+
Für einen Rücktritt sieht Bügermeister Max Maier „zum jetzigen Zeitpunkt keine Notwendigkeit“. 

Streit zwischen Gemeinderat und Bürgermeister geht weiter

In Emmering ist kein Lichtblick in Sicht

  • schließen

Die Fronten in der Gemeinde Emmering sind verhärtet. Der Gemeinderat will geschlossen, dass Bürgermeister Max Maier seinen Hut nimmt. Doch der denkt nicht dran. Eine etwas andere Bürgerversammlung.

Emmering – Der heraufziehende Ärger zeichnete sich für die Besucher der Emmeringer Bürgerversammlung an den Details ab. Als am Freitagabend die Gemeinderäte an ihrem Tisch direkt vor dem Rednerpult von Bürgermeister Max Maier eintrafen, konnten sich nicht alle ein knappes Nicken in Richtung Bürgermeister abringen. Der verzichtete ebenfalls weitgehend auf Blickkontakt mit seinen Ratskollegen, hielt ansonsten aber den Anschein von Normalität aufrecht.

Geduldig lauschten die gut 100 gekommenen Bürger der Südost-Gemeinde eine Stunde lang Statistiken wie Einwohnerzahl (1545), Pro-Kopf-Verschuldung (893 Euro) und Müllgebühren (13,95 Euro für die 80-Liter-Restmülltonne). Doch sie warteten auf etwas anderes, das bewies plötzliche Stille im Saal, als Maier ankündigte: „Zum Schluss möchte ich was verlesen.“ Spannung wich Lachen und Applaus, als sich der Bürgermeister für die drei Ruhebänke im Gemeindegebiet bedankte, die der Gartenbauverein stiftete. Nach einem ausführlichen Dank an die vielen Ehrenamtlichen in der Gemeinde, kam Maier aber doch noch auf seine „persönliche Angelegenheit“ zu sprechen: den seit Monaten eskalierenden Konflikt zwischen Bürgermeister und Gemeinderäten. Für einen Rücktritt, wie ihn der gesamte Gemeinderat mehrfach öffentlich gefordert hatte, sehe er „zum jetzigen Zeitpunkt keine Notwendigkeit“.

„Auch mir sind Fehler passiert“, so Maier weiter. Unwahr sei jedoch, dass er sein Amt für private Vorteilnahme missbraucht habe. Diese Vorwürfe habe die Kommunalaufsicht entkräftet. Den Gemeinderäten warf Maier vor, das Aufarbeiten seiner Versäumnisse abzublocken und seine Amtsführung zu hintertreiben. „Diese Zeit und Energie hätte man sinnvoller in ausstehende Projekte und Beschlüsse stecken können.“

Die Gemeinderäte ließen sich von Grünen-Kreisrat Benedikt Mayer zur Retourkutsche bitten, für die sieben von ihnen nacheinander ans Rednerpult traten. Als erstes kritisierte Maiers Stellvertreter Martin Killi (CSU), die Stimmung sei „am absoluten Nullpunkt“. Der Bürgermeister lüge den Gemeinderat an und setze gefasste Beschlüsse nicht um. Max Wagenpfeil, Dritter Bürgermeister (FW), sprach von einem „Scherbenhaufen“ vor dem die Gemeinde stehe: Seit Maier im Amt sei, gehe bei der Erschließung lange geplanter Wohngebiete und anderen Vorhaben nichts voran. Max Maier, Namensvetter und lange Zeit Fraktionsgänger des Bürgermeisters nannte dessen Äußerungen eine „absolute Frechheit“, auch er sei nachweislich belogen worden. „So einen schlechten Bürgermeister habe ich noch nicht erlebt.“ Auch Margit Mayer, Hans Egger, Alois Kirchlechner und Sepp Gilg kritisierten den Rathauschef scharf.

Der nahm die Kritik mit verschränkten Armen und ausdrucksloser Miene hin. Dass der Bruch zwischen Gemeinderat und Bürgermeister offenbar auch die Emmeringer Bürgerschaft spaltet, zeigte sich am Applaus: Den bekamen der Bürgermeister sowie seine Gegner jeweils von gut einem Drittel der Besucher. Den anderen Bürgern war wohl der wütende Schlagabtausch, der mittlerweile den politischen Umgangston in Emmering dominiert, kein Klatschen mehr wert.

Denn mäßigende Stimmen gibt es in Emmering auch noch: Zwar nicht im Gemeinderat, aber unter den Bürgern, die dieses Mal im Gegensatz zu den Ratssitzungen zu Wort kamen. Sie kommentierten die verfahrene Situation zwischen ihren Volksvertretern teils verärgert, teils um Versöhnung ringend. Allen voran TSV-Vorsitzender Herbert Rott. Er appellierte an die Streitparteien: „Wir sind eine Gemeinde und wir brauchen euch.“ Persönliche Sympathie habe er für beide Seiten - und „ich glaube, dass jeder ein bisschen Recht hat“. „Zammsitzen und dem anderen einen guten Willen unterstellen“ sei gefragt, so Rott. „Wenn das so weiter geht, kommen wir keinen Millimeter vorwärts.“

Dafür gab es schließlich Applaus vom ganzen Saal. Nur nicht aus dem Gemeinderat.   

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Louisa aus Purfing
Stefanie und Maximilian Mack aus Purfing sind überglücklich. Endlich ist Louisa Johanna Sabine auf die Welt gekommen, ihr erstes Kind. Die kleine Prinzessin wurde am 13. …
Louisa aus Purfing
Motorsägen-Diebe schlagen erneut zu: 10.000 Euro Beuteschaden
Auf Motorsägen der Marke Stihl und andere Maschinen der Marke Makita hatten es Einbrecher abgesehen, die in der Nacht auf Mittwoch, 23. Mai, eine Seitentür einer …
Motorsägen-Diebe schlagen erneut zu: 10.000 Euro Beuteschaden
Ein Radweg von Ebersberg bis nach Hohenlinden
Wer von Ebersberg aus entlang der Staatsstraße 2086 sicher durch den Forst Richtung Norden radeln will, kommt derzeit nicht einmal bis Gmaind. Der Fahrradweg endet …
Ein Radweg von Ebersberg bis nach Hohenlinden
Poinger Bahnunterführung: Endlich Baubeginn
Jahrzehntelang hat die Gemeinde Poing auf diesen Tag gewartet: Endlich haben die Arbeiten zum Neubau der Bahnunterführung am S-Bahnhof begonnen. Sie soll die Verbindung …
Poinger Bahnunterführung: Endlich Baubeginn

Kommentare