Einzelhandel zieht's nach draußen

Grafing - Es ist zwar nur eine "kleine" Bauausschuss-Sitzung. Trotzdem könnte es sein, dass am Dienstagabend Entscheidungen getroffen werden, die die Grafinger Stadtentwicklung maßgeblich prägen werden. Es geht einmal mehr um das Lentnergelände.

Die Interessenlage könnte verschiedener nicht sein: Der Grundstücksbesitzer will, dass das Gelände endlich genutzt wird. Der Grafinger Einzelhändler "Sport Kipfelsberger" macht kein Geheimnis daraus, dass er das alte Lentnergelände für einen geeigneten Standort für sein Geschäft hält, um die 77-jährige Geschichte des Familienunternehmens erfolgreich in die Zukunft fortzuschreiben. Die Stadt hingegen bangt um ihr Ortszentrum und bekommt dabei Schützenhilfe vom Gewerbeverband, der in einem Abwandern von Einzelhändlern an die Peripherie den Beelzebub persönlich erkannt hat.

Bürgermeister Rudolf Heiler verweist darauf, der Stadtrat habe bereits beschlossen, "im Außenbereich keinen großflächigen Einzelhandel zuzulassen." Gleichwohl erkennt auch er einen "gewissen Druck" der inzwischen auf die Stadträte ausgeübt werde, von diesem Beschluss Abstand zu nehmen. Der Besitzer des Areals, die "Fritz und Richard Grill Besitzgemeinschaft", hat über die Münchner Anwaltskanzlei "Labbé und Partner" den Antrag gestellt, im Bebauungsplan für Sport Kipfelsberger eine Ausnahme zu machen. Das wäre auch im Interesse der Stadt Grafing wird argumentiert. Ein 100-prozentiger Nutzungsausschluss von Einzelhandelsbetrieben hingegen würde zu einer auch von der Stadt nicht gewollten Härte führen. Dieser Argumentation kann der Ausschuss heute Abend vermutlich aus rechtlichen Gründen nicht folgen. Denn die Baunutzungsverordnung, so der Standpunkt, lasse Regelungen für ein konkretes Einzelprojekt nicht zu. Eine "Lex Kipfelsberger" wäre demnach nicht möglich. Auch wettbewerbsrechtlich ergäbe sich daraus eine angreifbare Situation, dem Einen etwas zu genehmigen, was man vorhat, in Zukunft anderen zu untersagen.

Magnus Kipfelsberger, der Geschäftsführer des gleichnamigen Unternehmens, gab sich gestern angesichts dieser komplizierten Lage zurückhaltend. Er meinte: "Ich bin in der dritten Generation Grafinger. Unser Geschäft ist seit 77 Jahren am Marktplatz. Wir wollen nichts, was Grafing schadet. Davon hätte ich überhaupt nichts. Schließlich will ich in Grafing weiterhin Geschäfte machen."

Kipfelsberger hatte in der Vergangenheit bereits mit dem früheren Eigentümer des Grandauergeländes, der Mangfalltalbank, Gespräche aufgenommen, weil er sein Geschäft am Marktplatz "schon vor 10 bis 15 Jahren" erweitern wollte. Er macht keinen Hehl daraus, dass es vor allem die Parkplatzsituation am jetzigen Standort ist, die ihm Schwierigkeiten bereitet. Auf dem Lentnergelände hingegen sind Parkplätze keine Mangelware. Und schließlich spielt der Mietpreis eine Rolle. "Ich bin Einzelhändler, aber ich bin auch Betriebswirt", sagt Kipfelsberger.

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