Heinrich Lettl (Mi.) bei der Ehrung durch Bürgermeister Max Maier (li.) und Krieger-Vize Erich Rott. Foto: ez

Nicht nur Schall und Rauch

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Emmering - Heinrich Lettl hat es 60 Jahre lang sauber krachen lassen. Bei jeder Leich’ war er dabei, wie man in Bayern so schön sagt.

Lettl war sagenhafte sechs Jahrzehnte lang Kanonier der Krieger- und Soldatenkameradschaft Emmering. Wurde ein gedientes Mitglied beerdigt, kam auf dem Friedhof Lettls Kanone zum Einsatz. „Wenn sie den ,Kameraden’ spielen, wird geschossen“, sagt Bürgermeister Max Maier, der selbst Mitglied ist.

Lettls Einsatz sollte jetzt gewürdigt werden. Gemeindechef Maier und 2. Vorstand Erich Rott besuchten den Kanonier zuhause und überbrachten einen Geschenkkorb und ein Krügerl. Eigentlich hätte die Ehrung ja im Rahmen der Bürgerversammlung vorgenommen werden sollen, aber Lettl ist nicht mehr so gut zu Fuß, berichtet Maier, als dass der Geehrte noch leicht die Stufen zum Saal im Landgasthof Bruckhof hätte bewältigen können. Also besuchte ihn die Ehrenabordnung kurzerhand zuhause.

Nach sechs Jahrzehnten war es Zeit, den Posten des Kanoniers in jünger Hände zu legen. Lettls Neffe Bernhard soll den Stab übernehmen. Aber das ist nicht so einfach. Denn der Kanonier braucht eine Spengstofferlaubnis - schließlich hantiert er mit explosivem Schwarzpulver.

Der Nachfolger ist bereits zur Schulung in Rosenheim angemeldet, berichtet der Bürgermeister. Alles muss seine Richtigkeit haben, auch das Schießen mit der historischen Kanone, die auf einer Lafette mit Holzrädern zum Einsatz gerollt wird. „Wo wir das Schwarzpulver haben, verraten wir aber nicht“, sagt Maier.

Kanoniere haben anscheinend Hochkonjunktur - ebenso wie Böllerschützen. Jedenfalls sind die Kurse dafür so ausgebucht, dass es eine Warteliste gibt auf der nach Auskunft des Bürgermeisters auch Bernhard Lettl steht. Wer mit Schwarzpulver hantieren will, muss eine Ausbildung machen und bekommt nach bestandener Prüfung ein grünes Büchlein von der Kreisbehörde, in die derjenige, der ihm Pulver verkauft, Datum und Menge eintragen muss. Die Erlaubnis wird nur für eine bestimmte Menge erteilt und muss danach erneut beantragt werden. Das ist jetzt Aufgabe des Nachfolgers, bevor er in die Fußstapfen seines Onkels treten kann.

Die Kanoniere in Oberbayern sind eine lose Gemeinschaft, die aber einmal im Jahr einen gemeinsamen Auftritt haben. In Schondorf am Ammersee wird von ihnen am 1. Januar seit etwa zehn Jahren das neue Jahr angeschossen. Zu dieser Veranstaltung kommen etwa 800 Zuschauer, für die die Kanonenschüsse nicht nur Schall und Rauch sind.

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