„Egmating bargeldlos“ – das sieht die Seniorenbeauftragte Alexandra Ott (re.) in Bezug auf die älteren Menschen schwierig. Bürgermeisterin Inge Heiler ist entsetzt über die Entscheidung der Banken.
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„Egmating bargeldlos“ – das sieht die Seniorenbeauftragte Alexandra Ott (re.) in Bezug auf die älteren Menschen schwierig. Bürgermeisterin Inge Heiler ist entsetzt über die Entscheidung der Banken.

Bürgermeisterin und Gemeinderäte sind entsetzt

Banken drehen Egmatingern Bargeldhahn zu

Ab nächstem Jahr können die Egmatinger in ihrem Ort kein Bargeld mehr bekommen. Geldautomaten stehen dann nicht mehr zur Verfügung. Eine Entscheidung der Banken, die auf großes Unverständnis vor Ort stößt.

Egmating – Eine Hiobsbotschaft jagt die andere. „Ich fühle mich, wie wenn alle guten Geister den Ort verlassen“, sagt Bürgermeisterin Inge Heiler, die Egmatinger Rathauschefin ist verzweifelt. „Erst baute die Kreissparkasse München Starnberg Ebersberg ihren Bankautomaten im Sparkassen-Pavillon an der Schlossstraße ab. Dann gab es Gespräche, ob die Raiffeisen-Volksbank Ebersberg den Automaten übernimmt, leider ohne Erfolg. Anschließend teilte uns die Raiffeisenbank mit, dass sie ihren eigenen Automaten an der Ehamostraße abbauen wird, Ende des Jahres. Ab diesem Moment gibt es in Egmating keine Möglichkeit mehr, sich Bargeld zu beschaffen.“

Als Begründung für den Abbau ihres Automaten in Egmating sagt die Kreissparkasse: „Unsere Kunden nehmen in örtlichem Handel und Gastronomie immer häufiger alternative Möglichkeiten zur Barzahlung wahr, zum Beispiel indem sie kontaktlos bezahlen. Entsprechend sinkt daher der Bedarf an Bargeldversorgung zu diesem Zweck. Alternative örtliche Angebote in Egmating sind nicht geplant, zur Zukunft des im Eigentum der Kreissparkasse befindlichen Pavillons ist derzeit noch keine Entscheidung gefallen.“

Raiffeisen-Volksbank Ebersberg spricht von rückläufigen Umsätzen

Bernhard Failer, Vorstand der Raiffeisen-Volksbank Ebersberg, sagt: „Dass beide Banken in 2021 diese Entscheidung getroffen haben, ist ein Zufall, lässt sich aber sachlich auch auf die Entwicklung der Bargeldnutzung im Coronajahr 2020 zurückführen.“ Als Grund für den Abbau des eigenen Automaten zum Jahresende nennt Failer rückläufige Umsätze von 25 Prozent an allen Automatenstandorten in 2020 und rückläufige Abhebungen. Dieser Trend habe sich in den ersten sechs Monaten 2021 verstärkt, mit einem weiteren Rückgang von 19 Prozent gegenüber dem Vorjahr. „Zudem müssen alle unsere Automaten ab Januar einen anderen Leistungsstandard beim Betriebssystem erfüllen, das hat unsere Entscheidung beeinflusst.“

„Das ist eine Katastrophe für Egmating, unsere Bevölkerung ist relativ alt. Wir wollen, dass unser Dorf belebt bleibt, gerade jetzt – wo es den neuen Wochenmarkt gibt, die Menschen brauchen Bargeld, um dort einzukaufen“, sagt SPD-Gemeinderätin und Bundestagskandidatin Lena Wagner. „Wir müssen die Menschen mobil machen, uns schnell Konzepte überlegen,“ ruft sie auf. Den Wochenmarkt hat auch Bürgermeisterin Heiler im Blick. „Vielleicht können sich die Bürger auf dem Markt Bargeld beschaffen, möglicherweise auch in der Pizzeria oder im Laden von Frau di Viesti“, schlägt sie vor.

Wochenmarkt scheidet als Bargeldquelle aus

„Der Wochenmarkt scheidet als Bargeldquelle aus“, weist Marktinitiator Johann Christian Lang die Idee ab. „Es gibt zwar Strom, aber keine gesicherte Internetverbindung.“ Über den Entschluss beider Banken, den Egmatingern die Bargeldbeschaffung zu kappen, zeigt sich Lang, der für die CSU im Gemeinderat sitzt, empört: „Das ist den Bürgern nicht zuzumuten, ich bin gespannt, ob es Proteste gibt. Das ist negativ für die Banken, die stehen in der Verpflichtung im Sinne des Servicegedankens.“

Auch Renate di Viesti kann in ihrem kleinen Lebensmittelladens am Jägerweg das Problem der Egmatinger nicht lösen: „Nein, ich kann kein Bargeld mehr auszahlen, das ist vorbei“, sagt sie. „Früher holten die Leute ihre Rente bei uns ab, wir hatten zwölf Jahre die Postbank, jetzt nicht mehr“, sagt sie.

„Es ist fatal, dass wir jetzt im Jahr 2021 von beiden Banken im Stich gelassen werden, wir sind dabei, die Genossenschaftsvertreter hier vor Ort zu mobilisieren“ sagt Bürgermeisterin Inge Heiler der EZ. Sie hat das Thema auf die Tagungsordnung der nächsten öffentlichen Gemeinderatssitzung gesetzt, die ist am kommenden Dienstag, 13. Juli um 19 Uhr im Gemeindesaal.

Susann Niedermaier

Feuerwehrhaus Münster: Auch dieses Thema beschäftigt die Egmatinger seit langem.

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