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Bianca und Stretko D. zeigen eines der T-Shirts, die sie anlässlich des 18. Geburtstags ihres verstorbenen Sohnes an dessen Freunde verschenkten. Am Dienstag sind sie Nebenkläger vor Gericht.

Tragödie kommt vor Gericht

Eltern des toten Slobo D.: Wir hassen nicht

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Ebersberg - Nach einer Party im Oktober 2012 wird Slobodan D. auf dem Nachhauseweg von einem betrunkenen Kumpel angefahren. Der 18-Jährige flüchtet, Slobodan stirbt. Am 4. Februar wird vor Gericht verhandelt.

Die Familie von „Slobo“, wie er von seinen Freunden genannt wurde, wohnt in Ebersberg am Klostersee. Ein schöner Fleck zum leben. „Das alles ist nicht mehr wichtig“, sagt Sretko D. (47), der Vater des Getöteten, und schaut aus dem Fenster. Er und seine Frau Bianca (44) sind als Nebenkläger vor Gericht zugelassen. Die Anklage lautet: Fahrlässige Tötung.

Haben sie Angst vor der Verhandlung, vor den Details des Unglücks, die am Amtsgericht Ebersberg noch einmal ausgebreitet werden müssen? „Wir wollen nur wissen, wie es genau passiert ist“, sagt Bianka D. fest. Sie und ihr Mann rechnen nicht damit, dass der Unfallfahrer eine hohe Strafe bekommt. „Unsere Einstellung ist nicht Auge um Auge, Zahn um Zahn“, so Sretko D. „Hass und Gewalt bringen nichts, vor allem nicht für einen selbst“, meint auch seine Frau. „Wir hoffen nur, dass der Angeklagte ein anderer Mensch wird.“

Was als ausgelassene Party begann, endete mit einer tödlichen Tragödie. Slobodan D. war in der betreffenden Nacht zu Fuß auf dem Heimweg von einer Feier. Die Polizei schilderte den weiteren Hergang so: Der 17-jährige wird bei Aiterndorf von dem Wagen eines anderen Partygastes erfasst, der den Fußgänger auf dem Weg nach Grafing in einem dunklen Waldstück am Straßenrand übersieht. Slobo kann nicht schnell ausweichen. An der Stelle ist eine Leitplanke. Der 17-Jährige wird von dem Auto erfasst und in ein Waldstück geschleudert. Der Schwerstverletzte stirbt wenig später in einem Münchner Krankenhaus Ein Freund, der mit ihm zu Fuß unterwegs war, hatte Hilfe geholt. Doch Slobodan konnte keine ärztliche Kunst mehr retten.

Nach dem Aufprall war der Unfallverursacher einfach weitergefahren. Mit im Auto saßen eine Frau (29), sowie zwei junge Männer (17 und 18 Jahre alt). In der Verhandlung wird auch geklärt werden müssen, ob sie sich der unterlassenen Hilfeleistung schuldig gemacht haben.

Sretko D. sagt: „Ich bin persönlich sauer auf auf das Schicksal.“ In dem Wohnzimmer des Ehepaares stehen Bilder von ihrem Sohn neben roten Rosen. „Wir haben immer versucht, alles richtig zu machen“, berichtet der Vater des toten Jugendlichen. D. kam aus Bosnien nach Deutschland, weil er hier seine Frau fand. Sie arbeitet in der Kreisklinik, er inzwischen bei der Bahn. Beide sind fleißig, bekommen eine Tochter und einen Sohn, haben es zu Wohneigentum gebracht und wollten zusammen mit ihrem Slobo nochmal ein Haus bauen. „Der Antrag muss immer noch irgendwo bei der Stadt Ebersberg sein“, sagt Sretko. Das alles ist Vergangenheit.

Sie hätten ihren Sohn immer zur Ehrlichkeit erzogen, berichten die Eltern. Der junge Mann war bei seinen Freunden sehr beliebt, immer zu Späßen aufgelegt. Sretko und Bianca D. müssen schmerzlich erfahren, dass nicht in allen Familien Verantwortungsbewusstsein zu den Erziehungszielen gehört. „Wo war die Vernunft, das nicht zu tun?“, klagt Sretko D. verzweifelt. Über den Angeklagten sagt er: „Der Junge hatte nicht eine normale Kindererziehung und einen Familienhalt.“ Die Mutter des Unfallfahrers, so glaubt der 47-Jährige und urteilt damit das einzige Mal hart, „hat nicht das gemacht, was ihre Pflicht gewesen wäre“.

Nach dem Unglück haben sich viele Freunde sofort bei der Familie D. eingefunden. „Die sind zum Teil vom Arbeitsplatz weg“, erinnert sich Mutter Bianca. Slobos Freunde versuchen, dem Elternpaar weiterhin Halt zu geben. Das Unglück ist 16 Monate alt, und noch immer vergeht keine Woche, in der nicht jemand aus dem Freundeskreis zu Besuch kommt. Mit diesem Freundeskreis haben Bianca und Sretko auch den 18. Geburtstag von Slobodan gefeiert. „Das war keine Party“, berichtet die Mutter. Aber alle haben sich über Slobo und seine freundliche Art unterhalten, auch darüber, dass er den Führerschein machen wollte, damit er zu seinem 18. Geburtstag Auto fahren darf. „Alle Freunde haben von uns ein T-Shirt bekommen.“ Auf diesem T-Shirt ist das Portrait von Slobodan, der viel Pläne hatte, gerade mit seiner Ausbildung begonnen und das ganze Leben noch vor sich hatte, als ihn das Schicksal aus seiner Familie riss.

Lesen Sie auch: Das sagten Slobodans Eltern nach dem schrecklichen Unfall

Michael Seeholzer

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