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Damit die Strategie des Landkreises funktioniert, braucht es Daten, Daten, Daten. Und viele Tests.

Vier-Säulen-Modell für mehr Lockerungen: Ebersberg plant eigene „Control-Covid-Strategie“

Corona: Der Landkreis schert aus

  • Josef Ametsbichler
    vonJosef Ametsbichler
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Die Menschen sind es leid. Nach über einem Jahr Pandemie lässt die Disziplin bei den Kontaktbeschränkungen nach, die Rufe nach Lockerungen werden lauter. Der Landkreis Ebersberg plant eine eigene „Control-Covid-Strategie“.

Landkreis - Brigitte Keller, Abteilungsleiterin Zentrales im Landratsamt Ebersberg, sagt: „Wir müssen die Menschen dafür gewinnen, dass das ein Weg für mehr Freiheit ist.“ Der Landkreis wolle Eltern, Einzelhändlern, Gastronomen eine eigene Perspektive schaffen. Unter der Voraussetzung, dass die Leute mitziehen.

Ebersberger Modell hat vier Säulen

Das Ebersberger Modell soll laut Keller auf vier Säulen ruhen – Schulen, Gastronomie, Einzelhandel, Freizeit – und diese wiederum bis in die einzelnen Gemeinden steuerbar machen. So könnte etwa in Aßling die Außengastronomie öffnen dürfen und in Markt Schwaben der Sportplatz – oder umgekehrt – je nachdem, wo der Kreis Infektionsherde ausmache.

Immer noch einschränkend, aber mit Augenmaß findet Keller und sagt: „Wir müssen den Leuten besser erklären, wann was passiert“. Wo das Ansteckungsrisiko hoch sei, gelte es Kontakte zu verringern, aber gleichzeitig zu lockern, wo das Risiko niedrig sei. „Weg vom Verbot, hin zu mehr Einbeziehung“, so die Stellvertreterin des Landrats im Amt.

Es braucht Daten, Daten, Daten

Damit so eine hochauflösende Strategie funktioniere, brauche es Daten, Daten, Daten. Das Landratsamt habe dafür eine medizinische Spezialistin der Bundeswehr eingebunden, die bereits in den Hotspots Traunstein, Berchtesgaden und Tirschenreuth im Einsatz war. Was dort geschieht, soll es bald auch im Landkreis Ebersberg geben: Gezielte Untersuchungen des Abwassers, um Infektionsherden möglicherweise schon vor positiven Testungen auf die Schliche zu kommen. Angefangen bei der Kreisklinik, denn sogar dort liege die Quote der freiwilligen regelmäßigen Testungen nur bei gut 50 Prozent.

Der Landkreis will besser Bescheid wissen

„Wenn wir einigermaßen schnell zu einem Leben zurück wollen, wie wir es kennen, führt an den Tests kein Weg vorbei“, sagt Keller vom Landratsamt – und meint damit alle Bürger. Jedenfalls, solange der Impfstoff weiter knapp sei. Der Landkreis will künftig genauer wissen, wo wie viel getestet wird, besser Bescheid über Kontaktpersonen, schwere Krankheitsverläufe und mögliche Dunkelziffern bekommen.

Bislang würden Daten oft an verschiedenen Stellen gesammelt. Nun habe man sich in einer massiv verbilligten Lizenz für 1000 Euro die Software ArcGIS leisten können, die auch das RKI und die Weltgesundheitsorganisation nutzen. Dort, in einem „Dashboard“ sollen die Informationen so strukturiert wie nie zusammenlaufen.

Die Staatsregierung muss zustimmen

Ob der Kreis seine Strategie umsetzen kann, hat er nicht allein in der Hand. Es gelte, die Idee am Ende politisch gegenüber der Staatsregierung durchzusetzen, sagt Keller. Momentan gäben Infektionsschutzverordnung und Katastrophenfall noch keine Alleingänge her. „Wir haben die kommenden 14 Tage viel zu tun“, sagt die Amtschefin. „Ohne zu wissen, was wir am Ende dürfen.“ Der Trumpf sei aber, dass es sich um ein strukturiertes Konzept handle. Keller sagt: „Ich wüsste nicht, warum man so etwas aufhalten sollte.“

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