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Gehäkelte Weihnachtsstimmung: In den Fußgängerzonen werden die Samlans oft angelächelt – genau dafür sind sie auch in ihren Kostümen unterwegs.

Die Samlans ziehen durch Bayern

Ehepaar sammelt in Häkelkostümen wertvolle Wünsche, die nichts kosten dürfen

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Manuela Samlan und ihr Mann haben ein ungewöhnliches Hobby. In der Adventszeit ziehen sie sich Häkelkostüme an. Als Nikolaus und Christbaum ziehen sie durch die Fußgängerzonen und bringen die Menschen zum Schmunzeln. Und sie sammeln Wünsche, die kein Geld kosten – oft aber sehr wertvoll sind.

Westerndorf– Es ist mitten im Sommer passiert. Von einem Moment auf den anderen war Manuela Samlan ganz weihnachtlich zumute. Draußen waren 30 Grad, drinnen legte sie eine CD mit Weihnachtsliedern auf. Und als sie sich dann zu Hause in Westerndorf (Kreis Ebersberg) auf die Terrasse setzte und zu häkeln begann, war es irgendwie nicht weiter verwunderlich, dass etwas sehr Weihnachtliches dabei entstanden ist.

Etwas wirklich sehr Weihnachtliches. Samlan hat nicht nur an diesem einen Nachmittag daran gehäkelt – sondern sechs Monate lang. Und unvermeidbar ist sie dabei immer mehr in Weihnachtsstimmung geraten. Pünktlich zum ersten Advent waren dann zwei gehäkelte Kostüme fertig. Ein Nikolaus-Outfit für ihren Mann, ein Christbaum-Outfit für sie.

Jules Samlan stammt aus Togo – und ließ sich von seiner Frau sehr bereitwillig zeigen, wie schön Weihnachten in Deutschland sein kann. Die beiden sind mindestens zwei Tage die Woche in ihren Häkelkostümen unterwegs. Mal in bayerischen Fußgängerzonen, mal in Kindergärten – immer mit derselben Mission: „Wir möchten die Menschen dazu bringen, in dieser hektischen Zeit kurz innezuhalten, zu lächeln, die Vorweihnachtszeit ein bisschen zu genießen“, sagt die 63-Jährige. Das gelingt ihnen fast immer. „Wir werden auf der Straße sehr oft angesprochen“, erzählt Samlan. Besonders ältere Damen bestaunen gerne die aufwendige Häkelkunst. Lächeln muss fast jeder. Bei Jugendlichen ist es manchmal mehr ein lautes Lachen und Kichern – aber auch das findet das Ehepaar nicht schlimm. „Wir haben selbst Enkel und wissen, dass man als Jugendlicher cool sein muss“, sagt Manuela Samlan und schmunzelt. Neulich ist den beiden etwas Schönes passiert. Ein Mädchen, das mit ihren Freunden unterwegs war und laut über die Kostüme gelacht hatte, kam noch einmal zurück. Um Entschuldigung zu sagen, die Kostüme seien toll. Solche Momente sind für Manuela und Jules Samlan viel mehr wert als das Geld, das ihnen gelegentlich angeboten wird – und das sie immer freundlich dankend ablehnen.

„Jeder darf einen Wunsch, der kein Geld kostet, auf einen Zettel schreiben“

Am liebsten besuchen die beiden in ihren Kostümen Kinder. Weil das Staunen bei ihnen ganz tief aus dem Herzen kommt. Für die Kinder ist Manuela Samlan nicht nur eine Frau im gehäkelten Christbaum-Kostüm – für sie ist sie sogar ein Christbaum, der Wünsche erfüllt. „Jeder darf einen Wunsch, der kein Geld kostet, auf einen Zettel schreiben“, erklärt sie. Die Wünsche laminiert sie ein und fädelt sie auf einen grünen Faden, den sie an dem Kostüm befestigt. So kurz vor Weihnachten trägt Manuela Samlan schon einige Wünsche mit sich herum.

Wenn sie abends das Kostüm auszieht und sich gemeinsam mit ihrem Mann aufs Sofa setzt, um die kleinen Wunschzettel zu lesen, beginnt ihr Lieblingsmoment. Ihr ganz persönliches Innehalten. Die Wünsche bringen sie zum Lächeln. „Träume“ steht auf einem Zettel. „Schnee“ auf einem anderen. Ein Kind hat sich gewünscht, noch lange in der Kita bleiben zu dürfen. Ein anderes hofft, dass das Knie der verletzten Kindergärtnerin bald wieder gesund ist. Und ein Kind hat sich etwas sehr großes gewünscht: „Frieden auf der Welt“. Dieser Zettel bekommt einen besonderen Platz auf dem Kostüm. Es ist ein besonders schöner Wunsch, findet Manuela Samlan.

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