Eine Baracke, kein Klo und endlos Ärger

Baldham - Juan Fuentes ist sauer, richtig sauer. Der Geschäftsführer des Restaurants „Neruda“ am Baldhamer Zentrum muss jeden Abend zusehen, wie „Laufkundschaft“ die Toilette der Gaststätte nutzt. Das sind meist Fahrgäste, die von der S-Bahn kommen und ein dringendes Bedürfnis haben.

Sein Restaurant mit 40 Plätzen ist Anlaufpunkt, weil es keine öffentliche Toilette gibt. Jedoch sind nicht diese Kurzbesucher Grund seines tiefgreifenden Unmuts, sondern die Bahn und das Rathaus Vaterstetten. Und Fuentes will sich nicht damit abfinden, dass der Kiosk am Bahnhof schon seit Jahren geschlossen ist - und damit auch die Toilette. Eigentümer ist die Bahn.

Inzwischen kann man die Folgen von Vandalismus im Kiosk durch die Scheiben sehen. Alles mögliche liegt am Boden. Der Zugang zum Innenraum ist an einer Stelle mit etwas Geschick leicht möglich. „Da gibt es eigentlich nichts mehr, was man noch kaputt machen kann“, so ein Polizeibeamter gegenüber der Ebersbrger Zeitung. „Und zu stehlen gibt es auch nichts mehr“.

Für Fuentes ist das ein Skandal. Er kennt den Fall „Kiosk Baldham“ schon lange. Vor einigen Jahren war er auf der Suche nach einem kleineren Laden. Da fiel ihm auch der Kiosk auf. Er fragte nach, kam aber nicht weiter.

Irgendwann gab es einmal große Pläne für das gesamte Areal. Von einem Kino war die Rede und von Räumen für die Volksschule. Zudem war eine große Tiefgarage vorgesehen. Auch von öffentlichen Toiletten wurde mal gesprochen. Der Kiosk sollte weg. Doch umgesetzt wurde nichts. Der Kiosk blieb, steht leer und verkommt.

Dann wurde der nördliche Teil des Grundstücks als Containerinsel genutzt: Behälter für Papier und Altglas, dazwischen genug Platz für die Notdurft. Anwohner beschwerten sich über den Gestank.

Das mit den Containern ist vorbei, das Toiletteproblem bleibt. Teilweise wird der Aufzug der S-Bahn genutzt. Oder eben die Toilette des Restaurants „Neruda“. Dort gibt es jedoch nur eine Kabine für Damen und Herren, die aber behindertengerecht ausgestaltet ist.

Juan Fuentes hat Kontakt mit der Bahn aufgenommen. Seine Ansprechpartner haben innerhalb kurzer Zeit mehrmals gewechselt. Aktuell ist offenbar ein Bahn-Mitarbeiter aus einem Büro in Ingolstadt zuständig. Auch dem schilderte der Geschäftsführer das Problem mit der „Fremdbelegung“ der Restaurant-Toilette. „Der Mann sagte mir, ich soll diese Leute doch einfach rausschmeißen“, erzählt Fuentes. Etwas Ähnliches hab er auch im Bauamt in Rathaus Vaterstetten zu hören bekommen, als er dort vorstellig wurde. Das will Fuentes aber nicht tun. „So kann man doch nicht mit Menschen umgehen.“

Fuentes hätte einen Plan: Er will den Kiosk übernehmen, wieder herrichten und dann betreiben. Auch das Problem mit der Toilette könne man lösen. Den Vorschlag hat er auch der Bahn unterbreitet. „Das war im vergangenen Jahr im September, gehört habe ich seitdem nichts.“

Auf Anfrage der Ebersberger Zeitung sagt die Bahn, dass sie den alten Kiosk abreißen und durch einen stabilen Neubau aus Beton ersetzen wolle. In den Neubau solle dann wieder ein Pächter mit einem Reisebedarfs-Sortiment einziehen. Derzeit liefen bahnintern die Anträge für die Finanzierung des Neubaus. Wann mit dessen Fertigstellung zu rechnen ist? Diese Frage lässt das Unternehmen offen.

Robert Langer

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