Unfall hat Nachspiel im Parlament

Das Elend der Schweine: Landtag diskutiert

Vaterstetten - 711 Jungschweine starben Ende Februar auf der A99. Der Fall hat jetzt, ausgelöst durch eine Anfrage des Grünen-Abgeordneten Christian Magerl, ein Nachspiel im Landtag.

Auch das Gesundheitsministerium geht von Verstößen des Transporteurs aus.

Am 22. Februar gegen 0.30 Uhr war das Schicksal von 711 dänischen Jungschweinen auf der Fahrt nach Italien so gut wie besiegelt: Ihr Tiertransporter geriet auf der A 99 bei Vaterstetten (Kreis Ebersberg) ins Schlingern und kippte um. Die Fahrer blieben unverletzt – doch für die Tiere nahte nun der Tod. Zwei Stunden lang versuchten Feuerwehrleute, für die Schweine einen Ersatz-Lkw zu finden. Doch das klappte nicht. Am Ende wurden alle Tiere gekeult.

Der Fall entsetzte Tierschützer – wie viele Leserbriefe in unserer Zeitung zeigten. In einer BR-Fernsehsendung machten Moderatorin Nina Ruge und der Leiter des Deutschen Museums, Wolfgang Heckl, den Fall zum „Ärgernis der Woche“. Wie konnte es zur Keulung der Tiere kommen, fragt der Grünen-Abgeordnete Magerl, der vom bayerischen Gesundheitsministerium detailliert Auskunft zu dem Unfall verlangte. Die Antwort liegt unserer Zeitung vor – sie wirft ein grelles Schlaglicht auf die tagtäglichen Tierdramen auf den deutschen Autobahnen. Das Ministerium listet auf: 2011 gab es 75 Tiertransportkontrollen in Bayern – bei 48 davon, also mehr als die Hälfte, wurden Verstöße moniert. Im Jahr davor wurden 53 von 167 Transporten beanstandet, 2009 18 von 37 Transporten. „Die meisten Verstöße bestanden in der Überschreitung der zulässigen Beförderungszeiten, zu hoher Ladedichte der Tiere und Mängeln bei den mitgeführten Transportunterlagen.“

Schweinelaster auf A 99 bei Vaterstetten verunglückt

Schweinelaster Unfall Vaterstetten
Schweinelaster Unfall Vaterstetten
Schweinelaster Unfall Vaterstetten
Schweinelaster Unfall Vaterstetten
Schweinelaster auf A 99 bei Vaterstetten verunglückt

Zahlen für 2012 oder 2013 liegen noch nicht vor – doch ein Fall wird sicherlich aufgeführt werden: die Unfallfahrt der Jungschweine. Nach Angaben aus Dänemark war der Tiertransporter am 21. Februar gegen 12 Uhr in Padborg gestartet. Ziel war Vivaro in der Region Udine – fast 1500 Kilometer entfernt. Die dänische Veterinärbehörde, so das bayerische Gesundheitsministerium, hatte den Transportplan gebilligt und damit auch die Angaben akzeptiert, dass die Fahrt in weniger als 24 Stunden absolviert werden würde. Dazu muss man wissen: Bei den Tieren handelte es sich um von der Muttersau abgesetzte Jungschweine, circa zwölf Wochen alt und bis zu 35 Kilo schwer. Sie dürfen nach der EU-Tramnsportverordnung maximal 24 Stunden ohne Versorgungs- und Ruhepause befördert werden. Dass ein Lkw mit einer zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h die Fahrt von Dänemark bis Italien in 24 Stunden bewältigt, hält Magerl für unrealistisch. Das Ministerium gibt ihm recht: Das „erscheint nicht plausibel“, heißt es in der Antwort auf Magerls Anfrage. Zu den etwaigen Folgen für den Transporteur, einen Unternehmer aus Weesby in Schleswig-Holstein, schweigt das Ministerium aber. Und nach Auskunft der Autobahnpolizei Hohenbrunn laufen die Ermittlungen zwar noch, es sei aber von keinen größeren Verstößen auszugehen. Magerl will jetzt noch einmal nachhaken.

Auch die Umstände der Schlachtung werden vom Gesundheitsministerium beschrieben. Bei Temperaturen von minus acht Grad Celsius seien „die Energiereserven der jungen Tiere weitgehend aufgebraucht“ gewesen. Da ein Abtransport nicht möglich gewesen sei, sei „aus Tierschutzgründen aus Sicht der örtlichen Veterinäre eine rasche Tötung angezeigt“ gewesen.

Das könne für zukünftige Fälle so nicht bleiben, sagt Magerl. Er fordert Notaufnahmequartiere für Tiere – wie in Österreich, wo es ingesamt sechs solcher Stationen gebe. Hätte so etwas zum Zeitpunkt des Unfalls auf der A99 in Bayern existiert, „hätte man einen erheblichen Teil der Schweine retten können.“

Dirk Walter

Auch interessant

Kommentare