Die alte Bundesstraße durch den Ort muss nach Expertenmeinung dringend umgestaltet werden. Foto: sro

Einzelhandel: Zorneding soll lächeln

Zorneding - Zorneding wird nie eine Shoppingmeile. Es muss vielmehr um seine Nahversorgung kämpfen. Das ist das Ergebnis des Einzelhandelsentwicklungskonzepts, das jetzt vorgestellt wurde.

Brennpunkte sind der Birkenhof, der Herzogplatz, das Pöringer Gewerbegebiet und die Münchner Straße. 30 000 Euro haben die in einer Sondersitzung des Gemeinderats präsentierten Ergebnisse gekostet. Ende Februar waren das Münchner Fachbüro Cima und der Planungsverband Äußerer Wirtschaftsraum München beauftragt worden. Anfang des neuen Jahres werde der Gemeinderat entscheiden, was von den Empfehlungen umgesetzt werden soll, kündigte Bürgermeister Piet Mayr (CSU) an.

Im Mittelpunkt wird dabei auf alle Fälle der Birkenhof stehen. Der dortige Vollsortimenter hat zwar seinen Mietvertrag erst kürzlich um fünf Jahre verlängert. Aber eben nur um fünf Jahre. Er aber sei der Magnet, mit ihm stünden und fielen auch die umliegenden Geschäfte. „Im vorhandenen Bestand“ muss deshalb laut Susanne Bauer vom Planungsverband nach Expansionsmöglichkeiten, sprich mehr Verkaufsfläche gesucht werden, um den Markt zu halten. Sonst drohe ein zweites Sterben wie am Herzogplatz. Für die Planungen dafür müsse die Gemeinde in Vorleistung gehen, lautet Bauers dringender Appell.

Was den Herzogplatz betrifft, haben die Gutachter den Einzelhandel dort bereits abgeschrieben. Allenfalls noch einen Drogeriemarkt kann sich Cima Diplom-Geograph Sebastian Mahrenholz vorstellen. Und wenn ein Neubau kommen sollte, müsse der mindestens 500 Quadratmeter Verkaufsfläche haben.

Bauer dagegen will die Nutzung der Ladenflächen ändern. Neuer Schwerpunkt könne wegen der Altersstruktur der dortigen Einwohnerschaft der Bereich Senioren und Gesundheit sein. Doch auch ein Mehrgenerationenhaus, eine Kindertagesstätte und Tagesgastronomie stehen auf ihrer Liste.

Beim Pöringer Gewerbegebiet treten die Gutachter voll auf die Bremse. Kein weiteres Einzelhandelsgeschäft, stattdessen Weiterentwicklung zum reinen Gewerbegebiet, heißt ihre Devise. Jeder Laden mehr bedeute eine große Konkurrenz für das Ortszentrum, schwäche sämtliche innerörtlichen Standorte, also auch das zumindest schon an die Wand gemalte Sorgenkind Birkenhof.

Bezogen auf die Münchner Straße lasen die Gutachter zumindest jenen Gemeinderäten regelrecht die Leviten, die nach der Inbetriebnahme der Umfahrungsstraße an der alten Hauptverkehrsader nichts ändern wollten, Vorschläge der Agenda zu einer Aufwertung, zu Belebung und Verkehrsberuhigung gar in Bausch und Bogen abgelehnt hatten. „Was fehlt, ist eine echte Ortsmitte“, so Dana Gerber vom Planungsverband. Hinzu käme eine fehlende Hinleitung potentieller Kunden von dort hinein in den Ort. Knackpunkt aber sei, dass die Straße eben „immer noch wie eine Bundesstraße gestaltet“ sei. „Sie brauchen eine Strategie zum Rückbau der alten B 304“, konstatierte auch Gerbers Kollegin Susanne Bauer. Dort wo noch die Tankstelle stehe, müsse an Umstrukturierung gedacht werden. Zwischen Alter Brennerei und Kirche gehe es um die Weiterentwicklung „als historischer Bereich“. „Hohe Attraktivität“ müsse geschaffen werden.

Zudem steht auf der Empfehlungsliste eine wirkungsvolle Verbindung der Ortsteile Zorneding und Pöring. Der dazu im Flächennutzungsplan im östlichen Bereich vorgesehene Bypass sei ein erster Ansatz. Ansatzpunkte seien ferner eine „Profil- und Imagebildung der Marke Zorneding“, die eigentlich eine aus dem Gewerbeforum auszugliedernde Werbegemeinschaft starten müsse - zusammen mit einer Serviceoffensive und einem Motto. Das könnte etwa „Zorneding lächelt Sie an“ oder so ähnlich lauten.

Von Eberhard Rienth

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