Eine Generation geht in Rente: Die Grafik zeigt die aktuelle (jüngste Daten von 2019 in Blau) und für 2038 prognostizierte (in Orange) Altersstruktur im Landkreis Ebersberg. Überall, so die orangefarbenen Linien außerhalb der blauen Fläche liegen, erfährt die jeweilige Alterskohorte einen Zuwachs. Grafik: Bayerisches Landratsamt für Statistik
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Eine Generation geht in Rente: Die Grafik zeigt die aktuelle (jüngste Daten von 2019 in Blau) und für 2038 prognostizierte (in Orange) Altersstruktur im Landkreis Ebersberg. Überall, so die orangefarbenen Linien außerhalb der blauen Fläche liegen, erfährt die jeweilige Alterskohorte einen Zuwachs.

Ein Kreis vergreist

  • Josef Ametsbichler
    VonJosef Ametsbichler
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Mehr Junge, noch mehr Senioren – ein Blick auf die Bevölkerungsentwicklung im Landkreis Ebersberg zeigt: Der Altersstruktur kommt das Mittelmaß abhanden. Laut einer Prognose ist 2038 fast ein Drittel der Bürger über 60 Jahre alt. Und fast jeder Zweite zu jung oder zu alt zum Arbeiten.

Landkreis – Im Vergleich zum Elefanten wirkt das Nilpferd klein. Und im Vergleich zum übrigen Bayern wirkt der Landkreis Ebersberg jung. Doch beide Vergleiche hinken: Kein Mensch, auf den sich ein Nilpferd setzt, jubiliert, dass es wenigstens kein Elefant war. Und obwohl der Trend etwas milder ausfällt: Mit dem ganzen Freistaat altert auch der Landkreis Ebersberg – samt aller Konsequenzen, die das mit sich bringt.

Einen Blick in diese Zukunft wagt das Bayerische Landesamt für Statistik. In einer jüngst veröffentlichten Prognose schaut die Behörde ausgehend von den neuesten verfügbaren Zahlen – für 2019 – 20 Jahre nach vorn.

2039 leben über 160.000 Menschen im Landkreis Ebersberg

Im Speckgürtel-Landkreis Ebersberg werden 2039 demnach 160 200 Menschen leben; 11,5 Prozent mehr als 2019. Das ist die größte vorhergesagte Zunahme aller Landkreise bayernweit, mehr als etwa im zweitplazierten Kreis Dachau (10,8 Prozent) oder der Landeshauptstadt München (7,8 Prozent). Darunter ächzt die Infrastruktur vom Kindergarten bis zum Pflegeheim, von der Pendler-Bundesstraße bis zum Liegeplatz am Badesee.

Doch was die Altersstruktur angeht, wirkt dieser Zuzug mildernd, sagen die Statistiker vorher. 2039 ist der Durchschnittsbayer, geschlechtsübergreifend gerechnet, demnach knapp 46 Jahre alt. Der DurchschnittsBewohner des Landkreises Ebersberg „nur“ 44,7 (2019: 43,9 vs. 42,8).

Während die Bevölkerungsgruppe der 18- bis 40- Jährigen im Landkreis sogar um 0,2 Prozent sinken soll, nimmt der Anteil der Minderjährigen an der Bevölkerung bis 2039 überproportional um fast zwölf Prozent zu. Getoppt wird das nur von denen, die 65 oder älter sind: Diese Gruppe wird um satte 43,4 Prozent stärker – zugespitzt formuliert: Der Kreis vergreist.

Landkreis Ebersberg: Zuwachs an Jungen und an Senioren

Dieser Zuwachs an Jungen und Senioren bedeutet, dass auf 100 Bürger im erwerbsfähigen Alter – das Landesamt für Statistik legt als Maßgabe 20 bis 64 Jahre an – 37,6 junge Menschen kommen, deren Heranwachsen und Ausbildung finanziert werden muss (2019: 34,3): der „Jungenquotient. Das Gegenstück dazu ist der „Altenquotient“: Das Landesamt prognostiziert, dass auf dieselben 100 erwerbsfähigen Landkreisbürger 2038 auch 43,5 Menschen über 65 kommen, denen laut Generationenvertrag ein Auskommen im Alter zusteht (2019: 30,9).

Daraus summiert die Behörde einen „Gesamtquotienten“: die Zahl der qua Alter nicht erwerbsfähigen Personen gegenüber 100 Personen im erwerbsfähigen Alter. 2039 steigt dieser Wert demnach von 65,1 auf 81,2. 100 Das bedeutet: Rund 45 Prozent der Landkreisbürger stehen nicht in Lohn und Brot; über fünf Prozent mehr als 2019. 100 Berufstätige kommen für beinah genauso viele Junge und Senioren auf.

Langfristig spiele die Corona-Pandemie, Stand jetzt, keine große Rolle, was Migration und Geburtenzahlen angehe – jedoch habe man die Sterbequote leicht nach oben korrigiert. Steigendem Alter der einheimischen Bevölkerung stehe Zuwanderung, vor allem von Arbeitskräften aus dem europäischen Raum, entgegen, die den Alterungseffekt wenigstens abmildere. Das Landesamt wird politisch: „Plakativ formuliert, müssen Gebiete mit Bevölkerungswachstum ihre zugewanderten Neubürger in ihre lokalen Gesellschaften und Strukturen integrieren.“

Davon dürfte sich auch der Kreis Ebersberg angesprochen fühlen. Geht man nach der Analyse des Amtes, ist der Zuzug von Arbeitskräften eine Chance, die Jungen wie die Alten in der Region besser zu stützen als andernorts. Sonst wird diese Aufgabe für die, die altersmäßig dazwischen liegen, umso schwieriger. Ein bisschen so, wie wenn man zwischen einen Elefanten und ein Nilpferd gerät.

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