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Die Stehauf-Frau wird 90: Martha Czermak aus Emmering ist wieder auf den Beinen

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Von: Josef Ametsbichler

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Für die Jubilarin (Mitte) gab’s einen Geschenkkorb von der stellvertretenden Landrätin Elisabeth Platzer und einen Blumenstrauß von Josef Ametsbichler, stellvertretender Redaktionsleiter der EZ, aus alter Verbundenheit.
Für die Jubilarin (Mitte) gab’s einen Geschenkkorb von der stellvertretenden Landrätin Elisabeth Platzer und einen Blumenstrauß von Josef Ametsbichler, stellvertretender Redaktionsleiter der EZ, aus alter Verbundenheit. © Peter Kees

Martha Czermak kämpft sich nach einer Tumor-OP zurück auf die Beine – Zur Freude von ganz Emmering. Ein Hausbesuch zum 90. Geburtstag.

Emmering – Martha Czermak ist zurzeit nicht gut zu Fuß, trotzdem hat sie alle im Griff. Krücken und Gehwagerl hinter sich verräumt, scheucht sie ihren Neffen durch die Küche. Kein Kuchenteller, keine Kaffeetasse, kein Sektglas bleiben leer, Widerstand der Gäste zwecklos. „Solang as Mei so guad geht..!“, scherzt sie und lacht. Unter den lila getönten Haaren blitzen die Augen, die Begeisterung über den Feiermarathon zu ihrem 90. Geburtstag sprudelt aus der Emmeringerin heraus.

Vier Tage haben sie gefeiert. Verwandtschaft, Nachbarn, Freunde und Vereine geben sich die Klinke in die Hand, etwa die Krieger, bei denen Czermak seit 1982 Fahnenmutter ist, und der Trachtenverein.

Von einem Tag auf den anderen gelähmt: Ein Rückentumor bremst die Fleißige

Selbstverständlich ist es nicht, dass sie alle beieinander in der Kuchl sitzen. Ein gutes Jahr ist es her, da schaffte es Martha Czermak plötzlich eines Morgens nicht mehr aus dem Bett. Sie, die ein paar Tage zuvor noch das Pflaster der Zufahrt händisch ausgegrast hatte. „Von einem Tag auf den anderen war ich gelähmt“, erzählt sie. Der Kaffee in der Tasse vor ihr kühlt vergessen vor sich hin. Immer wieder springt sie auf, weil die Türglocke wieder Gratulanten ankündigt. „Vorbeigeschrammt am Querschnitt“, fährt die 90-Jährige fort, die sich Stück für Stück wieder auf die Beine kämpft. Es war ein Rückentumor, die Operation erfolgreich.

Und so lauschen die Gäste kurzweiligen Anekdoten eines bunten Lebens. Melancholischen, wie den Erinnerungen an ihre vor einem Jahr verstorbene, acht Jahre jüngere Schwester Marianne, für die sie in Kindertagen fast wie eine Mama sorgte.

Die Geschichte vom falschen BMW

Und lustigen, wie einst, als sie ihr Mann Walter Czermak, langjähriger Autor für die Ebersberger Zeitung und 2013 verstorben, einmal am Marktplatz der Kreisstadt eine gefühlte Ewigkeit im Schneegestöber warten ließ. Als endlich der silberfarbene BMW an der Ampel hielt, riss sie mit dem Zorn der Gerechten die Tür auf, ließ sich auf den Beifahrersitz fallen und herrschte den Fahrer ohne zu schauen an: „Jetzt fahr endlich!“ Stellte sich nur heraus: Sie saß im falschen Auto.

Zurück blieben ein verdatterter Wildfremder in seinem BMW und eine legendäre Anekdote für die EZ-Kolumne „Wastl, die Wappensau“. „Der beste Mann der Welt!“, legt die Witwe nach, nur damit kein Missverständnis aufkommt. 60 Jahre waren die beiden verheiratet. In der EZ-Redaktion unvergessen: Martha Czermaks legendäre Weihnachtsplätzchen.

Das Backen haben diesmal andere übernommen. Martha Czermak, in der Genesung, übernimmt das Genießen.

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