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Mit der Buslinie 444, hier am Aßlinger Bahnhof, sind manche Fahrgästen offenbar unzufrieden.

Buslinie in der Kritik

Ärger mit der 444

Emmering/Aßling: Lange Zeit war es ruhig um die Buslinie 444, doch nun kochen Vorwürfe gegen den Betreiber wieder hoch. Zur Sprache kam das Thema in der jüngsten Sitzung des Emmeringer Gemeinderats.

Klaus Niedermeier (Bürger für Emmering – BfE) berichtete, wiederholt sei er von Bürgern angesprochen worden, die sich über Unpünktlichkeit und unfreundliche Fahrer ärgerten. Darum würden inzwischen wieder deutlich mehr Pendler mit dem Auto zum Aßlinger Bahnhof fahren, statt den Bus zu nehmen, der die Gemeinden Emmering und Frauenneuharting an Aßling und Grafing anbindet.

„Die fahren anscheinend am liebsten ohne Fahrgäste“

Mehrere Gemeinderäte stimmten der Kritik zu. Die Vorwürfe: Die Kommunikation mit den Fahrern sei schwierig, da diese unfreundlich und, auch wegen mangelnder Deutschkenntnisse, schlecht zu verstehen seien. Daran scheitere manchmal sogar der Fahrkartenkauf. Außerdem seien die Fahrer seit dem Betreiberwechsel 2013 weniger kulant: Zugverspätungen würden sie nicht abwarten, sondern „Schlag Fahrplan“ abfahren. Deshalb strandeten Pendler auf dem Heimweg in die Gemeinde Emmering immer wieder am Aßlinger Bahnhof. „Die fahren anscheinend am liebsten ohne Fahrgäste“, kommentierte Gemeinderat Max Maier (BfE) die Kritik.

Vehement widerspricht dem der Betreiber, Josef Ettenhuber, dessen gleichnamiges Busunternehmen aus Glonn die Linie 444 nach einer europaweiten Neuausschreibung übernommen hat. Die Vorwürfe, die Fahrer warteten nicht auf verspätete Züge, weist Ettenhuber zurück. Man warte sehr wohl auf den Meridian-Zug, jedoch nicht unbegrenzt. Es gebe ein offizielles Warteverzeichnis des MVV, an das sich das Unternehmen halte. „Wir fahren mit der Linie drei Bahnhöfe an: Aßling, Grafing und Grafing-Bahnhof“, wirbt der Busunternehmer um Verständnis. Warte der Bus an einem Bahnhof zu lange, verpassten andere Kunden ihren Zug am nächsten Bahnhof.

Busunternehme: „Für uns gibt es kein Pardon.“

Auf den Vorwurf, seine Fahrer seien unfreundlich und schlecht zu verstehen, antwortet Ettenhuber mit einem Beispiel, als der deutsche Fahrer, der meist auf der Linie unterwegs ist, einen jugendlichen Fahrgast wegen seines Schals vor dem Mund nicht richtig verstanden habe. Deshalb habe er ihm versehentlich eine Fahrkarte nach Parsdorf statt nach Frasdorf verkauft. „Jetzt tun manche so, als sei er seiner Muttersprache nicht mächtig.“

Der Chef sieht sein Unternehmen zu Unrecht in der Kritik. Für den vorherigen Betreiber hätten die Fahrgäste schlichtweg mehr Verständnis gehabt, wenn etwas schiefgelaufen sei: „Bei uns gibt es kein Pardon.“ Seit die Firma Ettenhuber die Buslinie übernommen habe, sei „kein Quartal ohne Probleme von außen“ vergangen, wie den anfänglich unzuverlässigen Meridian oder Umleitungen wegen Bauarbeiten auf der Strecke.

Außerdem sei man seit der Neuausschreibung strikteren Vorgaben unterworfen. So dürften Fahrgäste beispielsweise nur noch vorne einsteigen und müssten ihre Fahrkarte vorzeigen. Kontrolliere dies der Fahrer nicht, erwarte ihn eine Geldbuße durch den MVV. „Die Fahrgäste fühlen sich schikaniert“, sagt Ettenhuber. „Aber wir sind da in der Pflicht.“

Weitere Probleme wegen Bauarbeiten zu erwarten

Für die Fahrgäste hat Ettenhuber übrigens keine guten Aussichten parat: „Im Februar erwarten wir die nächsten Verspätungen, für die wir nichts können.“ Grund seien Bauarbeiten an der Grafinger Ostumfahrung und ein damit verbundener Umweg über den Ortsteil Dichau, „der eigentlich für Busse nicht befahrbar ist“.

Einem weiteren Vorwurf aus Emmering, wonach der Bus vergangene Woche wegen Blitzeises nicht gekommen sei, weshalb Schulkinder von den Emmeringern per Pkw in die Schule gebracht werden mussten, widerspricht Ettenhuber ebenfalls: Der Bus habe laut digitalem Fahrtenbuch lediglich zehn Minuten Verspätung gehabt. Angesichts der „sehr gefährlichen Witterungsverhältnisse“ seien die Fahrer kein Risiko eingegangen.

„Wir tun unser Bestes, aber fliegen können wir nicht“, sagt Ettenhuber. Die Emmeringer Gemeinderäte wollen jedoch gemeinsam mit den Gemeinden Frauenneuharting und Aßling eine „Zufriedenheitsumfrage“ unter den Fahrgästen im Monatsblatt der gemeinsamen Verwaltungsgemeinschaft starten.

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