig sind ihnen dabei regionale Produkte (70,8 %), die Öffnungszeiten (68,2 %), der Preis (54,4 %) und die fußläufige Erreichbarkeit (49 %). Außerdem solle der Dorfladen über eine Paketannahme, ein Tagescafé und eine Reinigungsannahme verfügen. Eine finanzielle Beteiligung am Dorfladen können sich laut Umfrage etwa 21,4 % im Form eines Genossenschafts- oder ähnlichen Anteils vorstellen, 30,7 % sind unentschlossen, 48,1 % lehnen dies ganz ab.

Die Ergebnisse der Umfrage zum Thema Dorfladen interessierte viele Egmatinger bei der Bürgerversammlung.

„Das ist aber durchaus im Bereich des Machbaren“, so Gröll, der schon viele Dorfläden bei ihrer Gründung begleitet und beraten hat. Die finanziellen Voraussetzungen für einen Dorfladen beurteilt er positiv, schließlich haben die Egmatinger in der Umfrage angegeben, derzeit in den Nachbarorten vor allem in teureren Vollsortiment-Supermärkten einzukaufen und nur zweitrangig in Discountern. Dabei kaufen sie regelmäßig Bioprodukte (63,6 %) und Regionales (76,7 %) ein. Das sind laut Gröll gute Voraussetzungen für einen Dorfladen, der neben Produkten der Kategorie„Hiv“ (Hab ich vergessen) auch Waren der Gruppe „Wim“ (Will ich mitnehmen) anbieten müsse. Dazu kämen idealerweise Innovationen wie Selbstgemachtes und Produkte, die es nirgends sonst zu kaufen gibt, sowie „Specials“, beispielsweise wiederkehrende Veranstaltungen, Jubiläumsverkäufe und dergleichen. Grölls Fazit: „Ein Dorfladen hätte hier gute Chancen, zu bestehen.“

„Ein Dorfladen bedeutet Zusammenhalt, wir brauchen eine Anlaufstelle, das vermissen alle Leute hier, auch die jungen!“, betonte eine Zuhörerin und ernte dafür viel Applaus. Bernhard Wagner, 3. Bürgermeister, appellierte, auch an die älteren Mitbürger zu denken: „Wir wollen alle in Egmating alt werden können.“

Einige Rückfragen aus dem Publikum kamen zur Finanzierung und zur Nachschusspflicht bei einem Genossenschaftsmodell. Gröll betonte, dass die Nachschusspflicht in der Satzung ausgeschlossen werden könne. Überhaupt gebe es viele Mischmodelle zwischen einem bürgerschaftlichen und einem rein privatwirtschaftlichen Betrieb. Ein Bürger meinte: „Ich hoffe, dass nun auch die skeptischen Gemeinderäte überzeugt sind und gemeinsam an einem Strang ziehen.“ Darauf Bürgermeister Ernst Eberherr: „Kritisches Hinterfragen muss erlaubt sein. Auch wenn einige Gemeinderäte dagegen waren, haben wir doch alle zusammengearbeitet.“ Er räumte ein: „Die Umfrage zeigt, dass die Bürger das wollen, also müssen wir das machen, das sind wir den Bürgern schuldig.“ Ein Problem sei allerdings der Standort: „Es ist kein Gebäude vorhanden, das in Frage käme. Wenn wir eines neu bauen müssen, wird es schwierig.“ Er signalisierte aber auch, dass die Gemeinde bereit sei, entsprechendes Baurecht zu schaffen.

Susanne Edelmann

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